Die Abfer­ti­gung ALT gilt für alle Arbeits­ver­hält­nis­se, die vor dem 1. Jän­ner 2003 begon­nen haben. Es han­delt sich dabei um ein außer­or­dent­li­ches Ent­gelt, das Arbeit­neh­mern und Arbeit­neh­me­rin­nen bei Auf­lö­sung des Arbeits­ver­hält­nis­ses gebührt. Damit ein Abfer­ti­gungs­an­spruch ent­steht, muss das Arbeits­ver­hält­nis min­des­tens drei Jah­re gedau­ert haben und auf anspruchs­wah­ren­de“ Art enden. (§§ 23, 23a Angestelltengesetz).

Abfertigungsanspruch

Die Abfer­ti­gung ist ein Ent­gelt, wel­ches der Arbeit­ge­ber bei Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses zah­len muss. Der Anspruch hängt jedoch von der Art der Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses ab. Bei Kün­di­gung durch den Arbeit­neh­mer, unbe­rech­tig­tem Aus­tritt (grund­lo­se, frist­lo­se Kün­di­gung des Arbeit­neh­mers) und bei ver­schul­de­ter Ent­las­sung geht der Anspruch verloren.

Der Anspruch beträgt nach

3 Jahren2 Monatsentgelte
5 Jahren3 Monatsentgelte
10 Jahren4 Monatsentgelte
15 Jahren6 Monatsentgelte
20 Jahren9 Monatsentgelte
25 Jahren12 Monatsentgelte

Berechnung der Abfertigung

Die Berech­nungs­ba­sis ist der letz­te Brut­to­mo­nats­ge­halt. Die­ser wird um 2 x je 112 an Urlaubs­geld und Weih­nachts­geld sowie regel­mä­ßi­ge monat­li­che Über­stun­den und ande­re regel­mä­ßig bezahl­te Ent­gel­te (z. B. Zula­gen, Boni­fi­ka­tio­nen etc.) erhöht. Bei star­ken Ent­gelt­schwan­kun­gen muss ein Durch­schnitt des letz­ten Arbeits­jah­res gebil­det wer­den. Der Gesamt­be­trag wird dann mit der Anzahl der Monats­ent­gel­te multipliziert.

Fälligkeit

Bis zu 3 Monats­ent­gel­te wer­den mit dem letz­ten Arbeits­tag fäl­lig. Wei­te­re Monats­ent­gel­te wer­den dann ab Beginn des 4. Monats nach dem Ende des Arbeits­ver­hält­nis­ses jeweils monat­lich fällig.

Abfertigung bei Pensionierung

Wenn man zumin­dest 10 Jah­re in einem Unter­neh­men beschäf­tigt war und wegen des Alters oder lan­ger Ver­si­che­rungs­dau­er in Pen­si­on geht, erhält man auch bei Selbst­kün­di­gung den vol­len Abfer­ti­gungs­an­spruch. Bei einer Berufs­un­fä­hig­keits­pen­si­on sind die 10 Jah­re nicht erfor­der­lich. Die Aus­be­zah­lung kann jedoch pro Monat auf jeweils das hal­be Monats­ent­gelt redu­ziert werden.

Hin­weis: Seit 1.1.2016 besteht auch ein Anspruch auf Abfer­ti­gung bei Kün­di­gung des Arbeit­neh­mers wegen Bezug des Reha­gel­des und bei Kün­di­gung des Arbeit­neh­mers nach dem Ende der Ent­gelt­fort­zah­lung des Arbeit­ge­bers und dem Ende des Kran­ken­geld­an­spruchs wäh­rend eines Pensionsverfahrens.

Abfertigung bei Geburt eines Kindes, während Karenz oder Elternteilzeit

Erfolgt nach der Geburt die Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses durch die Arbeit­neh­me­rin wäh­rend des Mut­ter­schut­zes oder bis spä­tes­tens 3 Mona­te (im Fal­le einer Karenz von weni­ger als 3 Mona­ten sind es 2 Mona­te) vor Ende der Karenz, so gebührt die Hälf­te der Abfer­ti­gung, maxi­mal jedoch 3 Monats­ent­gel­te. Das Arbeits­ver­hält­nis muss jedoch min­des­tens 5 Jah­re gedau­ert haben. Ein Aus­tritt wäh­rend der Karenz ist auch für den im gemein­sa­men Haus­halt leben­den Kin­des­va­ter mög­lich. Dies gilt auch, wenn das Arbeits­ver­hält­nis von Arbeit­neh­mern wäh­rend einer Eltern­teil­zeit gekün­digt wird.

Stand: Mai 2018

Autor: Mag. Dr. Klaus Mayr LL.M. ist Refe­rent in der Kam­mer für Arbei­ter und Ange­stell­te (Abt. Kom­pe­tenz­zen­trum Betrieb­li­che Inter­es­sen­ver­tre­tung), Mit­glied der Selbst­ver­wal­tung der GKK, Lek­tor der Uni­ver­si­tä­ten Linz & Wien, Fach­kun­di­ger Lai­en­rich­ter beim OGH.