Erstellt am 9. Januar 2019 · Arbeitsleben · von

New year, new me: Jedes Jahr dieselbe Leier

Lesezeit: 4 Minuten

Neigt sich das alte Jahr dem Ende zu, sind sich alle einig: neues Jahr, neues Ich – und diesmal wirklich! Mittlerweile ist es ja fast schon zu einem Volksbrauch geworden, in den Wochen vor Silvester darüber zu reflektieren, was man im kommenden Jahr alles anders und besser machen möchte und diese Punkte als Vorsätze zu formulieren. Eigentlich eine gute Sache. Zumindest dann, wenn wir tatsächlich an ihnen festhalten würden …

Die schlechte Nachricht zuerst: Über 90 Prozent aller Menschen schaffen es nicht, ihren Vorsätzen fürs neue Jahr gerecht zu werden. Bereits im ersten Monat werden diese vergessen, oder das Interesse an der Umsetzung geht flöten. Zugegebenermaßen ist das ziemlich ernüchternd. Sollte man deshalb verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und sich schwören, nie wieder einen Versuch in puncto „self improvement“ zu machen? Auf gar keinen Fall!

Vier Verhängnisse, die garantiert jeden ins Straucheln bringen

Spoiler alert: Wir Menschen stellen uns einfach gern selbst ein Bein, wenn es darum geht, nachhaltige Veränderungen in unser Leben zu integrieren. Mit Bequemlichkeit oder Faulheit hat das aber eigentlich nur wenig zu tun. Viel mehr sind es banale Fehlentscheidungen unsererseits, die uns einen Strich durch die Rechnung machen:

  1. Friendly reminder: Du musst nicht versuchen, zehn Dinge auf einmal zu stemmen. Manche Menschen scheinen vergessen zu haben, dass Qualität vor Quantität kommt und die Länge unserer Vorsatzliste über Scheitern und Erfolg bestimmen kann. Wir sagen: lieber ein bis zwei große Ziele ins Auge fassen, anstatt dich in viele unwesentliche zu verzetteln. Dadurch bleibt dir ein klarer Blick auf das, was wirklich zählt.
  2. Die Verlockung, sich möglichst hohe Ziele zu setzen, ist groß. Vermeintlich um uns zusätzlich zu motivieren, doch wer unrealistisch denkt, dem ist die Frustration auf den Fersen, bevor er sich versieht. Erfolge verzeichnet man Schritt für Schritt, nicht Sprung für Sprung. Also lieber mit bescheidenen zehn Kilometern als Jahres-Laufziel beginnen, anstatt sofort einen Marathon bewältigen zu wollen. Die Enttäuschung ist es nicht wert – vom Muskelkater und den Blasen an den Füßen ganz zu schweigen. ;)
  3. Mehr Sport machen, sich gesünder ernähren und so weiter und so fort. Alles schön und gut, aber was bedeutet gesunde Ernährung für dich und wie definierst du „mehr“? Allgemein gehaltene Wischiwaschi-Ziele erschweren deren Umsetzung. Definiere dein Vorhaben also möglichst präzise. Zum Beispiel: Ich will vier Mal in der Woche Sport machen oder Ich halbiere bewusst meinen wöchentlichen Süßigkeiteneinkauf. Wenn du genau weißt, welche Maßnahmen du umsetzen musst, dann fällt dir das um ein vielfaches leichter.
  4. Eine Frage, die es sich lohnt, zu stellen: Weshalb hast du dich eigentlich für deine Neujahrsvorsätze entschieden? Häufig ist die Wahl an gesellschaftliche Erwartungen und Normen gekoppelt. Ich muss schlank sein, ich muss gesund essen, ich muss das und das tun, um gewissen Erwartungen zu entsprechen und Leitbildern gerecht zu werden. Wer Zielen nacheifert, die einem von außen aufgedrückt werden, wird seine Vorsätze langfristig bestimmt nicht umsetzen. Intrinsische Motivation ist hierbei nämlich wesentlich effektiver! Für was brenne ich, wofür lohnt es sich, mich zu verändern? Welche Verbesserungen werden mein Leben auf lange Sicht bereichern?

Das neue Ich – Schluss mit zeitlicher Begrenzung

Ein neues Jahr symbolisiert für viele nicht nur ein weiteres Lebenskapitel – es geht zusätzlich mit der Verpflichtung einher, sich binnen kurzer Zeit von Grund auf neu zu erfinden. Sobald die Zahl auf dem Kalender wechselt, scheinen viele Menschen ihr altes Ich wie eine Hülle abstreifen zu wollen. Doch seien wir mal ehrlich! Ins neue Jahr starten mit der Gewissheit, sich selbst ein Dutzend Zwänge auferlegt zu haben – wer will das schon?

Die Wahrheit ist: Veränderungen sind immer unangenehm, und sie treten nicht von heute auf morgen in Kraft. Unser Verhalten und unsere Gewohnheiten haben wir über Jahre hinweg entwickelt und verinnerlicht. Um sie zu ändern, bedarf es nicht nur Zeit, sondern auch Geduld. Das bedeutet auch, dass wir uns von zeitlichen Begrenzungen lösen sollten. Denn wer sein bisheriges Leben positiv korrigieren möchte, muss nicht auf den ersten Tag des Folgejahres warten, um damit zu beginnen.

Veränderung ist außerdem nicht statisch, sondern immer in Bewegung. Sich eine dezidierte Deadline zu setzen, macht möglicherweise wenig Sinn. Immerhin kommt sowieso meist alles anders als geplant. Die Hauptsache ist, am Ball zu bleiben und auch kleine Erfolge als solche anzuerkennen. Rückschläge sollten uns nicht entmutigen, sondern zusätzlich motivieren und uns als Lehre dienen. Wer einen Tag lang schleifen lässt, darf das also nicht als Entschuldigung missbrauchen, den gesamten Vorsatz aus dem Fenster zu werfen.

Jeden Tag ein bisschen mehr „new me“

Also, weg mit diesem „new year, new me“-Blödsinn! Wer tatsächlich das Bedürfnis hat, die Baustelle „Leben“ in Angriff zu nehmen und gehörig auf den Kopf zu stellen, muss sich bewusst sein, dass das eine Aufgabe … naja, fürs Leben ist. Denn die Person, die du werden willst, lässt sich nicht anhand einer Zeitlinie festmachen. Das Schöne daran: Du hast unendlich viele Möglichkeiten (und Zeit!), dich zu verändern. Wer mit einer dermaßen entspannten Einstellung an diese Aufgabe herangeht, hat definitiv bessere Karten, dranzubleiben.

Auf sich Acht zu geben und sogenanntes „Self Care“ zu betreiben, bedeutet außerdem nicht nur, sich Zeit einzuräumen, um ein Buch zu lesen oder jeden Tag zehn Kilometer zu laufen. Sondern auch, sich um drei Uhr morgens eine Pizza, ein gigantisches Stück Kuchen oder Pommes Frites (oder vielleicht auch alles auf einmal) zu gönnen und zwar einfach nur, weils einen grad gustert!

In fünf Schritten zu deinen persönlichen Vorsätzen

Wenn du also in deinem Leben Handlungsbedarf siehst, dann warte nicht, bis der 01.01.2020 vor der Tür steht, sondern leg jetzt los! Vielleicht können dir die folgenden fünf Punkte dabei helfen, dein Vorhaben in die Tat umzusetzen:

  • Ein generisches Ziel wählen (z.B.: mehr Sport).
  • Über die dahinterliegenden Motivationen reflektieren: Möchte ich dieses Ziel erreichen, weil ich weiß, dass es meinem Körper gut tut? Oder ziele ich auf mehr Zuneigung, Bewunderung und Bestärkung von außen ab? Wenn Letzteres der Fall ist, das Ziel noch einmal überdenken.
  • Ein oder zwei Gründe niederschreiben, weshalb der Vorsatz für dich wichtig ist.
  • Skizziere einen Plan, um dein Ziel zu erreichen. Definiere, welches Ergebnis für dich als Erfolg zählt, und lege dir „Was-wenn“-Strategien zurecht (z.B.: Wenn es regnet, welchen Sport mache ich stattdessen?).
  • Behalte den Prozess im Auge und ändere deine Vorgehensweise, wenn du merkst, dass du auf Hindernisse stößt.

Bildnachweis: 4 Girls 1 Boy / Shutterstock

Bianca Schedlberger

Biancas Traumjob seit Kindertagen? Schriftstellerin, irgendwann. Bis dahin wird für karriere.at fleißig getextet, unter anderem auch Blogposts.

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