Erstellt am 7. März 2019 · Arbeitsleben, HR, Jobsuche · von

Erfolgsgeheimnis Netzwerk: Karrieretipps für Berufseinsteiger

Lesezeit: 4 Minuten

„Du suchst einen Job? Ich kenn da wen …“ – Die richtigen Kontakte sind für die Karriere unerlässlich. Das gilt besonders beim Berufseinstieg. Wer sich nicht mit unterbezahlten Anfangsjobs oder Langzeitpraktika ohne Aufstiegschance abspeisen lassen will, ist häufig auf ein gutes Netzwerk angewiesen. Wie man das aufbaut und warum Networking für Berufseinsteiger sinnvoll ist, erklären uns zwei Profis.

„Durchs Reden kommen d’Leut zamm“, so heißt es. Wie wahr dieser Satz ist, zeigt sich an den Marketing Natives. 2011 vom DMVÖ (Dialogmarketing Verband Österreich) als ehrenamtlicher Verein für Marketingstudenten gegründet, hat sich mittlerweile eine große Community entwickelt: Arbeitgeber, Branchenentscheider und natürlich Studenten sowie Berufseinsteiger treffen sich regelmäßig zu Networking-Events, mit dem Ziel Wissen zu teilen und Kontakte zu knüpfen. Woraufs beim Netzwerken ankommt, erklären uns Benedikt Secker und Christoph Brenner, die beiden Heads der Marketing Natives:

Gemeinsam geht mehr: Networking-Tipps für Berufseinsteiger

Wie baut man sich ein Netzwerk auf, wenn man noch keine Berufserfahrung hat und niemanden in der Branche kennt? Soll man nicht erst mal ein Mail ausschicken, bevor man jemanden persönlich anspricht?

Christoph Brenner: Nur ein Mail auszuschicken, wird in vielen Fällen zu wenig sein. Weil kein Gesicht da ist und kein Gespräch da war. In Österreich ist das Persönliche nach wie vor sehr wichtig, ohne das jetzt wertend zu meinen. Über Gesichter und persönliche Erinnerungen geht einfach am meisten. Und eine Bekanntschaft kann auch ein Multiplikator sein. Das dauert am Anfang vielleicht ein wenig, aber wenn das mal ins Rollen gekommen ist, gehts sehr schnell, neue Leute kennenzulernen. Genau dafür gibts uns ja: um Kontakte zu knüpfen.

Benedikt Secker: Viele Studenten glauben außerdem, dass nur die älteren, erfahrenen Leute relevant für ihr berufliches Weiterkommen sein können. Und vergessen dabei total, dass die dreißig Studienkollegen von ihnen in fünf bis zehn bis zwanzig Jahren die nächste Generation an Branchenentscheidern sein können. Das gilt auch für die Jugend- und Schulfreunde. Alle, mit denen ich meine Schulzeit, meine Jugend, meine Freizeit verbracht habe, könnten später mal im Beruf für mich wichtig sein. Der beste Networking-Tipp für Berufseinsteiger ist daher: einfach unter Leute gehen. Am Ende des Tages kann jeder relevant sein.

Benedikt Secker Marketing Natives

Benedikt Secker

 

„Österreich ist halt eine Vitamin-B-Landschaft.“

 

Kann man sich aufs Netzwerken vorbereiten?

Benedikt: Was man nicht vergessen darf, ist Fachzeitschriften lesen, sich branchenspezifisch auf dem Laufenden halten. Gerade im Marketing gibt es einige Meinungsführer, denen man ganz leicht auf Facebook oder Twitter folgen kann, wenn es um gewisse Themen geht. Blogger, Facebookgruppen, das sind alles Möglichkeiten, um sich ein Bild zu machen und sich auszutauschen. Und solche Wege helfen mir als Anfänger dabei, mich für die Themen zu sensibilisieren, die dann im Beruf für mich relevant sind.

Christoph: Dieses Wissen hilft dann wieder beim Netzwerken: Wenn du ein bisschen informiert bist über aktuelle Themen, dann hast du gleich eine Gesprächsbasis – erst recht, wenn du mit erfahreneren Menschen sprichst.

Soll man sich als Student überhaupt trauen, einen Marketingleiter oder Agenturchef anzureden?

Christoph: Da gibts einen Irrglauben, mit dem wir aufräumen wollen: Viele Studenten glauben, dass Marketingleiter oder Geschäftsführer nicht mit Studenten reden wollen. Das stimmt nicht.

Christoph Brenner Marketing Natives

Christoph Brenner

„Die schlauen Entscheider haben kapiert, dass die Jungen Innovationstreiber sind, die die Entwicklung ihres Unternehmens stark vorantreiben können.“

Christoph: Diese Einstellung: „Den sprech ich jetzt nicht an, weil der will sowieso nicht mit mir reden.“ Das müssen die Jungen ablegen.

Benedikt: Da gilt es, Selbstbewusstsein zu zeigen.

Christoph: Das ist auch ein Teil dessen, warum wir das tun, nämlich Bewusstsein zu schaffen: Leute, ihr seid in einem Bereich spezialisiert, habt eine gute, mitunter sogar lange Ausbildung, vielleicht schon mit Praxiserfahrung während des Studiums – also verkauft euch nicht unter Wert!

Würdet ihr das auch in Bezug aufs Gehalt raten?

Benedikt: Beim Gehalt erleben wir oft zwei Extreme: entweder überzogene Forderungen oder zu wenig Selbstbewusstsein.

Christoph: Gerade in unserer Branche, also Werbung, Marketing und Kommunikation, steckt oft sehr viel Geld, da sind mehrere Milliarden Euro im Umlauf – alleine in Österreich. Das bringt auch große Verantwortungen! Als Toptalent hat man also klarerweise das Recht, auch einen gewissen Betrag zu verlangen. Dass es nicht gleich beim Einstiegsgehalt 3000 Euro brutto sind, ist klar, aber oft wird man mit 2000 oder weniger abgespeist und das sollte man sich nicht bieten lassen.

Networking-Events: Infos, Wissen und Jobangebote

Ihr bietet Networking-Events für Berufseinsteiger, Studenten und Arbeitgeber. Was erlebt man dort?

Benedikt: Bei uns gibts viermal im Jahr einen Abend mit interessantem Input zu relevanten Themen mit Marketing-Schwerpunkt. Man hört drei bis vier Vorträge, genießt ein cooles Rahmenprogramm mit Catering und kann sich mit Gleichgesinnten austauschen. Dadurch bieten unsere Events Orientierung und sind sowohl Selbstfindungsplattform als auch Sprungbrett.

Christoph: Wir versuchen möglichst alle Themen im Marketing abzudecken, unter anderem auch Employer Branding.

Also werden eure Events auch als Recruiting-Möglichkeit genützt?

Benedikt: Ja, die Unternehmen erkennen halt die Benefits: Durch uns kommen sie an eine sehr spitze, relevante Zielgruppe, die Recruiting-relevant ist. Bei uns sitzen motivierte Leute aus der Kommunikations- und Marketingbranche und man kann die richtigen gleich direkt ansprechen.

Christoph: Das ist noch dazu eine Zielgruppe, die du mit klassischer Werbung nur mehr ganz schwer erreichst. Diese Zielgruppe erwartet sich von Unternehmen, dass sie ein perfekt auf sie zugeschnittenes Nutzererlebnis bietet. Auf unserem Event bekommen sie dieses Erlebnis und da kann sich ein Kooperationspartner gut mitpositionieren.

Wie funktionieren eure Kooperationen und was nützen sie euren Mitgliedern?

Benedikt: Wir sind ein ehrenamtlicher Verein. Dass wir unsere Events trotzdem irgendwie finanzieren müssen, ist klar. Das machen wir aber so, dass es für alle sinnvoll ist.

„Von uns bekommen Unternehmen kein Geld, sondern eine Bühne, um sich dem richtigen Publikum zu präsentieren.“

Benedikt: Darum haben wir auch bewusst nur wenige Kooperationspartner, die dafür aber wirklich gut passen: große, nationale und internationale Unternehmen und Agenturen wie A1, Peek & Cloppenburg, Infoscreen oder die Österreichische Post. Also wirkliche Größen der Branche – worauf wir auch sehr stolz sind. Damit können wir unseren Community-Mitgliedern nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch gleich gute Jobs liefern. Außerdem haben wir auch ein Mentoring-Programm. Wenn unsere Mitglieder zum Beispiel Hilfe im Social-Media-Bereich brauchen oder einen Interviewpartner für die Masterarbeit etc., dann können wir den direkten Kontakt zu den richtigen Leuten herstellen.

 

Über die Marketing Natives

Seit 2011 engagiert sich der ehrenamtliche Verein dafür, Studenten und Berufseinsteigern Wissensvermittlung und Netzwerke zu bieten, die beim Berufseinstieg nützlich sind. In den Mentoring-Programmen und Networking-Events werden aktuelle Themen rund um Marketing behandelt und Kontakt zu interessanten Arbeitgebern der Branche hergestellt.

Das Board der Marketing Natives

Die Marketing Natives: Benedikt Secker, Julian Copony, Lisa Riepl, Christoph Brenner, Julia Jobst

Bildnachweis: bbernard/shutterstock; Marketing Natives; jollyschwarz.com

Lisa-Marie Linhart

Lisas Liebe gilt dem Wort und der Musik. Bei uns kombiniert sie beides zu wohlklingenden Blogbeiträgen mit dem richtigen Groove für Themen, die das Arbeitsleben leichter und die Karriereplanung einfacher machen.