Erstellt am 26. August 2019 · Arbeitsleben, Arbeitsmarkt · von

Mythos Gleichstellung: Warum Frauen immer noch weniger verdienen

Lesezeit: 3 Minuten

37 Prozent weniger Einkommen für Frauen – das ist Realität in Österreich, einem Land, in dem die Geschlechter eigentlich gleichgestellt sind. Doch Gesetze und Frauenquoten ändern in der Praxis leider zu wenig, wie Statistiken zeigen. Wir haben uns auf die (ernüchternde) Suche nach den Gründen gemacht.

Seit Anfang 2018 gilt die sogenannte „Frauenquote“, die für einen höheren Anteil an weiblichen Aufsichtsräten in börsennotierten Unternehmen sorgen soll. 30 Prozent sind konkret gefordert und tatsächlich scheint die Quotenregelung zu fruchten. Wie die Arbeiterkammer ausgewertet hat, beträgt der Anteil an weiblichen Aufsichtsräten in den betroffenen Unternehmen mittlerweile 27,5 Prozent. In Firmen, für die die Quote nicht gilt, sind es lediglich 14 Prozent. Allerdings beschränkt sich der positive Effekt auf die Aufsichtsräte. In den Führungsetagen sind weiterhin wenige Frauen zu finden. Nur zehn von 203 Vorstandsposten in börsennotierten Unternehmen sind mit Frauen besetzt. Denn Frauen gelangen meist gar nicht so weit auf der Karriereleiter hinauf.

Hindernisse für Frauen am Karriereweg

Recherchiert man zum Thema „Frauen und Beruf“, wird man in der Gender-Statistik von Statistik Austria fündig. Hier gibt es Zahlen zu allen relevanten Bereichen rund um die Gleichstellung der Geschlechter im Bezug auf die Erwerbstätigkeit – und die sprechen eine klare Sprache.

1. Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für Frauen besonders schwierig

Frauen und Männer sind prinzipiell gleich oft erwerbstätig, solange sie keine Kinder haben: 84,5 Prozent der Österreicher und 83,9 Prozent der Österreicherinnen gingen 2018 einer Arbeit nach, mit der sie Geld verdienten. Das ändert sich schlagartig, sobald Nachwuchs da ist: Während bei Männern mit Kindern unter 15 Jahren die Erwerbstätigkeit auf 92,6 Prozent ansteigt, sinkt sie bei Frauen auf 67,6 Prozent. Der Mann verdient, die Frau bleibt zuhause – diese traditionelle Rollenverteilung scheint nach wie vor verbreitet zu sein.

Auch Teilzeitarbeit hängt stark vom Geschlecht und Familienstand ab. Nur 25,9 Prozent der kinderlosen Frauen zwischen 25 und 49 arbeiteten 2018 in Österreich Teilzeit. Mit Kindern unter 15 steigt die Quote rasant auf 73 Prozent an, fast dreimal so viel. Bei Männern ist es umgekehrt: 25- bis 49-Jährige ohne Kinder sind mit 11,6 Prozent häufiger teilzeitbeschäftig als Väter im selben Alter. Hier halbiert sich die Teilzeitquote auf 6,4.

Warum das so ist, liegt einerseits an zu wenigen Kinderbetreuungseinrichtungen, andererseits verdienen Männer immer noch besser als Frauen. Wer zuhause bleibt oder in Teilzeitarbeit geht, ist also rein finanziell betrachtet ganz einfach: die Frau. Die hohe Teilzeitquote führt auch zum vielzitierten „Gender Pay Gap“, dem Einkommensunterschied von Männern und Frauen. Der lag 2017 bei satten 37,3 Prozent. Vergleicht man rein die Bruttostundenverdienste, so ergibt sich immer noch ein Unterschied von fast zwanzig Prozent.

2. Falsche Branche, schlechterer Job

Warum Frauen weniger verdienen, liegt zum Teil an den „klassischen Frauenberufen“. Quer durch alle Bildungsniveaus hindurch sind weibliche Mitarbeiter am häufigsten in mittleren Tätigkeits- und Verantwortungsbereiche angestellt, während Männer öfter in höherqualifizierten Jobs oder Führungspositionen arbeiten. Besonders groß ist die Differenz bei Hochschulabsolventen: 24 Prozent der Frauen mit Uni- oder FH-Abschluss arbeiten in mittleren Tätigkeitsfeldern. Das ist doppelt so oft wie bei ihren männlichen Akademikerkollegen (12,3 Prozent). In höherqualifizierten Jobs haben Akademikerinnen mit 62 Prozent sogar ein wenig die Nase vorn (Männer: 61,8 Prozent). Allerdings ist hier in der Regel das Ende der Karriereleiter erreicht. Nur 7,3 Prozent der Akademikerinnen gelangen in eine Führungsposition. Ihre männlichen Kollegen schaffen das fast dreimal so häufig: 18,9 Prozent der Akademiker arbeiten in einer leitende Stelle.

3. Fehlende Vorbilder

Wollen Frauen nicht führen oder fehlt es an Vorbildern? Beides könnte die Ursache für den geringen Frauenanteil in den Chefetagen sein. Einerseits definieren sich Frauen weniger über ihre Karriere, sondern mehr über Soft Skills und Interessen. Zudem schätzen Frauen ihre Qualifikation oft falsch ein. Andererseits gibt es tatsächlich zu wenige weibliche Vorbilder in verantwortungsvollen Positionen im Arbeitsleben. Frauenquoten oder Initiativen wie „Mädchen in die Technik“ könnten dem vielleicht entgegenwirken.

Bildnachweis: shutterstock/ibreakstock

Lisa-Marie Linhart

Lisas Liebe gilt dem Wort und der Musik. Bei uns kombiniert sie beides zu wohlklingenden Blogbeiträgen mit dem richtigen Groove für Themen, die das Arbeitsleben leichter und die Karriereplanung einfacher machen.

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