Erstellt am 13. Januar 2020 · Arbeitsleben, HR · von

HR Trends 2020: holistic, data driven, social – Was kommt da auf uns zu?

Lesezeit: 4 Minuten

2020 wird ein spannendes Jahr für Personalverantwortliche. Der Brückenschlag zwischen menschenzentrierter Personalentwicklung und einer immer stärker datengetriebenen Recruitingstrategie verlangt den HR-Managern und Führungskräften viel ab. Die Generation Z hält Arbeitgeber zusätzlich auf Trab. Mehr über die HR-Trendthemen 2020 erfährst du in diesem Artikel.

„Trends“ – was ist das eigentlich? Ein kurzer Hype oder doch etwas Langfristiges? Bei den HR Trends 2020 dürfte es sich eher um letzteres handeln, denn keines der bestimmenden Themen des Jahres ist gänzlich neu. Wir werfen einen Blick auf die kommenden Herausforderungen und verraten, was unserer Meinung nach den Arbeitsalltag von Personalverantwortlichen heuer dominieren wird.

Holistic HR: digital getrieben und menschenzentriert – wie gelingt der Brückenschlag?

Der holistische, also ganzheitliche Ansatz im Personalwesen stellt die optimale Entwicklung des einzelnen Mitarbeiters ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Dazu nützt Holistic HR moderne Technologien, um bestimmte Arbeitsschritte zu digitalisieren. Klassische Zeiträuber zum Beispiel im Recruitingprozess werden automatisiert, also an technische Hilfsmittel ausgelagert, damit mehr Zeit für die eigentliche Personalarbeit bleibt. Diese verfolgt weiterhin den „New Work“-Ansatz mit den Themen

  • Freiheit und Flexibilität
  • Selbstverantwortung und Beteiligung
  • Entwicklung und Sinn im Job

Automatisierung und digitale Hilfsmittel unterstützen Personaler bei der Umsetzung von „New Work“-Themen.

Ganzheitlich bedeutet auch, dass die Employee Journey mehr an Bedeutung gewinnt. Personalverantwortliche werden mehr als bisher in die gesamte Mitarbeiterlaufbahn involviert sein, nicht mehr nur am Beginn und Schluss. Neben Recruiting, Einstellung und Onboarding rücken Weiterbildung, Talenteentwicklung und Umstiege innerhalb des Unternehmens sowie Offboarding stärker ins Betätigungsfeld der Personaler. Vom ersten Kennenlernen bis zum unumgänglichen Ausscheiden des Mitarbeiters durch Pensionierung oder Kündigung soll HR ein verlässlicher Partner sein, der wesentlich an der Zufriedenheit der Angestellten in jeder Phase des Arbeitslebens beteiligt ist.

Das erfordert von HR-Managern:

  • eingehende Beschäftigung mit den Fähigkeiten, Interessen und der Persönlichkeit jedes Mitarbeiters
  • regelmäßige Abstimmung mit Führungskräften über Förderbedarf und Weiterbildungsmöglichkeiten
  • Vernetzung der einzelnen Teams und Abteilungen für etwaige Umstiege im Sinne einer agilen Führungskultur
  • Kenntnis der Unternehmensstrategie für zielgerichtete, bedarfsorientierte Personalentwicklung
  • Beseitigung von „Zeiträubern“ durch Automatisierung und digitale Hilfsmittel

Data Driven, Active, Social: Recruiting-Wege im Überblick

Verstärkte, ganzheitliche Personalarbeit ist selbstverständlich nur eines der Trendthemen – und für viele Personalverantwortliche vermutlich ein frommer Wunsch. Die Hauptbeschäftigung der meisten HR-Manager wird vermutlich auch 2020 im Recruiting liegen. Denn auch heuer werden es der Fachkräftemangel und die geringe Wechselwilligkeit der Arbeitnehmer den Unternehmen schwer machen, ihren Mitarbeiterbedarf zu decken. Recruiter müssen sich dementsprechend viel einfallen lassen, um genügend passende Kandidaten zur Bewerbung zu überzeugen und dabei die Drop-out-Quoten gering zu halten. Die wesentlichen Trends im Recruiting sind 2020:

Active Sourcing und Social Recruiting

Kein neuer Trend, aber einer, der zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist Active Sourcing. Über Talentepools wie die talent.cloud bei karriere.at und Business-Netzwerke wie LinkedIn spricht man interessant erscheinende Personen an und versucht, sie als Bewerber für eine aktuell offene Stelle zu gewinnen. Auch die sozialen Medien wie Facebook und Instagram spielen im Recruiting eine immer größere Rolle. Recruitingkampagnen können hier sehr zielgerichtet ausgespielt werden und auch zum Erstkontakt mit potenziellen Bewerbern bieten sich Instagram und Co. an. Ein Chatbot ist hier jeden Cent wert, da er häufige Fragen zu Bewerbungsunterlagen oder Kontaktdaten automatisch beantworten kann.

Data Driven Recruiting und People Analytics

People Analytics ist eines der hot topics der kommenden Jahre und fällt unter den Überbegriff Data Driven Recruiting. Dieses Daten-getriebene, oder vielmehr Daten-basierte, Recruiting nützt, wie der Name schon sagt, diverse Daten, um Prognosen über den Personalbedarf zu erstellen. People Analytics nützt Daten wie Branchen- und Arbeitsmarktentwicklung, interne Ziele und Strategien und in manchen Fällen auch Prognosen über persönliche Situationen der Mitarbeiter, um den kurz-, mittel- und langfristigen Personalbedarf zu errechnen. Damit werde eine strategische Personalplanung und –entwicklung sowie zielgerichtete Recruitingmaßnahmen möglich.

CSR und Nachhaltigkeit: Womit gewinnt man die Generation Z?

Kaum hat man sich an die alles hinterfragende, aber kompromissbereite Generation Y gewöhnt, kommt eine neue Herausforderung. Die ersten Vertreter der Generation Z, ab etwa 1997/98, sind bereits im Berufsleben angekommen und nun werden auch die ersten von ihnen mit dem Studium fertig. Mit ihnen setzt sich der Wertewandel, der bereits mit der Gen Y begonnen hat, fort. New-Work-Themen wie Flexibilität, Selbstverantwortung und Sinnhaftigkeit ist für diese Generation essenziell. Umso wichtiger sind agile Unternehmensstrukturen und Offenheit gegenüber neuen Themen und jungem Denken.

Mit der Generation Z werden auch CSR (Corporate Social Responsibility) und Nachhaltigkeit im Unternehmen wichtiger. Die „Generation Greta“, wie sie mitunter abwertend genannt wird, bevorzugt Arbeitgeber mit „grünem“ und sozialem Herz. Abgesehen davon, dass es generell sinnvoll ist, sollten sich HR-Verantwortliche im Sinne einer zeitgemäßen Employer-Branding-Strategie überlegen, wie sie diese Themen im Unternehmen umsetzen können. Bei karriere.at haben wir beispielsweise auf palmölfreie, regional hergestellte Bio-Süßigkeiten und Getränke umgestellt, verzichten weitestgehend auf Plastik und unterstützen jedes Jahr eine wohltätige Organisation mit unserer Weihnachtsaktion – um nur ein paar unserer nachhaltigen Ansätze zu nennen.

Soziale Verantwortung kann auch im Sinne eines stärkeren Fokus auf Diversität gelebt werden. Im Sinne einer modernen CSR-Strategie sollten Mitarbeiter mit Behinderung, Homosexuelle oder Zugehörige anderer Religionen gezielt angesprochen werden. Das vergrößert zugleich die Zahl der potenziellen Kandidaten. Auch internationales Recruiting wird für viele Unternehmen in Zukunft unumgänglich sein, vor allem am umkämpften Developermarkt. Andere Kulturen, Sprachen und Religionen zu akzeptieren, ist dazu unbedingt nötig.

Was Personalverantwortliche tun können

  • Vorleben wichtiger Werte wie Verantwortung und Achtsamkeit
  • Verständnis für Bedürfnisse und Sichtweisen aller Generationen zeigen und an Mitarbeiter weitergeben, um Generationenkonflikte zu mildern
  • Diversität im Recruiting forcieren und in der Unternehmenskultur verankern
  • Möglichkeiten für mehr Nachhaltigkeit im Unternehmen prüfen und Maßnahmen setzen

Bildnachweis: shutterstock/ Blue Planet Studio

Lisa-Marie Linhart

Lisas Liebe gilt dem Wort und der Musik. Bei uns kombiniert sie beides zu wohlklingenden Blogbeiträgen mit dem richtigen Groove für Themen, die das Arbeitsleben leichter und die Karriereplanung einfacher machen.