11. April 2017 · HR · von

„Wir suchen nie den besten Mitarbeiter, immer nur den richtigen“

Kein Stein bleibt auf dem anderen – im positiven Sinn ist das bei Arbeitgebern der Fall, die sich an neue Organisations- und Arbeitsformen trauen. Bei einer Konferenz in Graz werden solche Pionierunternehmen ihre Dos and Dont’s mit anderen Arbeitgebern teilen. dm Drogeriemarkt Österreich ist einer dieser Arbeitgeber. Über selbstbestimmtes Arbeiten und zufriedene Mitarbeiter in einer Branche, der meist ein schlechter Ruf vorauseilt.

Plus Verlosung: 2 Tickets für die Freiräume (Un)Conference zu gewinnen.

Neue Wege: mit-gestalten statt mit-arbeiten

Als Arbeitgeber neue Wege beschreiten und Dinge wagen, die sich andere oft noch nicht trauen. Selbstbestimmung und mögliche Methoden für die New World of Work stehen bei der Freiräume (Un)Conference am 8. und 9. Mai 2017 in Graz auf dem Programm. Zwei Tage lang wird die Konferenz wieder zum Spielplatz für Querdenker, Neugierige und Pioniere, die ihre Learnings mit Interessierten teilen. dm Drogeriemarkt ist eines der Pionierunternehmen, das neue Organisations- und Arbeitsformen bereits aktiv im Unternehmen erprobt und bei Erfolg implementiert.

Petra Mathi-Kogelnik

Petra Mathi-Kogelnik

Petra Mathi-Kogelnik ist Geschäftsführerin von dm drogeriemarkt Österreich mit 10 Tochterunternehmen in Süd- und Südosteuropa und zuständig für das Ressort Mitarbeiter sowie die Vertriebsregion in der Steiermark. Wir haben nachgefragt: Was macht dm Drogeriemarkt anders und als Arbeitgeber besonders?

Wie ermöglicht dm selbstverantwortliches Handeln? Mit welcher Organisationsstruktur lässt sich das umsetzen?

Petra Mathi-Kogelnik: Unser Motto heißt „Freiheit mit Verantwortung“. Wir wollen den Mitarbeitern Freiraum geben, damit sie eigenverantwortlich handeln und entscheiden können. Aufgabe der Führenden ist es, für die richtigen Rahmenbedingungen zu sorgen und die Mitarbeiter nach ihrem individuellen Bedarf zu unterstützen. Flache Hierarchien, agile Zusammenarbeitsformen und Führende, die sich nicht als „Chef“, sondern als Begleiter und Coach betrachten, sind Voraussetzungen dafür.

Außerdem ist es uns ein Anliegen, dass die Mitarbeiter auch Verantwortung für das Ganze übernehmen, dass sie über ihren eigenen Arbeitsbereich, ihre Filiale oder Abteilung hinaussehen, um die Organisation zu verstehen und den eigenen Beitrag für das Ganze erkennen zu können. Die Mitarbeit in Projekten ist hierfür eine gute Möglichkeit. Ein Erfolgsfaktor ist, dass die Mitarbeiter die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit sehen können. Sie gibt dem einzelnen die Orientierung, um verantwortungsvoll im Sinne des Ganzen initiativ werden zu können.

Diese Form von Zusammenarbeit braucht Menschen, die nicht nur mit-arbeiten sondern mit-gestalten wollen, die eigeninitiativ sind, Verantwortung übernehmen wollen und lösungsorientiert agieren. Die bereit sind, vom Kunden aus zu denken und sich dessen Bedürfnisse zu eigen zu machen. Die sich ihrer Rolle als Repräsentanten des Unternehmens nach außen bewusst sind. Diese Menschen sind die Seele und der Motor unserer Wirtschaftsgemeinschaft. Wir suchen nie den besten Mitarbeiter, immer nur den richtigen. Persönlichkeiten sind uns wichtig – außergewöhnliche, neugierige Menschen, die Lust an der Arbeit mit Menschen im Handel oder in der Dienstleistung haben. Vielfalt ist das Erfolgsgeheimnis der Zukunft!

Selbstorganisation im Einzelhandel – wie funktioniert das? Vor welchen Hindernissen und Herausforderungen steht dm dabei?

Petra Mathi-Kogelnik: Eine große Herausforderung ist natürlich unsere Filialnetzstruktur: Es ist einfacher, wenn man viele Mitarbeiter an einem Ort hat – das trifft bei dm aber nur auf die Zentrale und das Verteilzentrum zu.

Ein schönes Beispiel ist, dass sich Filialen in einem Gebiet selbst organisieren können, wenn ihr Gebietsmanager für einige Zeit ausfällt (beispielsweise aufgrund eines Sabbaticals, wegen Eltern- oder Bildungskarenz). Filialbesuche, die sonst vom Gebietsmanager durchgeführt werden, werden gegenseitig geleistet: Die Filialleiter besuchen sich, machen Wahrnehmungen und geben sich Rückmeldung. Besprechungen werden selbst organsiert. Es kristallisieren sich Spezialisten im Gebiet heraus, die dann Ansprechpartner bei fachlichen Problemen sind – das Gebiet ist selbstorganisiert und selbstgeführt.

An welchen Werten orientiert sich Führungskultur in Ihrem Unternehmen?

Petra Mathi-Kogelnik: Generell haben wir bei dm sehr hohe Anforderungen an unsere Führungskräfte und Mitarbeiter, was Eigeninitiative und Kreativität, Lösungsorientiertheit und Kundenorientierung, Teamfähigkeit, soziale Fähigkeiten und Loyalität betrifft. Wir wollen für die Menschen Rahmenbedingungen schaffen, in denen sie wachsen und sich entwickeln können, eigene Visionen und Ziele einbringen können und so die gestellten Aufgaben zu ihrem eigenen Anliegen machen. Wer nur darauf wartet, was an Aufträgen „von oben“ kommt, ist bei dm fehl am Platz.

„Menschen müssen den Sinn ihrer Arbeit erkennen können.“

Gestaltungsfreiheit, Verantwortung, Entscheidungsfreiraum und eine Unternehmenskultur, die von Menschlichkeit und hohen Werten geprägt ist, sind durchaus motivierende Rahmenbedingungen. Die Menschen müssen den Sinn ihrer Arbeit erkennen können. Wir wollen nicht Einkommensplätze schaffen, sondern Arbeitsplätze – also ein Umfeld, in dem der Beruf nicht bloße Erwerbsquelle ist, sondern ein sinnstiftender Teil des Lebens. Dazu kann und muss jeder Führende beitragen.

Um aktives, selbstständiges und selbstverantwortliches Handeln und Mitgestalten auf allen Ebenen zu ermöglichen, braucht es klar vereinbarte Rahmenbedingungen, viel Vertrauen in die Menschen und viel Zutrauen in deren Fähigkeiten. Führungsarbeit ist Kulturarbeit und es geht darum, das Beste in den Menschen aufblühen zu lassen.

„Wir experimentieren an vielen Stellen…“ steht in der Kurzbeschreibung zu dm auf der Website der Freiräume (Un)Conferenz. Können Sie dazu vielleicht ein paar Beispiele nennen?

Petra Mathi-Kogelnik: An einigen Stellen – derzeit vor allem in der Zentrale – laufen Organisationsentwicklungsprojekte, durch welche sich die Kollegen als Ressort oder Abteilung neu und agiler aufstellen wollen. Innerhalb der Projekte haben wir uns z.B. in der demokratischen Wahl geübt, im agilen Arbeiten oder auch Scrum versucht …

Auf welche Weise holen Sie die Mitarbeiter an Bord wenn es darum geht, neue Prozesse zu implementieren oder neue Dinge auszuprobieren?

Petra Mathi-Kogelnik: Da gibt es die bereits etwas überstrapazierte Formulierung, die „Betroffenen zu Beteiligten“ zu machen. Aber im Grunde ist es genau das: Die Mitarbeiter von Anfang an ins Boot holen, für Transparenz und Öffentlichkeit sorgen. Den einzelnen Betroffenen die Möglichkeit geben, ihre Sichtweisen, Ideen und Bedürfnisse einzubringen. Ein Ergebnis zu erarbeiten, das von möglichst allen mitgetragen wird. Das Thema Changemanagement und die psychosozialen Prozesse gehen wir dabei sehr gezielt und behutsam an.

„Unsere Mitarbeiter sind kein Produktionsfaktor, sondern Teil der Wirtschaftsgemeinschaft.“

dm Drogeriemarkt genießt als Arbeitgeber im Einzelhandel einen sehr guten Ruf. 
Wie gelingt Ihnen das in einer Branche, in der die Unzufriedenheit meist eher schlecht ist?

Petra Mathi-Kogelnik: Wir versuchen in allen Bereichen des Unternehmens die Grundhaltung zu verankern, dass die Mitarbeiter kein „Produktionsfaktor“ sind, sondern Teil unserer Wirtschaftsgemeinschaft. Dass jeder von uns Stärken und Potentiale, Fähigkeiten und Talente hat, die sich in einem Team mit Kollegen gut ergänzen können. Dass Vielfalt viele Chancen eröffnet. Dass wir alle langfristig körperlich und seelisch nur dann gesund bleiben können, wenn sich familiäre und berufliche Anforderungen gut miteinander vereinbaren lassen. Dabei sind viele Menschen des Unternehmens gestaltend aktiv.

Letztlich ist es doch so, dass jeder Mensch Wertschätzung sucht und Sinnstiftung in seiner täglichen Arbeit finden will. Wir wollen den Mitarbeitern Mitgestaltungsmöglichkeiten geben und fördern Eigeninitiative sowie das Übernehmen von Verantwortung. Wir unterstützen die Menschen in ihrer fachlichen aber auch in ihrer persönlichen Weiterentwicklung. Und dort, wo es im Leben vielleicht einmal nicht so rund läuft – sei es aus beruflichen oder privaten Gründen – bieten wir Hilfestellungen an, um wieder Perspektiven zu finden. All das geht auch auf die Grundhaltungen des dm Gründers Götz W. Werner zurück, der sagt: „Da ich Drogist gelernt habe, verkaufen wir jetzt Zahnpasta. Aber die Grundidee von dm ist, dass man sich als Mensch entwickeln kann.“

Freiräume: Von den Pionieren lernen

Die Freiräume (Un)Conference verlost Tickets für die Teilnahme am Event in Graz.

Teilnahme: Die Gewinnspiel-Frage „Wer hält die beiden Keynotes der Freiräume (Un)Conference?“ beantworten und unter Angabe des gewünschten Tickets an win.tickets@freiraeume.community schicken. Teilnahmefrist ist Mittwoch, 26. April um 24 Uhr. Die Gewinner werden schriftlich verständigt.

Bildnachweis: Rawpixel.com/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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