Vorstellungsgespräch: Der frühe Bewerber fängt den Job?

von in Bewerbung am Mittwoch, 12. August 2015 um 10:35

Endlich ist sie da: Die ersehnte Einladung zum Jobinterview. Wer Glück hat, darf sich seinen Termin sogar aussuchen. Forscher haben herausgefunden, warum man sich seinen Platz möglichst zu Beginn der Kandidatenreihe sichern sollte – und der erste Eindruck überbewertet wird. Außerdem: 3 Tipps, um den idealen Termin für das Vorstellungsgespräch zu finden.

Timing ist ausschlaggebend

Bei einem Vorstellungsgespräch fürchten viele, dass der Interviewer bereits in den ersten paar Minuten seine Entscheidung über Zu- oder Absage trifft. Zählt wirklich der erste Eindruck? Forscher schlagen vor, dass man sein Augenmerk besser auf einen anderen Faktor legt: Das Timing des Interviews. Die Psychologen Rachel Frieder, Chad Van Iddekinge und Patrick Raymark bezweifeln, dass es mit spontanen Entscheidungen aufgrund des ersten Eindrucks viel auf sich hat. Ihre Forschungen besagen: Ausschlaggebend ist, welchen Platz man in der Interviewreihe des Personalers einnimmt.

Die ersten Termine sind für Bewerber günstig

Die Forschenden gingen von folgender Annahme aus: Absolviert ein HR-Verantwortlicher im Laufe eines Tages, z.B. einer Karrieremesse, viele Gespräche, kann die Platzierung im Zeitplan für den Jobsuchenden ausschlaggebend sein. Während der ersten beiden Interviews müssen nicht besonders viele Informationen verarbeitet werden, die Entscheidung für oder wider einen Kandidaten fällt dann noch ziemlich leicht. Werden weitere Bewerber interviewt, kommen auch immer mehr Informationen zusammen. Diese müssen aufgenommen, mit anderen Inputs verglichen und verarbeitet werden. Interviewer greifen dann auf Erfahrungswerte und Faustregeln zurück, um Entscheidungen zu fällen.

Wann wird die Entscheidung getroffen?

„Wir haben angenommen, dass Interviewer sich bei den ersten Kandidaten mehr Zeit nehmen, um zu entscheiden – und weniger, sobald die Zahl der Interviewten steigt“, so die Forscher. Um die Annahme zu testen, wurden hunderte Bewerbungsgespräche einer Karrieremesse untersucht: 166 Personaler aus einer Vielzahl von Unternehmen sprachen mit 691 Studierenden. Jeder Interviewer absolvierte durchschnittlich sechs Bewerbungsgespräche in 30-minütigen Zeitblöcken. Unmittelbar nach jedem Interview bewerteten sie die Eignung der Kandidaten and notierten, an welchem Punkt im Gespräch sie ihre Entscheidung trafen.

HR Entscheidungen

Der erste Eindruck wird überbewertet

Laut diesen Reports waren schnelle Urteile sehr selten: In der erste Minute des Interviews trafen nur 5 Prozent der Personaler eine Entscheidung. Die meisten Entscheidungen trafen sie zwischen der fünften und der 15. Gesprächsminute. 20 Prozent waren sich nach dem Gespräch immer noch nicht im Klaren über die Eignung des Kandidaten. Die Daten zeigten auch, dass der Entscheidungsprozess mit jedem erledigten Interview immer länger dauerte. Besonders bemerkbar machte sich dieser Effekt nach dem vierten Gespräch. Die Forscher vermuten, dass die Fülle an Informationen danach so hoch wird, dass der Personaler auf Erfahrungswerte zurückgreifen muss: Um den  Bewerber einzuschätzen und eine Entscheidung über die Eignung zu treffen.

Bewerbern die gleichen Chancen geben

„Eine Folge davon ist, dass manche Bewerber aufgrund ihrer Position im Zeitplan möglicherweise benachteiligt werden. Spätere Kandidaten haben dann nicht die Chance, so gut abzuschneiden wie jene auf den ersten Plätzen des Zeitplans“, so die Forschergruppe. Die Entscheidungsfreude der Personaler wurde außerdem von diesen Dingen beeinflusst: Wer mit Bewerbern Small Talk führte, tendierte zu schnelleren Entscheidungen. Auch Personaler mit mehr Erfahrung machten sich rascher ein Bild. Die Forscher raten Arbeitgebern dazu, jedem Kandidaten gleich gute Chancen einzuräumen, indem sie nicht zu viele Gespräche in einem Rutsch durchführen und Pausen zwischen den Interviews einplanen.

Jobinterview: Vom idealen Zeitpunkt

Als Bewerber ist man nicht immer in der glücklichen Lage, den Zeitpunkt für Bewerbungsgespräche frei wählen zu können – falls doch: Diese Punkte helfen beim Finden des idealen Termins.

  • Dienstag bis Donnerstag
    Es gibt Montagsmuffel und Menschen, die bereits am ersten Arbeitstag der Woche richtig durchstarten – ohne sich von Terminen ausbremsen zu lassen. Für Jobinterviews Montage daher möglichst meiden. Auf einen Freitag legen sich die Meisten ungern noch Termine: Der letzte Tag der Woche gehört den letzten Punkten der To-Do-Liste, gedanklich ist man oft schon im Wochenende. Wenn möglich daher nach Terminen an einem Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag fragen.
  • Früh, aber nicht zu früh
    Wer den Personaler gleich morgens erwischt, profitiert von einem „unverbrauchten“ Gesprächspartner – möglichst unbelastet vom Tagesgeschäft, anderen Bewerbungsgesprächen und noch nicht entscheidungsmüde. Ein morgendliches Jobinterview hat auch für Bewerber Vorzüge: Man muss den Gedanken an das bevorstehende Jobinterview nicht den ganzen Tag mit sich herumschleppen.
  • Mittagszeit meiden
    Kurz vor der Mittagspause: Oft schon etwas hungrig und reif für eine kleine Auszeit – das trifft auf beide Gesprächspartner zu. Kein guter Zeitpunkt, um im Interview zu glänzen. Die Zeit nach der Pause ebenfalls meiden: Mittagstief und Suppenkoma lassen grüßen.

Bildnachweis: Glayan / Shutterstock; ra2studio / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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