Top Secret? Tipps für die Jobsuche in geheimer Mission

von in Bewerbung, Jobsuche am Montag, 18. Mai 2015 um 20:02

Wer sich aus einem bestehendem Arbeitsverhältnis heraus auf Jobsuche begibt, muss sich besonderen Herausforderungen stellen. Im Idealfall bekommen Chef und Kollegen von der Suche nichts mit. Es ist natürlich nicht verboten, sich nach einer neuen Stelle umzusehen – angenehm ist es trotzdem nicht, wenn der Arbeitgeber von den Fluchtplänen erfährt. karriere.at hat Arbeitnehmer und Unternehmensvertreter gefragt, wie offen sie mit Jobsuche und wechselwilligen Mitarbeitern umgehen. Wir verraten Tipps für die diskrete Jobsuche, von der Chef und Kollegen nichts mitbekommen.

Tabuthema Jobsuche?

Die Suche nach einem neuen Job ist heute fast immer und überall möglich: Dank Smartphone & Co. lässt sich ortsunabhängig nach einer neuen Stelle suchen – auch während der Arbeitszeit. Erwischen lassen sollte man sich dabei freilich nicht. Aber wem erzählen Jobsuchende vom Projekt „Ein neuer Job muss her“? Unsere aktuelle Online-Umfrage unter 457 Usern zeigt: Die Österreicher sind bei der Jobsuche sehr diskret, die Kollegen wissen von der Absicht, einen neuen Job zu suchen, meist nichts. Vier von zehn Arbeitnehmer weihen einige wenige Vertraute ein. Fast genauso viele halten die Jobsuche geheim, weil sie sich selbst nicht schaden möchten. 13 Prozent der Umfrageteilnehmer setzen auf Ehrlichkeit, falls sie gefragt werden. Nur acht Prozent gehen mit der Suche nach einem neuen Job ganz offen um und sprechen darüber auch mit ihren Kollegen.

Umfrage Jobsuche Arbeitnehmer

Abwarten oder nachfragen: So reagieren Führungskräfte

Wenn Kollegen von der Jobsuche erfahren, ist das eine Sache – beim Chef sieht das anders aus. Wie reagieren Arbeitgeber auf wechselwillige Mitarbeiter? 154 Umfrageteilnehmer auf Arbeitgeberseite beantworten das so: Fast jeder zweite Befragte möchte die Gründe erfahren, wenn sich ein Arbeitnehmer auf die Suche macht. 37 Prozent suchen aktiv das Gespräch, wenn der jobsuchende Mitarbeiter eine Schlüsselposition innehat. Elf Prozent unternehmen gar nichts und sagen: „Wer gehen will, der soll gehen.“ Vier Prozent warten ab, ob der Arbeitnehmer darüber sprechen möchte.

Umfrage Jobsuche Unternehmensvertreter

Tipps für die Jobsuche in geheimer Mission

Mit etwas Planung und Sorgfalt kann man sich auf Jobsuche begeben, ohne dass Chef, Kollegen und die gesamte Verwandtschaft von diesem Vorhaben erfahren. Wir verraten, wie die Suche nach dem neuen Job ganz diskret funktioniert:

Der Plan

Ein neuer Job muss her – so weit, so gut. Die Suche nach einer neuen Stelle kann ganz schön viel Zeit und Energie kosten. Vor allem dann, wenn man den Großteil seiner Zeit mit Arbeit verbringt und die Jobsuche dann auch noch unterbringen muss. So verlockend es auch ist, die Zeit im vielleicht langweiligen Job dafür zu nutzen: Besser nicht. Es ist nicht nur dem aktuellen Brötchengeber gegenüber unfair, sondern kann auch ganz schöne Schwierigkeiten verursachen.

Keine Spuren hinterlassen

Es ist eine Sache, mit anderen Arbeitgebern zu liebäugeln aber eine andere, Arbeitszeit und Firmenequipment für die Sichtung von Jobinseraten oder das Verfassen von Bewerbungen zu nutzen.Der Arbeitsplatz ist für die Jobsuche tabu: Das gilt auch für den PC oder den Drucker. Wäre schön blöd, wenn ein heikler Druckauftrag im System hängenbleibt und die IT das brisante Fundstück entdeckt. Die Bewerbung oder den Lebenslauf am Desktop abzulegen ist auch keine gute Idee. Möchte man die Dokumente trotzdem immer griffbereit haben, bieten sich (privat genutzte) Speicherorte wie Google Drive, Dropbox oder andere Cloud-Lösungen an.

 

Jobsuche diskret

Komplizen oder Alleingang?

Wen weiht man ein, in die Suche nach einem neuen Job? Wenn der Arbeitsfrust besonders hoch ist, geht man mit solchen Infos vielleicht etwas zu freizügig um: Soll doch jeder wissen, dass man was Besseres sucht! Bei gut funktionierendem Flurfunk spricht sich das dann schnell bis zur Kaffeeküche durch – von dort aus ist es nicht mehr weit bis in die Chefetage. Besser, man überlegt sich ganz genau, wem man von der Wechselwilligkeit erzählt. Auch die nette Kollegin von nebenan kann sich schnell verplappern.

Nicht suchen sondern gefunden werden

Abgesehen von Stellenanzeigen, die man aktiv sichtet, kann man sich online auch als wechselwillig positionieren – und das ganz unauffällig. Wer seine Online-Reputation pflegt, erhöht die Chancen, aktiv von Personalern oder Headhuntern angesprochen zu werden. Das funktioniert natürlich nur, wenn man seine Online-Profile immer aktuell hält. In Bewerber-Datenbanken kann man seinen Lebenslauf hinterlegen und auf Wunsch anonymisieren.

Jobsuche Headhunter

Diskretion, bitte!

Vertraulichkeit sollte im Bewerbungsprozess ohnehin an erster Stelle stehen, professionelle HR-Manager plaudern nicht aus, wer sich beworben hat. Wer möchte, kann in seiner Bewerbung trotzdem noch einmal auf den Wunsch nach Diskretion aufmerksam machen: Da ich mich derzeit in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis befinde, bitte ich um vertrauliche Behandlung meiner Bewerbung. Telefonisch bin ich morgens vor 9 Uhr oder abends nach 17 Uhr erreichbar. Gerne können Sie mich auch per E-Mail kontaktieren.

Tarnen und Täuschen

Auf den Versand der Bewerbung folgen hoffentlich schon bald Einladungen zum Bewerbungsgespräch. Telefonate mit Headhuntern oder Personalern lassen sich natürlich nicht immer in der Freizeit durchführen, die erledigt man während der Arbeitszeit möglichst diskret und vor allem schnell. Aber Vorsicht: Wer sich ständig für Telefonate zurückzieht und normalerweise nicht viel telefoniert, zieht vielleicht das Interesse der Kollegen auf sich. Läutet das Smartphone zu einem wirklich ungünstigen Zeitpunkt, kann man das dem Anrufer mitteilen und einen Rückruf anbieten. Dass man sich in einem aufrechten Arbeitsverhältnis befindet, weiß der anrufende HR-Verantwortliche aus der Bewerbung ohnehin – und rechnet damit, dass sein Anruf vielleicht gerade ungelegen kommt.

Jobsuche Telefonat

Möchte man Zeit für ein Jobinterview freischaufeln, muss man auch hier überlegen, wann man das am unauffälligsten erledigt: Wer eher spät zu arbeiten beginnt oder eine Nachmittagsschicht hat, kann morgens Bewerbungsgespräche erledigen. Lässt sich ein Termin gar nicht unauffällig vor oder nach der Arbeit unterbringen: Den Tag frei nehmen, das Jobinterview in Ruhe erledigen und den restlichen Tag noch für andere Dinge nutzen. Muss man das Bewerbungsgespräch doch an einem Arbeitstag unterbringen, sollte man nicht in voller Bewerbungsadjustierung am Arbeitsplatz erscheinen. Wenn man sonst auf T-Shirt, Jeans und Sneakers setzt, fällt das dann doch eher auf.

Die Mission beenden

Jobzusage erhalten? Glückwunsch! Bei aller Vorfreude sollte man jetzt aber nicht vorschnell kündigen und die frohe Botschaft im Unternehmen verkünden. Erst, wenn der neue Arbeitsvertrag gesichtet und unterschrieben wurde, ist es Zeit, dem alten Arbeitgeber Lebewohl zu sagen. Vielleicht ergibt sich noch die Möglichkeit für ein Austrittsgespräch mit der Führungskraft bzw. dem Personalverantwortlichen. Exit-Gespräche halten auch im DACH-Raum langsam Einzug und geben Arbeitnehmern die Möglichkeit, dem alten Arbeitgeber nach der Kündigung Verbesserungspotenzial mitzuteilen. Wie ein Exit-Gespräch geführt wird, kann hier nachgelesen werden.

Bildnachweis: Mikkel Bigandt/ Shutterstock;  Family Business / Shutterstock; LoloStock / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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