Gehalt 2015: Techniker – „Markt ist stellenweise richtig leer gefegt“

von in Gehalt am Montag, 17. August 2015 um 10:35

Wir setzen unsere Serie „Gehalt 2015“ fort – heute analysiert Conrad Pramböck die Gehaltssituation für Techniker in Österreich. Über hohe Einstiegsgehälter dürfen sich jene freuen, die den Industriestandort Österreich bei der Karriereplanung richtig nutzen.

Techniker: Die Branche im Überblick

Conrad Pramböck

Conrad Pramböck

„Gute Techniker sind nach wie vor gefragt. Die Gehälter beim Einstieg liegen im obersten Bereich“, erklärt Gehaltsexperte Conrad Pramböck. Gute Voraussetzungen für jene, die eine technische Ausbildung absolviert haben. Bevor es an die Branchenanalyse geht, hier die Gehälter für Techniker im Überblick:

Gehalt Techniker 2015

Gehalt 2015: Fünf Fragen an den Branchenprofi

Wie haben sich die Gehälter für Techniker entwickelt?

Conrad Pramböck: Gute Techniker sind nach wie vor gefragt, die Gehälter beim Einstieg liegen im obersten Bereich. Einen Techniker, der ein Studium absolviert hat und weniger als 35.000 Euro brutto jährlich verdient, den gibt es praktisch nicht. Mir fällt auch auf, dass nicht sehr viel mehr Absolventen nachkommen und die Studienfächer nach wie vor eine Männerdomäne sind. An der Technischen Uni Wien liegt der Anteil der Männer in technischen Studien bei rund 80 Prozent. Habe ich meinen Abschluss aber erst einmal in der Tasche, spielt es keine Rolle, ob ich ein Mann oder eine Frau bin. Es gibt viele Unternehmen die sagen, sie würden gerne Technikerinnen einstellen, aber es gibt oft keine Bewerberinnen. Auf der anderen Seite gibt es Unternehmen, die es für Frauen in manchen Positionen unmöglich macht, dort Fuß zu fassen. Es gibt also gute Gründe dafür, warum Techniker so stark gesucht werden und die Gehälter in diesem Bereich so hoch liegen.

„Der Markt an Technikern ist stellenweise richtig leer gefegt.“

Wie ist ihr Prognose – mehr Chancen als Risiken für Techniker?

Conrad Pramböck: Auf jeden Fall mehr Chancen. Wenn ich ein technisches Studium absolviere und bereit bin, in Wien, Graz oder Oberösterreich zu arbeiten, sind meine Chancen extrem gut. Ich kenne auch Fälle, wo angehende Absolventen bereits vor Studienabschluss die Zusage zu einem Job in der Tasche hatten. Der Markt an Technikern ist in Österreich stellenweise richtig leer gefegt. Was viele übersehen: Österreich ist ein Produktionsstandort und von der Nähe zu Bayern profitiert vor allem Oberösterreich – hier werden immer viele Techniker gesucht. Den Industriestandort darf man nicht unterschätzen, hier gibt es genug Möglichkeiten für interessante Karrieren. Die Old Economy ist in Österreich nicht ganz so alt wie in anderen Ländern.

Welche Rolle spielt die Ausbildung?

Conrad Pramböck: Diese Frage muss man differenziert beantworten. Es macht natürlich einen Unterschied, ob ich eine Lehre, HTL oder ein technisches Studium absolviert habe. Wobei Techniker auf allen Ebenen gefragt sind. Ich kann auch mit Lehre eine sehr interessante Karriere machen – auch bis ins Top-Management. Bessere Chancen haben natürlich Personen mit besserer Ausbildung. Aber „nur eine Lehre“ absolviert zu haben ist kein Grund für schlechte Karrieren. Mein Eindruck ist jedoch, dass für Führungspositionen nach wie vor Akademiker gefragt sind. Relativ unabhängig von der Wahl des Studienfaches kann man aber sagen, dass Techniker immer gefragt sind.

Technisches Studium

Welchen Einfluss hat die Weiterbildung auf Gehalt und Karriere?

Conrad Pramböck: Wenn mir als Techniker das Lernen liegt, ist Weiterbildung auf jeden Fall empfehlenswert. In Fortbildungen zu investieren lohnt sich für die Karriere vor allem mittelfristig.

Wie schnell kann man in der Branche Karriere machen?

Conrad Pramböck: Grundsätzlich geht das schnell – auch deswegen, weil es relativ wenig Mitbewerb gibt. Am einfachsten fällt es jenen, die nicht nur mit Maschinen, sondern auch mit Menschen gut umgehen können. Wer Karriere machen möchte, benötigt unbedingt auch soziale Fähigkeiten: Die richtige Führung eines Teams, flexibel reagieren, Lob und Kritik vermitteln, mit Menschen richtig kommunizieren – das sind alles Dinge, die ich zusätzlich zum technischen Know-how brauche. Vor allem im Umgang mit jungen Menschen, denen Wertschätzung und Kommunikation auf Augenhöhe wichtig sind. Offen gestanden: Das bringen nicht alle Techniker mit. Wenn ich das beherrsche, zusätzlich zum technischen Wissen, stehen mir alle Karrierewege offen – bspw. bis zum technischen Geschäftsführer.

Zum Abschluss: Haben Sie Tipps für mehr Gehalt in der Branche?

Conrad Pramböck: Auf jeden Fall die soziale Kompetenz trainieren. Was ich jedem Techniker außerdem empfehle: Wirtschaftswissen aufbauen und z. B. eine Kombination aus Wirtschaft und Technik studieren. Wenn es von der Persönlichkeit her passt: In den Vertrieb gehen und auf diesem Weg Technik und Verkauf kombinieren. Ein technischer Verkäufer ist noch gefragter, als ein Techniker. Und wer im Vertrieb tätig ist, kann seine Erfolge durch Verkaufszahlen noch besser argumentieren.

Zur Person: Conrad Pramböck

Dr. Conrad Pramböck ist Experte für Gehalts- und Karrierefragen bei Pedersen & Partners. Er berät Unternehmen weltweit zum Thema Gehalt und ist Lektor an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen zu Gehalts- und Personalthemen. Er ist Autor des Buchs „Jobstars“ und Verfasser der wöchentlichen Kolumnen „Karrierewege“ und „Gehalt konkret“.

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Bildnachweis: Ismagilov /Shutterstock; Solis Images /Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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