Fiese Rhetorik: Killerphrasen richtig kontern

von in Arbeitsleben am Dienstag, 2. Dezember 2014 um 11:29

Heute unternehmen wir einen Ausflug auf die dunkle Seite der Rhetorik. Wer sie verwendet, möchte sein Gegenüber untergriffig und subtil aufs Glatteis führen. Das soll natürlich keine Einladung zur unlauteren Kommunikation werden, vielmehr ein kleiner Leitfaden zum Aufspüren schwarzer Rhetorik. Denn fiese Kommunikation gibt es öfter, als einem lieb ist.

Killerphrasen kontern

Verbale Angriffe entbehren jeglicher sachlicher Grundlagen und sollen einschüchtern, verunsichern und den Gegner aus der Reserve locken. Wer Killerphrasen erfolgreich kontern möchte, muss einen kühlen Kopf bewahren. Wer sich in Rechtfertigungen flüchtet oder Wut zulässt, hat bereits verloren. Bevor man zum Rückschlag ausholt und Öl ins Feuer gießt, ist es besser, gar nichts zu sagen. Den Angriff zu ignorieren, ist auch eine Antwort. Wer kontern möchte, sollte unbedingt sachlich bleiben – sonst begibt man sich auf dasselbe Niveau wie derjenige, der Killerphrasen abfeuert. Antwortmöglichkeiten gibt es viele, folgende Punkte sollte man beachten:

  • Sachlich bleiben
  • Eine Rückfrage stellen und den Provokateur so zu einer sachlichen Aussage zwingen. Oft reicht schon ein einfaches: Warum?
KillerphraseKontermöglichkeit
Das sieht in der Praxis aber ganz anders aus.Ja? Dann erzählen Sie mal.
Für solche Kleinigkeiten haben wir jetzt wirklich keine Zeit.Gut, wann nehmen wir uns die Zeit dafür?
Typisch Buchhalter/Sekretärin/...Abgesehen von diesem Pauschalurteil: Haben Sie zur Sache auch noch Argumente?
Damit liegen Sie völlig falsch!Was meinen Sie damit genau?
So haben wir das noch nie gemacht.Was spricht dagegen, etwas Neues zu probieren?

Der Unterbrecher

Wer kennt sie nicht, Kollegen oder Chefs, die einem ständig ins Wort fallen. Könnte sein, dass sie eine schlechte Kinderstube genossen haben und „nur“ unhöflich sind, es kann aber auch mehr dahinter stecken. Wer andere unterbricht, sichert sich so die überlegene Position. Wer spricht, der hat die Macht. Mit inhaltlichen Argumenten ist dagegen kaum etwas auszurichten, da hilft nur: Die Unterbrechungen konsequent zurückweisen.

Der „Wissenschaftler“

Er wirft mit Zitaten berühmter Menschen oder aus dem Zusammenhang gerissenen Studienergebnissen um sich, dabei kommt er sich unheimlich clever vor. Argumente der anderen sind für ihn falsch und Ideen nicht umsetzbar. Ein Glück, dass es ihn und seinen Intellekt gibt. Der Schlaumeier lässt sich entweder mit seinen eigenen Waffen schlagen, indem man mit Quellen kontert, man kann ihn aber auch durch genaues Nachfragen bändigen – seine Quellen sind manchmal einfach frei erfunden und Stanford würde er auf der Landkarte nicht finden.

Der Ahnungslose

„Was wollen Sie mir eigentlich sagen? Ich verstehe das immer noch nicht.“ Hier gibt sich jemand ahnungslos, versteht die sachlichen Inhalte aber sehr wohl. Gesprächspartner kann man so aufs Glatteis führen – sie müssen sich ständig wiederholen, werden unsicher und verlieren irgendwann die Geduld. Cool bleiben und mit gezielten Gegenfragen kontern: Was genau haben Sie denn nicht verstanden?

Der Angreifer

Diskussionen sollten sachlich geführt werden, aber… wer sich fieser Rhetorik bedient wird persönlich und zielt darauf ab, sein Gegenüber ebenfalls von sachlichen Argumenten wegzubringen. „Sie haben ganz schön zugelegt, aber leider nicht an Arbeitsleistung!“ Die Versuchung, ebenfalls auf persönlicher Ebene zurückzuschlagen, mag groß sein, man sollte sich aber nicht dazu hinreißen lassen. Den Gegner darf und soll man aber in die Schranken weisen und zurück auf eine sachliche Ebene zwingen: Was beabsichtigen Sie mit solchen Aussagen genau?

Alternativen, die keine sind

Blitzschnell wird man vor eine Entscheidung gestellt – blöd, wenn eine Frage keine richtige Wahlmöglichkeit zulässt. Taktisch eingesetzt, nehmen solche Alternativfragen dem Befragten die Entscheidungsfähigkeit mit dem Ziel, die eigene gewünschte Entscheidung aufzudrängen. „Möchten Sie lieber morgen Überstunden machen oder am Freitag länger bleiben?“ Hier nicht zu einer vorschnellen Entscheidung drängen lassen sondern das Gegenüber zur Gewährung von Bedenkzeit bringen. „Das ist viel zu wichtig, um das jetzt spontan entscheiden zu können“, ist eine Antwortmöglichkeit, auf die der Fragende wenig erwidern kann.

Bildnachweis: PathDoc / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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