Recruiting-Prozesse: „Immer wieder prüfen, ob man noch auf dem neuesten Stand ist.“

von in HR am Dienstag, 13. Januar 2015 um 10:47

Die Suche nach qualifizierten Fachkräften ist nur dann von Erfolg gekrönt, wenn Bewerber mit größtmöglicher Professionalität betreut werden. Und zwar vom allerersten Kontakt bis zum Abschluss des Recruitingverfahrens. Liz Hull ist Human Capital-Leiterin bei PwC Österreich und erzählt aus der täglichen Praxis, mit welchen Maßnahmen PwC die Candidate Experience verbessert, um auch den Ansprüchen der Generation Y gerecht zu werden.

Candidate Experience – es geht nicht ohne.

Vom Erstkontakt per Telefon oder E-Mail über das Bewerbungsgespräch bis hin zur Einstellung oder dem Absageschreiben: An zahlreichen Punkten treffen Bewerber und Arbeitgeber aufeinander. Jedes Zusammentreffen hält die Chance bereit, einen guten Eindruck zu hinterlassen – oder auch einen schlechten. Das trifft nicht nur auf den Bewerber zu, sondern auch auf Unternehmen. Eine negative Erfahrung kann dazu führen, dass potenzielle Arbeitnehmer das Interesse am Job oder dem Unternehmen verlieren. Das beginnt bei umständlichen Online-Formularen für die Bewerbung oder fehlenden Kontaktinfos bis hin zu Absageschreiben voller leerer Floskeln. Wer im Kampf um die besten Talente erfolgreich mitmischen möchte, tut gut daran, seine Recruitingprozesse ständig zu hinterfragen und zu optimieren. Dabei darf man sich von positiven Vorbildern auch gerne etwas abschauen.

Recruiting immer weiter entwickeln und optimieren

Elizabeth Hull

Elizabeth Hull

Elizabeth Hull, Human Capital-Leiterin bei PwC Österreich, weiß aus täglicher Praxis wie wichtig es ist, beim Thema Recruiting ständig am Ball zu bleiben. „Recruiting ist ein sehr wichtiger Bereich. Deshalb muss man immer wieder überprüfen, ob man noch auf dem neuesten Stand ist, was Technologie und Prozesse anbelangt, und wie man Dinge noch weiter optimieren kann“, erklärt Hull. Auch im vergangenen Jahr wurde am Rekruitierungsprozess gearbeitet, PwC Österreich hat das eine Auszeichnung als „Best Recruiter“ eingebracht.

Positive Candidate Experience hört nicht beim Personaler auf

„Ich freue mich über diese Auszeichnung, weil sie ein Zeichen für gut abgestimmte Teamarbeit ist. Ein Bewerber kann viele unterschiedliche Berührungspunkte mit einem Unternehmen haben. Es kann sein, dass er z.B. zuerst beim Empfang anruft und nicht in der Personalabteilung. Ich denke, es ist uns gut gelungen, alle Involvierten auf unsere Prozesse aufmerksam zu machen und mit den notwendigen Informationen auszustatten“, sagt Hull.

An welchen Bereichen hat PwC seinen Recruitingprozess im vergangenen Jahr gearbeitet?

Online BewerbenLiz Hull: Im wesentlichen haben wir uns angesehen, wie der Prozess hinsichtlich Initiativbewerbungen aussieht. Wir haben ihn dahingehend angepasst, dass es jetzt deutlich einfacher wird, sich initiativ zu bewerben. Das war eine konkrete Änderung im Recruitingprozess. Nachdem wir Inititativbewerbungen prominenter gemacht haben, ist die Anzahl dieser Bewerbungen gestiegen und damit sind wir sehr zufrieden. Ansonsten haben wir uns im Team noch angesehen, wie im Gesamten mit Bewerbern umgegangen wird: Durchlaufzeiten, Korrespondenz – es wurde einfach jeder Touchpoint hinterfragt, den ein Bewerber mit dem Unternehmen haben kann. Gibt es Optimierungsbedarf? Was kann man im Feintuning noch verbessern? Das ist ein Prozess, der nach wie vor läuft.

Welche konkreten Maßnahmen wurden ergriffen?

Liz Hull: In den Stelleninseraten haben wir z.B. mehr Informationen zu unseren Benefits eingebaut, um das Angebot besser zu veranschaulichen. Ich denke, durch die Generation Y wird generell mehr Wert gelegt auf Offenheit und Transparenz. Das betrifft nicht nur den leichten Zugang zu Informationen, sondern auch zu Personen. Dazu gehört auch, dass unsere Kontaktpersonen einfach zu erreichen sind. In jedem Stelleninserat wird die zuständige Recruitingperson genannt und wie sie erreichbar ist. Das ist natürlich nichts völlig Neues. Aber solche Dinge sind wichtig um zu zeigen, dass man Kontakt begrüßt und nicht scheut.

Was hat sich im Bereich der Kommunikation getan?

eMailLiz Hull: Von der Korrespondenz her hat sich nichts Wesentliches verändert, dennoch ist es ein Bereich, den wir jährlich überprüfen. Wir überlegen, ob man Schreiben vielleicht noch besser anpassen kann oder ob es Möglichkeiten gibt, Schreiben noch mehr zu individualisieren. Das ist vielleicht ein wichtiger Punkt hinsichtlich Bewerberqualität: Die richtige Balance zu finden zwischen Prozesseffizienz und dem individuellen Eingehen auf jede Bewerbung. Bei tausenden Bewerbungen jährlich kann man natürlich nicht für jede Absage ein eigenes Schreiben verfassen, das wäre unrealistisch. Aber man kann sich sehr wohl überlegen, was die Absagegründe sind und dafür passende Texte auswählen und ggf. Ergänzungen vornehmen. In manchen Fällen ist es vielleicht auch passender, den Bewerber anzurufen oder ein ganz eigenes Schreiben zu schicken. Wenn jemand mit uns bereits im Bewerbungsprozess ist und z.B. bereits ein Gespräch hatte, dann erhalten diese Personen natürlich kein Schreiben sondern wir führen ein persönliches Gespräch mit persönlicher Rückmeldung.

„Recruiting ist ein Bereich, der niemals stehen bleibt.“

Sind Social Media Kanäle weiterhin ein Thema?

Liz Hull: Unsere Karriere-Facebookseite gibt es ja schon länger. Social Media ist nach wie vor ein Thema und wird es auch bleiben. Recruiting ist ein Bereich, der niemals stehen bleibt. Es wird laufend etwas erneuert, den eigenen Standpunkt muss man immer wieder kritisch hinterfragen. Auch die Kommunikationskanäle müssen überprüft werden. Die Frage lautet auch hier: Wie kann man das weiter optimieren? Facebook ist für uns als ergänzende Strategie für unser Employer Branding wichtig, aber auch für die interne Kommunikation. Ein reiner Recruitingkanal ist es aber nicht, sondern eine Ergänzung zur Karrierewebsite. Die Neugestaltung der Website wird als nächstes in Angriff genommen – sie wird responsive und fit für die Betrachtung mit mobilen Endgeräten.

Bildnachweis: Gajus / Shutterstock; PwC; PureSolution / Shutterstock; Lisa S. / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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