Pendlerrechner im Visier: Was die Änderungen bedeuten

von in Arbeitsleben, HR am Dienstag, 11. März 2014 um 10:25

Rund eine Million Pendler gibt es in Österreich. Viele von ihnen verfolgen die aktuelle Debatte um den Pendlerrechner des Finanzministeriums. Eingeführt, um für Transparenz bei der Berechnung der Pendlerpauschale zu sorgen, erzeugt er aktuell jedoch eher Unmut. Der Grund: Das System ermittelt immer den kürzest- bzw. schnellstmöglichen Weg zur Arbeit – oft ist dies nicht der realistische Weg. Wie antworten auf die vielen Fragen der Arbeitnehmer? Wir haben mit dem Finanzministerium, der Arbeitkammer und dem ÖAMTC gesprochen.

Mit dem Auto zur Arbeit

Das Auto ist nach wie vor das am meisten genutzte Verkehrsmittel, wenn es um den Weg zur Arbeit geht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Marketagent-Umfrage im Auftrag von karriere.at. Auf die Frage (Mehrfachnennungen möglich): „Wie reisen Sie zu Ihrem Büroarbeitsplatz an?“, meinten 73,7 Prozent: mit dem Auto. 33,4 Prozent, also deutlich weniger als die Hälfte, nutzen die Öffis für den Arbeitsweg, elf Prozent fahren zumindest ab und zu mit dem Fahrrad.
Pendler-und-Verkehrsmittel

Zeit und Geld bleiben auf der Straße

Beim täglichen Arbeitsweg bleibt viel Geld auf der Straße – das Thema der Pendlerpauschale bzw. des Pendlereuros geht also viele an. Abhängig von der Strecke zwischen Wohnort und Arbeit sowie der Frage, ob ein öffentliches Verkehrsmittel zur Verfügung steht, macht die Pauschale zwischen 31 und 306 Euro monatlich aus. Berechnet wird die Höhe dieser nun mittels Pendlerrechner. Alle Arbeitnehmer, die einen Anspruch stellen können, müssen den Rechner mit ihren Daten füttern, das Ergebnis ausdrucken, unterschreiben und in der Lohnverrechnung ihres Arbeitgebers abgeben. Dazu ist bis 30. Juni 2014 Zeit.

Problem: Immer die kürzeste Fahrzeit

Pendlerrechner kuerzeste StreckeWer den Rechner bereits ausprobiert hat, hat vielleicht schon die eine oder andere Überraschung erlebt: Denn umstritten ist der Pendlerrechner, der das Leben eigentlich leichter machen sollte, vor allem aufgrund der eingangs erwähnten zum Teil unrealistischen Ergebnisse. „Das Problem ist, dass der Rechner zum Teil absurde Fahrtrouten oder die Benützung von unzumutbaren Nebenstrecken wie Güterwegen vorschlägt. Dazu kommt, dass sinnvolle Strecken, wie zum Beispiel Ortsumfahrungen, vom Rechner nicht akzeptiert werden. Das liegt zum Teil an der technischen Ausstattung des Pendlerrechners aber aus Sicht der Arbeiterkammer auch an der Verordnung selbst, die problematische Elemente enthält – etwa die Abstellung auf die kürzest mögliche Fahrzeit“, so AKOÖ-Präsident Johann Kalliauer.

Pendlerrechner: Prüfung läuft „auf Hochtouren“

„Wir arbeiten derzeit auf Hochtouren an einer Prüfung des Rechners“, erklärt Daniela Kinz vom Finanzministerium. Sie betont jedoch, dass der Pendlerrechner nicht als Fahrtempfehlung zu verstehen ist, sondern ausschließlich der Ermittlung von Pendlerpauschale und Pendlereuro gilt. ÖAMTC-Sprecher Martin Grasslober: „Wir sehen die Idee hinter dem Pendlerrechner als sehr postiv, da er mehr Transparenz schaffen soll.“ Die technischen Unstimmigkeiten sind natürlich bekannt, der ÖAMTC sieht das größte Verbesserungspotenzial jedoch bei der Verordnung, die hinter dem Rechner steht. „Unsere Idee ist eine kilometergenaue Abrechnung, dies hätte viele Vorteile für die Autofahrer.“ Eine Änderung der Verordnung, wie sie auch die AK fordert, dürfte jedoch nicht im Raum stehen. Kinz: „Die Verordnung ist bereits seit vergangenem Jahr gültig und nach einer Begutachtungsphase beschlossen worden.“

Mehr Rechtssicherheit

Johann Kalliauer, AKOÖ-Präsident

Johann Kalliauer, AKOÖ-Präsident

Was aber bedeutet der neue Rechner – mitsamt der Diskussionen – für die Arbeitnehmer und -geber? „Würde der Rechner seriös funktionieren, gäbe es dadurch mehr Rechtssicherheit. Im Moment stiftet er vor allem Unsicherheit und Verwirrung unter den Arbeitnehmern und Personalern. Völlig unklar ist derzeit auch, wie die Finanzverwaltung mit den Ergebnissen des Pendlerrechners umgehen wird“, so Kalliauer. Vorerst könne man demnach nur abwarten, ob der Rechner reformiert wird. Jenen, die nicht mehr zuwarten können, rät die Arbeiterkammer, das Ergebnis beim Arbeitgeber abzuliefern und gegebenenfalls im Nachhinein die höhere Pendlerpauschale beim Lohnsteuerausgleich einzutragen.

Keine Rückzahlungen

Wie aber soll man sich verhalten, wenn der Pendlerrechner zu einem anderen Ergebnis kommt als dies bisher der Fall war? „Man sollte auf jeden Fall überprüfen, ob einem nicht schon in den Vorjahren eine höhere Pauschale zugestanden wäre und diese eventuell noch beim Finanzamt beantragen. Achtung: Falls der Steuerbescheid schon rechtskräftig ist, ist nicht sicher, dass das Finanzamt den Fall auch neu behandelt“, so Kalliauer. Im umgekehrten Fall, wenn es also bisher zu hohe Zahlungen gegeben hat, beruhigt der AK-Präsident. „Aus AK-Sicht sollte Rechtssicherheit bestehen, dass ursprüngliche Ergebnisse des Rechners nicht mehr zu Lasten der Pendler geändert werden können.“

Die wichtigsten Eckdaten:

  • Fragen PendlerrechnerDer Pendlerrechner ist ab der Veranlagung für das Kalenderjahr 2014 bzw. bei der Berücksichtigung durch den Arbeitgeber für Lohnzahlungszeiträume anzuwenden, die nach dem 31. Dezember 2013 enden.
  • Der Ausdruck des ermittelten Ergebnisses muss bis 30. Juni 2014 beim Arbeitgeber abgegeben werden
  • Die große Pendlerpauschale steht Arbeitnehmern ab zwei Stunden Wegzeit zu, bis zu eine Stunde Arbeitsweg ist hingegen zumutbar. Was zwischen einer und zwei Stunden liegt, ergibt sich durch eine gesonderte Berechnung. Hier die Übersicht:
  • Die kleine Pendlerpauschale gilt für Arbeitnehmer, deren Arbeitsplatz mehr als 20 km von der Wohnung entfernt ist und bei denen die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel „möglich und zumutbar ist“. Hier ergeben sich folgende Beträge: 20 bis 40 Kilometer: 696 Euro jährlich, 40 bis 60 Kilometer: 1.356 Euro jährlich, mehr als 60 Kilometer: 2.016 Euro jährlich.
  • Die große Pendlerpauschale gilt für Arbeitnehmer, deren Arbeitsplatz mehr als 2 km von der Wohnung entfernt ist, bei denen jedoch die Benutzung eines öffentlichen Verkehrsmittels „nicht möglich oder nicht zumutbar“ ist. Hier ergeben sich folgende Beträge: 2 bis 20 Kilometer: 372 Euro jährlich, 20 bis 40 Kilometer: 1.476 Euro jährlich, 40 bis 60 Kilometer: 2.568 Euro jährlich, mehr als 60 Kilometer: 3.672 Euro jährlich.
  • Weitere Infos sowie die häufigsten Fragen zum Pendlerrechner gibt es auf der Seite des Finanzministeriums.

Bildnachweis: svinkin / Quelle Shutterstock, karriere.at, Perfect Gui /Quelle Shutterstock, Ryan Jorgensen – Jorgo /Quelle Shutterstock

 

 

 

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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