Gehalt 2014: Techniker – Gute Chancen auf Karriere, wenn die Selbstvermarktung stimmt

von in Gehalt am Montag, 29. September 2014 um 10:29

Es geht weiter mit unserer Serie „Gehalt 2014„. Heute analysiert Gehaltsexperte Conrad Pramböck die Gehaltsperspektiven für Techniker. Rosige Aussichten prognostiziert Pramböck guten Technikern, denn der Fachkräftemangel dünnt den Arbeitsmarkt weiterhin aus. Wer fachlich top ist und soziale Kompetenz mitbringt, hat gute Chancen auf eine glänzende Karriere.

Gute Aussichten für Techniker

Conrad Pramböck

Conrad Pramböck

„Wenn es eine Berufsgruppe gibt, die am Arbeitsmarkt wirklich heiß begehrt ist, dann sind es die Techniker. Sie sind überall gefragt, egal ob mit technischer Lehre, Abschluss an einer HTL oder nach einem technischen Studium. Wenn ich fachlich gut bin und mir Technik persönlich auch liegt, dann habe ich extrem gute Chancen – vom Berufseinsteiger bis hin zu Führungskräften“, sagt Conrad Pramböck. Die Gehälter der Branche im Überblick:

Gehalt Techniker

Fünf Fragen an den Branchenprofi

Wie ist Ihre Prognose für die Branche? Was sind die Chancen und Risiken?

Techniker Gehalt AusbildungConrad Pramböck: Die Prognosen sind mindestens genauso positiv, wie der derzeitige Stand der Branche. Die technische Ausbildung ist im Vergleich zu anderen Studienrichtungen meistens deutlich anspruchsvoller. Wer sich das antut und die Ausbildung von A bis Z durchzieht, kann eine sehr gute berufliche Entwicklung machen. Die Zahl der Neuinskribenten, z.B. auf der Technischen Universität, wird nicht höher, und die Ausbildung dauert ein paar Jahre. Das bedeutet, dass auch nicht so viele neue Techniker nachkommen werden.

Mangel an Fachkräften wird sich fortsetzen

Vom Fachkräftemangel, der sich in erster Linie auf Techniker bezieht, wird es die nächsten 5 bis 10 Jahre auf jeden Fall so weiter gehen – diese Prognose ist aus meiner Sicht absolut sicher. Einen Aspekt gibt es aber: Ich kenne Personen mit technischer Ausbildung, die sich am Arbeitsmarkt schwer tun. Sie haben ein technisches Studium absolviert, ohne technisches Verständnis zu haben. Häufig war es so, dass ihnen die Eltern gesagt haben: Ich habe gelesen, dass Techniker händeringend gesucht werden. Das ist zwar richtig, aber wenn ich persönlich keine persönliche Neigung zu Technik habe, bin ich in dem Fach falsch aufgehoben, quäle mich durchs Studium und versuche dann meist erfolglos, einen Job zu finden.

„Nachfrage nach Technikern zieht sich quer durch alle Ausbildungslevel“

Welche Rolle spielt der Bildungsgrad?

Conrad Pramböck: Der Bildungsgrad spielt eine relativ untergeordnete Rolle. Es gibt Personen, die auch mit einer Lehrausbildung Karriere gemacht haben, teilweise bis hin zum Geschäftsführer. Das heißt, ich habe die Chance, mich hochzuarbeiten, wenn ich Führungsverantwortung übernehmen will. Für Personen mit HTL-Abschluss ist es mit der Karriere noch einfacher, und wer ein Studium absolviert hat, der tut sich überhaupt am leichtesten. Die Nachfrage nach Technikern zieht sich quer durch alle Ausbildungslevel durch.

Welchen Einfluss hat die Weiterbildung auf die Gehälter?

Gehalt TechnikerConrad Pramböck: Weiterbildung erhöht zwar die Chancen auf ein gutes Gehalt, aber man muss grundsätzlich unterscheiden: Den geringsten Gehaltsspielraum haben Personen mit einer Lehrausbildung, weil sich die meisten Unternehmen hier am Kollektivvertrag mit einer gewissen Überzahlung orientieren. Hier habe ich nicht die Möglichkeit, 30 oder 50 Prozent mehr herauszuverhandeln. Die Spielräume für Verhandlungen steigen aber mit zunehmender Ausbildung und Berufserfahrung. Denn zu Beginn der Karriere wissen die Arbeitgeber nicht wirklich, was der Mitarbeiter kann. Wenn ich im Job allerdings meine Leistung gebracht und Verantwortung übernommen habe, dann kann ich auch in der Gehaltsverhandlung selbstbewusster auftreten.

Wer soziale Fähigkeiten ausbaut, macht schneller Karriere

Wie schnell kann man in der Branche Karriere machen?

Bewerbung TechnikerConrad Pramböck: Grundsätzlich sehr schnell, einfach weil es so wenige gute Leute gibt. Einen wichtigen Hinweis gibt es hier aber: Techniker sind dafür bekannt, gut mit Maschinen zu können – aber sie müssen auch gut mit Menschen können. Eine Erklärung, warum die Gehälter der Techniker nicht ganz durch die Decke gegangen sind, ist – ganz klischeehaft betrachtet – dass Techniker keine guten Selbstverkäufer sind. Manche suchen ihren ersten Job bloß im Gespräch mit einem einzigen Professor an der Uni. Sie fragen beim Professor nach, der gibt einen Kontakt weiter, der Techniker macht einen Anruf und nimmt den Job genauso an, wie er angeboten wurde. Im Vergleich dazu: Ein Wirtschaftsabsolvent schickt 30, 50 oder 100 Bewerbungen ab, sieht sich dann die besten Angebote an und verhandelt sein Gehalt noch etwas.

„Wichtig, dass auch andere sehen, was ich leiste“

Viele Techniker haben einigen Nachholbedarf, am Thema Selbstpräsentation zu arbeiten und die eigenen Leistungen zu präsentieren. Das muss nicht bedeuten, als Schaumschläger aufzutreten, sondern das eigene Können zu demonstrieren. Es ist wichtig, dass auch andere sehen, was ich leiste. Schließlich bleibt das Thema soziale Fähigkeiten, also der Umgang mit anderen Menschen, Rhetorik oder Verhandlungsgeschick. Da ist meine Wahrnehmung, dass sich viele Techniker damit noch schwer tun. Um eine gute Karriere zu machen, müssen Techniker aber auch diese Fähigkeiten entwickeln.

Abschließend: Haben Sie Tipps für mehr Gehalt in der Branche?

Conrad Pramböck: In erster Linie: Trainieren Sie die sozialen Kompetenzen. Außerdem empfehle ich Technikern, die gerne mit Menschen arbeiten, den Weg in den Vertrieb, da sie dort aus meiner Sicht am schnellsten Karriere machen. Denn hier kann ich auch meine Leistung anhand von Umsätzen oder Deckungsbeiträgen ganz klar dokumentieren. Das unterstüzt beim selbstbewussten Auftritt im Gehaltsgespräch. Die Techniker zählen zu den bestbezahlten Mitarbeitern in Österreich. Und es liegt zu einem großen Teil an den Technikern selbst, wie ihre Karriere verläuft. Größter Hemmschuh, wo sich Techniker teilweise selbst behindern, sind ihre sozialen Fähigkeiten. Wer diese Kompetenzen ausbaut und entwickelt, dem steht einer großartigen Karriere nichts mehr im Weg.

Bisher in der Serie Gehalt 2014 erschienen:

“Mit 30 entscheidet sich, wer Karriere macht”

Development und IT – Das Geld fällt nicht (mehr) vom Himmel

Marketing – Liebäugeln mit dem Vertrieb zahlt sich aus

Personalmanagement – Wenn Insider ihr eigenes Gehalt verhandeln

Assistenz – Gläserne Decke bremst Gehaltssprünge

Zur Person: Conrad Pramböck

Dr. Conrad Pramböck ist Experte für Gehalts- und Karrierefragen bei Pedersen & Partners. Er berät Unternehmen weltweit zum Thema Gehalt und ist Lektor an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen zu Gehalts- und Personalthemen. Er ist Autor des Buchs „Jobstars“ und Verfasser der wöchentlichen Kolumnen „Karrierewege“ und „Gehalt konkret“.

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Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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