Gehalt 2014: Assistenz – Gläserne Decke bremst Gehaltssprünge

von in Gehalt am Montag, 15. September 2014 um 10:33

Verdient die „Perle im Büro“ vielleicht mehr, als sie tatsächlich bekommt? Conrad Pramböck, Experte für Gehaltsfragen, analysiert für uns im Rahmen der Serie „Gehalt 2014“ ob für Sekretariats-Jobs finanziell große Sprünge drin sind – von der Tätigkeit am Empfang bis zum Assistenten der Geschäftsleitung.

„Gläserne Decke, über die relativ wenige Assistenzkräfte hinauskommen“

Conrad Pramböck

Conrad Pramböck

Sie sind das freundliche Lächeln am Empfang, halten den Betrieb am Laufen und ihrem Chef den Rücken frei – die Assistenzkräfte.  Conrad Pramböck beantwortet fünf Fragen zur Gehaltsentwicklung für Troubleshooter und gute Seelen im Assistenzbereich. „Karrierechancen von Assistenzkräften sind, was das Gehalt betrifft, begrenzt, weil es hier ganz stark um Leistung und den Verantwortungsbereich geht. Das bedeutet, wenn ich eine typische Team- oder Abteilungsassistenz bin, ist mein Bereich recht klar abgesteckt und ich habe relativ wenige Entwicklungsmöglichkeiten. Dadurch stecken viele, auch wenn sie bereits langjährig berufstätig sind, in einer Einkommensbandbreite zwischen 40.000 und 50.000 Euro Jahresbrutto fest. Im Assistenzbereich gibt es also eine gläserne Decke von rund 50.000 Euro Jahreseinkommen, über die relativ wenige Assistenzkräfte hinauskommen“, erklärt Pramböck.

Die Gehälter der Branche im Überblick

Gehalt Assistenz

Fünf Fragen an den Branchenprofi

Wie ist Ihre Prognose für die Branche, wo liegen die Chancen und Risiken?

Conrad Pramböck: Gute Assistenzkräfte sind überall gefragt, das große Thema ist eben die meist nicht sehr hohe Entlohnung. Ausgenommen sind Assistenten der Geschäftsleitung und es gibt auch absolute Ausnahmen, deren Gehalt bei dem eines Bereichsleiters, also um die 100.000 Euro liegt. Das sind aber wirkliche „Ausreißer“ nach oben. Das Thema Assistenz wird immer wichtiger, weil ich mich als Team auf ein gutes Backoffice verlassen muss. Aber mit der Bezahlung, so meine Vermutung, wird es in diesen gesteckten Grenzen bleiben.

Welche Rolle spielt der Bildungsgrad?

LernenConrad Pramböck: Bis vor 15 oder 20 Jahren hatten die meisten Kräfte Maturaniveau oder eine Handelsschule bzw. kaufmännische Lehre absolviert. Jetzt sind immer mehr Akademikerinnen im Assistenzbereich zu finden. Akademikerinnen deshalb, weil der Frauenanteil meiner Einschätzung nach bei cirka 90 Prozent liegt. Es hat ein gewisses Upgrade der Qualifikation stattgefunden. Nur das Gehaltsniveau ist de facto gleich geblieben. Das Anforderungsniveau an Assistenzkräfte wird immer höher. Einerseits von der Ausbildung her, andererseits von den sonstigen Fähigkeiten. Ich denke da insbesondere an Englisch- und IT-Anwenderkenntnisse, die ich in jeder qualifizierten Assistenzposition benötige. Die Gehälter sind aber nicht in dem Ausmaß gestiegen.

Welchen Einfluss hat die Weiterbildung auf die Gehälter?

Conrad Pramböck: Über die gläserne Decke bringt mich auch die dritte Fremdsprache oder der fünfte Computerkurs nicht hinaus. Es kommt stark auf den Verantwortungsbereich an. Die Frage, die sich eher stellt, ist: Gelingt es mir, aus der Assistenz heraus in eine andere Funktion zu wechseln? Das Nächstliegende wäre eine  Sachbearbeitertätigkeit, hier haben Personen mit akademischem Studium die besten Chancen. Die Gehälter in der Sachbearbeitung liegen um rund 10 Prozent höher als im Assistenzbereich, als Spezialist liegt die gläserne Decke um rund 30 bis 50 Prozent höher.

„Es liegt stark an einem selbst, für das berufliche Weiterkommen zu sorgen“

Wie schnell kann man im Assistenzbereich Karriere machen?

Office EmpfangConrad Pramböck: In vielen Fällen kommt mir vor, dass es keine Karriereleiter ist, sondern einzelne Berufsgruppen sind. Ich durchlaufe selten eine Karriere vom Empfang als 18-jährige Maturantin bis hin zur  Assistenz der Geschäftsleitung mit Mitte 40 oder Anfang 50. Welche Bereiche ich durchlaufe, ist eine Frage des persönlichen Einstiegs und Auftretens sowie der fachlichen Kompetenz.

Gute Assistenten sind Gold wert

Es gibt Damen, die Zeit ihres Lebens am Empfang arbeiten. Dann gibt es persönliche Assistenten, die mit dem Manager, den sie betreuen, „mitwandern“. Wenn dieser zur Führungskraft wird, wertet das bestehende Vertrauensverhältnis auch die Assistenzkraft auf. Ansonsten sind Karrieren relativ langsam und viele Unternehmen legen auch gar keinen Schwerpunkt auf die Entwicklung ihrer Assistenzkräfte. Es liegt ganz stark an einem selbst, für das berufliche Weiterkommen zu sorgen. Aber: Eine gute persönliche Assistenz ist Gold wert, denn sie hält einem im Job den Rücken frei.

Abschließend: Tipps für mehr Gehalt in der Branche?

Office ManagerConrad Pramböck: Worauf es stark ankommt, ist das langjährige Vertrauensverhältnis zum persönlichen Chef. Ein guter Chef weiß, was er an einer guten Assistenzkraft hat und versucht, sie um einen gewissen Preis ans Unternehmen zu binden. Ganz einfach weil er weiß, was sie leistet. Leistung zu bringen ist also ein großer Punkt: Den Chef unterstützen wo immer es geht und ihm den Rücken freihalten. Die erbrachte Performance kann man beim Gehaltsgespräch ins Spiel zu bringen.

Vertrauensverhältnis zum Chef absolut hoch halten

Das spannendste von der Gehaltsentwicklung ist aus meiner Sicht, auch weitere Tätigkeiten zur Assistenztätigkeit auszuüben und damit beim Chef zu argumentieren: Ich sehe mich nicht mehr als reine Assistenzkraft, sondern möchte mich Richtung Sachbearbeiter oder Spezialist entwickeln. Das ist ein komplett anderer Job und dann sprechen wir auch über ein anderes Gehalt. Innerhalb der Position selbst ist es relativ schwer so zu argumentieren, dass ich einen ausgezeichneten Gehaltssprung mache. Wie gesagt, das wichtigste in der Position ist es, das Vertrauensverhältnis zum Chef absolut hoch zu halten.

Gehaltsberechnung für persönliche Assistenten

Im Bereich der persönlichen Assistenz gibt es eine Faustregel, die klingt zwar nach absoluter Milchmädchenrechnung, trifft aber ganz gut zu: Lebensalter x 1.000 Euro ergibt das Bruttojahresgehalt. Eine 20-jährige HAK-Absolventin ohne Berufserfahrung verdient demnach cirka 20.000 Euro, sofern Sie nicht schon aufgrund des Kollektivvertrags ein höheres Gehalt bekommt. Die Rechnung funktioniert ungefähr bis zur Altersgruppe um die 40 Jahre bei rund 40.000 Euro Jahresgehalt. Danach verflacht die Einkommenskurve, und die Gehälter entwickeln sich weniger stark bis zur gläsernen Decke, die ungefähr bei 50.000 Euro liegt.

Bisher in der Serie Gehalt 2014 erschienen:

“Mit 30 entscheidet sich, wer Karriere macht”

Development und IT – Das Geld fällt nicht (mehr) vom Himmel

Marketing – Liebäugeln mit dem Vertrieb zahlt sich aus

Personalmanagement – Wenn Insider ihr eigenes Gehalt verhandeln

Zur Person: Conrad Pramböck

Dr. Conrad Pramböck ist Experte für Gehalts- und Karrierefragen bei Pedersen & Partners. Er berät Unternehmen weltweit zum Thema Gehalt und ist Lektor an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen zu Gehalts- und Personalthemen. Er ist Autor des Buchs „Jobstars“ und Verfasser der wöchentlichen Kolumnen „Karrierewege“ und „Gehalt konkret“.

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Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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