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Nachfragen

Mut, nachzufragen

Arbeitsleben Erstellt am: 24. August 2023 4 Min.

Die Eigenschaft nachzufragen, wenn man etwas nicht verstanden hat, wird oftmals unterschätzt. Oft ist damit die Angst verbunden mit "peinlichen Fragen" Blöße zu zeigen und von anderen als "dumm" gesehen zu werden. Im beruflichen Umfeld kann das Fehlen von Klarheit zu Missverständnissen und Fehlern führen. Daher ist es von großer Bedeutung, den Mut aufzubringen, um Klarheit zu bitten. In diesem Blogartikel werden wir über die Wichtigkeit dieses Mutes sprechen und wie er nicht nur zu besserem Verständnis, sondern auch zu verbesserten Beziehungen und beruflichem Erfolg führen kann.

Es gehört manchmal zu einem „Spiel“, wenn jemand sehr geschwollen, mit Fremdwörtern angereichert in seiner Fachsprache doziert und oftmals geschieht es völlig unbedacht. Zurückbleiben viele Fragezeichen und kaum jemand, der gerade „Bahnhof“ verstanden hat, wagt es nachzufragen. Wird nicht nachgefragt, was nun genau damit gemeint sei, wird beiden eine große Chance für Weiterentwicklung genommen. Die Person, die doziert hat, bekommt kein Feedback und keine Möglichkeit, den Inhalt so zu vermitteln, dass alle verstehen, was sie damit gemeint hat und die Zuhörer*innen tappen weiter im Dunkeln. Dabei wären Hinweise und Fragen, wie

  • „Das habe ich jetzt nicht verstanden.
  • „Was meinst Du genau damit?“
  • „Kannst Du das in anderen Worten auch sagen?“
  • „Wie darf ich das verstehen?“

… eine wertvolle Chance gewesen, in einen Dialog der Verständigung und Weiterentwicklung auf beiden Seiten zu treten.

Warum ist es wichtig, nachzufragen, wenn man etwas nicht verstanden hat? #

Fragen, wie die oben angedeuteten verringern nicht nur das Tempo bei den Ausführungen des Gegenübers, sondern sie laden dazu ein, auf den Punkt zu kommen und Inhalte zu präzisieren. Das ist auch für die Dozierenden hilfreich und ein wertvolles Feedback. Meist wissen diese ohnedies – wenn es sich nicht gerade um „Überflieger“ handelt -, dass sie oft nicht verstanden werden und sind dankbar darüber, dass jemand den Mut aufbringt, sie dabei zu unterstützen, anschlussfähig zu bleiben.

Im Berufsleben stehen wir oft vor komplexen Aufgabenstellungen, neuen Konzepten oder technischen Details. Wenn wir nicht nachfragen, wenn uns etwas unklar ist, kann dies zu Missverständnissen oder sogar zu kostspieligen Fehlern führen. Der Mut, nachzufragen, ermöglicht es uns, den Wissensstand zu erhöhen, Verwirrung zu vermeiden und letztlich besser in unserer Arbeit zu sein.

Mögliche Handlungsanweisungen
#

Peter Hofer, Resilienzforscher, Coach und Psychotherapeut (IGEMO) beschreibt, wie man den Mut findet, um den eigenen Weg zu gehen - mit möglichen Handlungsansatz, dazugehöriger Herausforderung, das Risiko und das Geschenk der Überwindung:

Die Herausforderung #

Oft zögern wir, Fragen zu stellen, aus Angst vor negativen Konsequenzen. Wir könnten befürchten, als inkompetent wahrgenommen zu werden oder die Geduld anderer zu strapazieren. Doch in Wirklichkeit zeugt das Nachfragen von Engagement, Lernbereitschaft und dem Wunsch nach Verbesserung.

  • Zugeben zu müssen, dass ich vom Gesagten nicht alles verstanden habe oder vom thematisierten Wissensgebiet noch nicht alles weiß.
  • Die Frage so zu stellen, dass sie anschlussfähig ist.
  • Auszusprechen, dass das Gesagte noch nicht nachvollziehbar genug artikuliert wurde.

Das Risiko und der Preis #

  • Es könnte sein, dass ich mich vor anderen mit meiner Frage blamiere.
  • Es könnte sein, dass ich den Vortragende*n vor den Kopf stoße und er*sie nicht in der Lage ist, meine Frage zu beantworten.
  • Es könnte sein, dass niemanden außer mich die Erläuterung meiner Frage interessiert und ich den Fluss des Vortrages störe.
  • Ich bekomme dadurch die Aufmerksamkeit aller Anwesenden und stehe plötzlich mit dem Vortragenden im Zentrum des Geschehens.

Das Geschenk #

  • Ich stelle eine Frage, die auch alle Anwesenden beschäftigt und frage daher stellvertretend für alle Anwesenden, das bringt mir Zuwendung.
  • Ich erhalte viel Aufmerksamkeit.
  • Für den Vortragende*n ist es eine abwechselnde Unterstützung, die ihm*ihr ermöglicht, auf praxisnahe Anliegen einzugehen.
  • Der*die Vortragende erhält Feedback darüber, wie gut es ihm*ihr bisher gelungen ist, die Anwesenden mit den bisherigen Erläuterungen abzuholen.

Tipps, um den Mut zum Nachfragen zu finden #

  1. Akzeptiere deine menschliche Natur: Niemand kann alles wissen. Jeder hat einmal bei null angefangen. Akzeptiere, dass es normal ist, Fragen zu haben.
  2. Betrachte es als Stärke: Das Nachfragen zeigt, dass du aktiv lernen möchtest und engagiert bist. Es ist eine Stärke, die zeigt, dass du offen für Wachstum bist.
  3. Formuliere klare Fragen: Bevor du fragst, verbringe etwas Zeit damit, deine Frage zu formulieren. Das klare Formulieren deiner Frage zeigt, dass du bereits über das Thema nachgedacht hast.
  4. Wähle den richtigen Zeitpunkt: Wähle einen geeigneten Moment, um deine Frage zu stellen. Achte darauf, dass du nicht gerade mitten in einer hektischen Besprechung oder einem wichtigen Projekt bist.
  5. Biete Lösungen an: Zeige, dass du bereits einige Gedanken über das Problem gemacht hast. Wenn du nachfragst, könntest du auch mögliche Lösungsansätze vorschlagen.

Schlussgedanken #

Der Mut, nachzufragen, ist ein Beweis für deine Entschlossenheit, dein Wissen zu erweitern und eine bessere Arbeitskultur zu schaffen. Indem du dich traust, nachzufragen, demonstrierst du eine Haltung des Lernens und Wachsens, die in jedem beruflichen Umfeld geschätzt wird. Also sei mutig, wenn du etwas nicht verstanden hast, und fordere Klarheit ein. Du wirst nicht nur für dich selbst, sondern auch für dein Team und dein Unternehmen einen wertvollen Beitrag leisten.

Foto Peter Hofer 3

Zur Person #

Dr. Peter Hofer studierte Kommunikationswissenschaft, Pädagogik, Schauspiel und Psychotherapiewissenschaft. Er ist als selbstständiger Forscher, Organisationsberater und Psychotherapeut in freier Praxis tätig und begleitet Menschen und Organisationen in herausfordernden Lern- und Entwicklungsphasen. Autor von "Krisenbewältigung und Ressourcenentwicklung. Kritische Lebenserfahrungen und ihr Beitrag zur Entwicklung von Persönlichkeit", erschienen 2017 im Springer Verlag.

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