Weiterbildung: Nur individuelle Angebote stellen Arbeitnehmer zufrieden

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 22. Oktober 2014 um 10:44

Keine Weiterbildungsmöglichkeiten im Job? Für Arbeitnehmer ist das sogar ein Grund, sich gegen einen Job zu entscheiden. Personalistin Geraldine Hofstetter hat im Rahmen ihrer Studie Bewerber auch zum Thema Fortbildung befragt. Flexibilität ist auch hier ein großer Punkt und ein Großteil der Befragten ist sogar bereit, sich in der Freizeit fortzubilden.

Flexible Fortbildungslösungen sind besonders gefragt

Geraldine Hofstetter

Geraldine Hofstetter

Ein flexibles Umfeld ist Arbeitnehmern in vielen Bereichen wichtig, das ging aus den Ergebnissen der Studie von Geraldine Hofstetter bereits hervor. Aber nicht nur bei der Arbeitszeit werden flexible Lösungen stark nachgefragt, auch die Weiterbildung soll möglichst individuell gestaltet werden. Von flexiblen Lösungen haben nicht nur Arbeitnehmer etwas, sondern auch Arbeitgeber, denn Fortbildung für Mitarbeiter muss nicht teuer sein. „Weiterbildung sollte dort angeboten werden, wo sie auch wirklich gebraucht wird. Ich bin davon überzeugt, dass man für Fortbildung weniger ausgeben könnte, wenn man sie spezifischer einsetzt“, so Hofstetter.

Führungskräfte: Coachings für den Nachwuchs statt Sprung ins kalte Wasser

Besonders angehende Führungskräfte würden von maßgeschneiderter Fortbildung profitieren. „Individuelle Fortbildung oder persönliches Coaching für den Beförderten sind in der mittleren Führungsebene leider noch zu selten mit einer Beförderung gekoppelt. Allzuoft werden, besondes in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, junge Mitarbeiter ohne Führungserfahrung eingestellt oder interne fachliche Spezialisten in Führungspositionen gehoben und dann aber leider mit der Mitarbeiterführung alleine gelassen. In höheren Managementebenen ist Coaching durchaus üblich, in der mittleren Führungsebene aber fast gar nicht. Eine gängige Praxis, die zur Überforderung des Beförderten und zu mieser Stimmung unter den Mitarbeitern führt. Diese Situation ist typisch für Mobbing, schlechtes Arbeitsklima, Demotivation und in Folge Jobwechsel“, erklärt Hofstetter.

Fortbildung entscheidet für oder gegen ein Jobangebot

Weiterbildung Pro Contra JobDie Möglichkeit, sich im Job fortzubilden, ist für die Mehrheit der Befragten von großer Bedeutung. Geht es darum, sich für oder gegen einen Job zu entscheiden, stellt Weiterbildungsmanagement einen wichtigen Punkt bei der Entscheidung dar. 15 Prozent geben an, dass die Möglichkeit zur Fortbildung extrem wichtig ist, als wichtig erachtet das rund ein Drittel, darunter vor allem junge Bewerber zwischen 18 und 28 Jahren.

Einarbeitungszeit: Vier Wochen sind den meisten genug

Einschulung JobDie ersten Wochen im neuen Job – in dieser Zeit gibt es besonders viel zu lernen. Ein strukturierter Einarbeitungsplan erleichtert den Einstieg, fehlt laut Studie aber in vielen Unternehmen noch. 55 Prozent der Befragten gaben an, dass es bei ihrer aktuellen oder letzten Anstellung keinen Einarbeitungsplan gibt bzw. gab. „Mit einem gezielten Plan arbeiten bei der Einarbeitung scheinbar die wenigsten, wahrscheinlich ist es eher Learning By Doing“, so Hofstetter. Mit der Einarbeitungszeit zeigen sich 60 Prozent zufrieden – aber wie lange soll die im neuen Job dauern? 42 Prozent wünschen sich eine Einarbeitungsphase von maximal vier Wochen – ein Ergebnis, das Hofstetter überraschte – hätte die Personalistin doch mit dem Wunsch nach längerer Einarbeitungszeit gerechnet. 21 Prozent möchten mehr als vier Wochen Zeit für die Startphase im neuen Job – die Mehrheit davon sind ältere Arbeitnehmer über 40 Jahren.

Hat Weiterbildung festen Platz in der Firmenphilosophie?

Weiterbildung FirmenphilosophieOb Weiterbildung beim letzten Arbeitgeber ein wichtiger Punkt der Firmenphilosophie war, wurde im Rahmen der Studie ebenfalls erfragt. Sehr gemischt fällt das Ergebnis aus, rund die Hälfte der Arbeitgeber kümmert sich aber um Weiterbildung. „Auch wenn Mitarbeiterschulungen inzwischen bei vielen Firmen angeboten werden, scheint das Angebot noch nicht ausreichend zu sein. Einerseits ist es nicht ausreichend situationsadäquat, andererseits erreicht es die Arbeitnehmer nicht. Denn auch die Mitarbeiter müssen lernen, dass erst richtige Fortbildung Wissen schafft, das man vorher nicht hat und danach als selbstverständlich ansieht. Diesen Übergang von Nichtwissen zu verinnerlichtem Wissen schafft eine gute Fortbildung – und gerade deshalb ist sie so schwer zu fassen und noch schwerer wertschätzend anzunehmen“, sagt Hofstetter.

Arbeitnehmer sind bereit, Weiterbildung in der Freizeit zu absolvieren

Weiterbildung in der FreizeitWeiterbildung? Ja bitte, aber flexibel! „Hier hält es sich wie bei allen Dingen, die wir befragt haben: Je flexibler, desto besser – und desto motivierter die Mitarbeiter“, so Hofstetter. 91 Prozent der Befragten gaben an, dass flexible Weiterbildung für sie extrem wichtig oder eher wichtig ist. Fortbildungen in der Freizeit absolvieren? Für den Großteil der Studienteilnehmer stellt das aber kein Problem dar. „Ältere Mitarbeiter sind beinahe zu 100 Prozent bereit, Weiterbildung auch in ihrer Freizeit zu absolvieren, jüngere Arbeitnehmer nur zu 90 Prozent“, kommentiert Hofstetter die Studienergebnisse.

Angehende Führungskräfte nicht alleine lassen

700 Personen hat Geraldine Hofstetter für ihre Studie seit 2009 befragt, über 500 relevante Fragebögen wurden ausgewertet. Teilgenommen haben Bewerber quer durch alle Altersschichten, Führungsebenen und Branchen. In über 30 Fragen rund um Arbeitsumfeld, Weiterbildung, Kündigungsgründe, Gehalt, Motivation und Arbeitsbedingungen verrieten sie, was ihnen bei der Jobsuche und im Arbeitsalltag wichtig ist. „Viele Dinge, die dabei herausgekommen sind, hätte ich so nicht erwartet – angesichts der wirtschaftlich schwierigen Zeit, in der die Studie durchgeführt wurde. Ich hätte mir nicht gedacht, dass Leute ihren Job trotzdem am ehesten aufgeben, wenn das Arbeitsklima nicht passt oder es mit dem Chef nicht so gut läuft – sondern eher, dass sie ‚durchbeißen‘. Aber sie tun es nicht, sie gehen trotzdem. Es ist also nicht die zu hohe Arbeitsbelastung, die Angestellte zur Kündigung treibt, sondern die zu hohe emotionale Belastung“, sagt Hofstetter. Flexible Arbeitszeiten, ein tolles Betriebsklima und fachlich sowie sozial kompetente Führungskräfte,  das hält laut Studie Arbeitnehmer wirklich im Job. Alles Dinge, für die keine großen Investitionen notwendig sind. „Vieles ist nicht so teuer, wie es oft angepriesen wird. Flexibilität, soziale – und auch fachliche – Kompetenz sind sehr wesentliche Dinge, die große Auswirkungen haben. Daher ist es nicht egal, wenn ein Mitarbeiter nur aufgrund seiner fachlichen Fähigkeiten rekrutiert wird. Hat man aber jemanden, der jungen Führungskräften oder Spezialisten zur Seite steht, erledigen sich viele Themen wie z.B. Mobbing von selbst. Weil dann vorgelebt wird, dass das im Unternehmen keine Basis hat. Aber ich darf die Leute nicht einfach mit ihrer neuen Führungsaufgabe alleine lassen“, meint Hofstetter. Die Studie versteht sich deshalb als Plädoyer für noch mehr Verantwortung in der Mitarbeiterführung und im professionellen Recruiting.

Weiterlesen: Erster und zweiter Teil der Studienergebnisse

Gutes Betriebsklima hält Arbeitnehmer im Job, Mobbing weckt den Fluchtinstinkt

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Bildnachweis: Piotr Marcinski / Shutterstock; Theresa Schrems; Brt / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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