Lärm im Büro: Acht von zehn Arbeitnehmern sind ständig abgelenkt

von in Arbeitsleben am Montag, 14. Oktober 2013 um 19:49

Man sitzt vor dem Computer, sollte und möchte anfangen zu tippen und schon ist sie da, die nächste Ablenkung. Weg ist dafür eine andere – nämlich die Konzentration. Laut aktueller karriere.at-Umfrage fühlen sich acht von zehn Arbeitnehmern ständig abgelenkt, die größten Störfaktoren sind Unterbrechungen durch Kollegen oder Telefonate. Einen Ausweg aus der Konzentrations-Krise verspricht das richtige Büro. Vier Tipps für mehr Konzentration im Job.

60 Prozent werden ständig unterbrochen

Ablenkung-AN„Nur fünf Minuten Ruh'“ – nicht nur der Titel eines Kinderbuches von Jill Murphy sondern wohl auf der Wunsch vieler Arbeitnehmer. Acht von zehn karriere.at-Usern gaben in der aktuellen Online-Umfrage an, bei der Arbeit durch äußere Einflusse gestört zu werden. Konkret beklagen 60 Prozent der Befragten ständige Unterbrechungen bei der Arbeit, weitere 19 Prozent werden durch einen zu hohen Lärmpegel im Büro abgelenkt. Zu viele Arbeiten auf einmal beklagen elf Prozent, zehn Prozent halten sich selbst durch Facebook, Internetsurfen & Co. von ihren Tätigkeiten ab.

Persönlicher Frust & finanzieller Verlust

Ablenkung-AGAblenkungen frustrieren – man braucht durch sie meist viel länger als nötig und nicht selten leiden die Ergebnisse, Fehler schleichen sich ein. Zu dem persönlichen Frust gesellt sich schnell der Produktivitätsverlust. Was aber tun die heimischen Arbeitgeber gegen die Ablenkungen? Auch hier wurde nachgefragt, 189 Führungskräfte und Personalmanager gaben Auskunft: Auf die Frage „Wie fördert man Konzentration?“ meinen 44 Prozent, dass gute Akustik auch im Großraumbüro wichtig ist. Ebenso viele sehen in geregelten Workflows inklusive fixen Pausenzeiten eine Möglichkeit der Konzentrationssteigerung. Verbote von Facebook und ständige Kontrolle sind hingegen eindeutig weniger Thema – nur sieben bzw. fünf Prozent der Arbeitgebervertreter können sich diese Maßnahmen vorstellen.

Die richtige Gestaltung von Arbeitsplätzen

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Herbert Zitter

„Das Umfrageergebnis zeigt, dass die größte Herausforderung klar in der Gestaltung von Arbeitsplätzen liegt, gerade wenn sich mehrere Mitarbeiter ein Büro teilen“, analysiert karriere.at-Geschäftsführer Jürgen Smid die Ergebnisse. Dass gute Akustik auch im Großraumbüro möglich ist -, ein freier Rücken hingegen unangenehm, weiß Herbert Zitter von M.O.O.CON. Wie sieht es also aus, das ideale Büro? Und kann man als Arbeitnehmer selbst etwas tun, um sich das Leben zu erleichtern?

Die ideale Arbeitssituation: Entscheidend ist, was gemacht wird

telefon„Für mich ist die ideale Arbeitssituation diejenige, die sich aus der Situation, den Aufgaben und Tätigkeiten der Mitarbeiter herleitet. Ist eine Tätigkeit also eher ruhig und findet in einem offenen Bereich statt, wird man gar nicht viel machen müssen, weil ohnehin kein Lärm entsteht. Wenn aber viel telefoniert wird, dann sind sogar viele akustische Maßnahmen notwendig. Diese reichen von der Wahl der Endoberflächen bis hin zu ergänzenden Hochleistungsabsorbern“, so Zitter. Denn die Akustik eines Raumes ist etwas sehr Komplexes.

„Man kann sich also überlegen, welchen Tod man sterben möchte“

arbeitsplatzDas Bewusstsein für Lärmvermeidung im Büro ist zwar gestiegen, die Frage ist nur, wer diese umsetzt. „Das Problem ist oft, dass dieses Thema zurück an den Mieter delegiert wird, da die Vermieter von Büroflächen meist nicht wissen, wie die Situation und Bedürfnisse des späteren Nutzers aussehen. Meist muss dann die Einrichtung herhalten, dies geht jedoch nur beschränkt, da die akustische Qualität eines Raumes sehr komplex ist. Gerade in Großraumbüros ist die Schallweiterleitung über die Decke problematisch. Die andere Frage ist jene, inwieweit die eigene Privatsphäre oder Intimität gewährleistet wird.“ Teiler zwischen den Arbeitsplätzen sowie ein Rückenschutz sind hier wichtige Maßnahmen, „besonders das Vorbeigehen im Rücken ist etwas sehr Störendes“, so Zitter. Für die Akustik hingegen wäre es oft nicht schlecht, wenn die Arbeitsplätze zur Wand hin ausgerichet wären. „Man kann sich also überlegen, welchen Tod man sterben möchte“ – Lärm oder Ablenkung.

Weniger Konflikte und besseres Klima

Generell, so der Raumexperte, ändert sich das Arbeiten und diesen Veränderungen müsse man gerecht werden. So geht der Anteil der Kommunikation laufend nach oben, Rechnung getragen wird dieser Tatsache jedoch kaum. „Es geht darum, den Menschen jene Arbeitsplätze zur Verfügung stellen, die sie für ihre tägliche Arbeit brauchen.“ Dies können unter anderem Bereiche für die Kommunikationsarbeit, Rückzugsorte oder Kreativzonen sein. Stimmt die Arbeitsumgebung, können Konflikte vermieden werden – die Auswirkungen auf das Klima im Büro sind enorm.

Was können Mitarbeiter selbst tun?

Im Idealfall zieht man also in ein neues, perfekt auf die Bedürfnisse der Firma abgestimmtes Büro. Den Idealfall gibt es jedoch leider selten. Gibt es Maßnahmen, die der einzelne Mitarbeiter setzen kann? „Ich glaube, dass irgendwelche ergänzenden Einzelmaßnahmen eines Mitarbeiters nicht zielführend sind, der Mitarbeiter kann zum Beispiel schlecht den Boden austauschen. Zusätzliche Pflanzen mögen eine kurzfristige Wirkung haben, die aber glaube ich eher psychologisch als akustisch wirksam ist“, so Zitter. Rom wurde bekanntlich auch nicht an einem Tag erbaut und deshalb gibt es hier dennoch ein paar Tipps, die den Arbeitsalltag eventuell erleichtern können:

  • pflanzenSichtschutz: Wie erwähnt empfinden viele Menschen es als unangenehm, wenn ihnen jemand von hinten auf den Bildschirm sieht. Man könnte also mit seinem Arbeitgeber klären, ob ein Sichtschutz möglich ist. Schmale Kästen würden etwa für zusätzlichen Stauraum sorgen, der Sichtschutz könnte jedoch auch von der Decke hängen.
  • Pflanzen: Ein grünes Büro sieht nicht nur schöner aus, Pflanzen sind auch nachweislich gesund für das Raumklima. Setzt man dabei nicht auf den kleinen grünen Kaktus können geschickt aufgestellte Topfpflanzen durchaus einen Beitrag zur Privatsphäre leisten.
  • Rücksicht: Mit ein paar einfachen Regeln – etwa dem Einhalten von Pausenzeiten – können viele Konflikte entschärft werden. Vielleicht können Geräte wie der Kopierer oder die Kaffeemaschine zudem an einen anderen Platz gestellt werden, aus Rücksicht auf die benachbarten Kollegen.
  • Geduld: Klingt einfach, ist es aber nicht: mehr Geduld. Muss sofort wirklich immer sofort sein? Oder ist die dringende Frage an den Kollegen doch nicht immer so dringend?

Bildnachweis: liveostockimages / Quelle Shutterstock, Andreka / Quelle Shutterstock, Tomasz Trojanowski / Quelle Shutterstock, GoodMood Photo / Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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