10 Kollegentypen – Welche Charaktere umgeben Sie im Büro?

von in Arbeitsleben am Freitag, 26. November 2010 um 12:12

Betritt man morgens das Büro, verschafft man sich Eintritt in eine Parallelwelt. Während man im Privatleben über weite Strecken selbst regelt, mit wem man seine Zeit verbringt, spielt’s das im Arbeitsleben partout nicht. Die Kollegen sind einfach da, ob man sie sympathisch findet oder nicht. Jeder einzelne hat seine Macke, mit jedem muss man aber irgendwie klarkommen. Weil man eben dafür bezahlt wird. Wir haben für Sie die 10 gängigsten Kollegentypen charakterisiert. Und sagen Ihnen auch noch, wie Sie am besten mit diesen klarkommen. Wen davon finden Sie in Ihrem eigenen Großraumbüro wieder?

„Würde ich XY nicht aus der Arbeit kennen, mit diesem Typen würde ich privat keine fünf Worte wechseln…“ – geben Sie’s zu: Jeder, der arbeitet, hat diesen Satz zumindest in leichten Abwandlungen schon einmal gedacht oder zu Vertrauten gesagt. Sicher, Kollegen können durchaus nerven. Vor allem dann, wenn sie so überhaupt nicht dem eigenen Charakter oder dem bevorzugten Freundes-Typ entsprechen. Doch drehen Sie den Spieß um: Genau das macht den Job auch spannend, interessant. Nämlich wenn Sie ihn als tägliche psychologisch-soziologische Feldforschung sehen: Tag für Tag wird eine bestimmte Zahl an Individuen mit unterschiedlichsten Hintergründen, Wertvorstellungen, Zielen, Plänen und Charakteren auf engstem Raum in einem Team versammelt, um einem gemeinsamen Ziel nachzugehen. Und wie bei George Orwells „Animal Farm“ kommt der Charakter eines jeden einzelnen im Arbeitsprozess erst so richtig zutage. Beziehungsweise: Die Arbeits-Identität des Betreffenden. Denn wer sagt, dass der Choleriker aus der Lohnverrechnung nicht privat auf Yoga und Vivaldi steht?
Hier sind sie – 10 Kollegentypen, die Sie in jeder Firma wiederfinden.

Der Streber

Charakter: Bekommt er einen Arbeitsauftrag, vergisst er nie zu betonen, dass er damit schon in weiser Voraussicht ohnehin begonnen hat. Seine Selbstmotivation scheint keine Grenzen zu kennen – sobald es etwas zu tun gibt, wird es angepackt. Ein dreiseitiges Exposé gibt es bei ihm nicht: Er schreibt 15.
Bedienungsanleitung: Nur nicht durch das Hyper-Engagement verunsichern lassen. Manche Menschen brauchen es einfach, dass sie alles bis ins Letzte ausarbeiten, planen und zur Verfügung stellen, was sie können. Man kennt sie noch aus der Schule: Dort haben sie 13 Seiten Deutsch-Aufsatz geschrieben, eine Woche für einen Religions-Test gelernt und waren immer freiwillig Klassenordner. Und am Ende haben sie denselben „Zweier“ abgestaubt wie Sie damals. Weil Sie eben nur das getan haben, was „nötig“ war. Ressourcenmanagement nennt man das. Und das ist auch eine Gabe.

Die Büro-Mama

Charakter: Bringt bei jeder Gelegenheit Kuchen mit. Merkt, wenn eine junge Kollegin Liebeskummer hat. Kümmert sich bei Firmenfesten in vorauseilendem Gehorsam um Buffet, Kaffee und Tischdekoration. Und in nachträglichem Gehorsam um den Abwasch. Ist die eigentliche Integrationsfigur im Job. Chronisch unterbezahlt, von Kollegen ausgenutzt – und er/sie weiß das auch. Hängt aber emotional so stark am Job und den Kollegen, dass er/sie niemals kündigen würde.
Bedienungsanleitung: Freuen Sie sich! Kuchen! Aber denken Sie daran, dass sich auch die Büro-Mama freut, wenn man ihr von Zeit zu Zeit einen Gefallen tut und sich einmal bedankt. Das kann auch ruhig einmal der Chef machen. Bei der Weihnachtsfeier beispielsweise.

Der Schleimer

Charakter: Anders als der Streber, der seinen Charakter über eigene Leistung definiert, besteht die größte Leistung des Schleimers darin, den Vorgesetzten bei jeder Gelegenheit Recht zu geben. Er erhofft sich Karrieresprünge durch das Nicht-Zeigen eigenen Rückgrats. Neigt dazu, mit der Arbeitsleistung anderer hausieren zu gehen. Auf viele Schleimer trifft das Sprichwort zu: Nach oben buckeln, nach unten treten.
Bedienungsanleitung: Seien Sie auf der Hut. Schleimer können durchaus gefährlich werden, da sie in der Regel auch skupellos sind. Grund zur Panik ist dennoch keiner gegeben. Denn einerseits merken Chefs schnell, wenn sie von Schleimern und Ja-Sagern belagert werden. Andererseits ist das Karriere-Ablaufdatum des Schleimers oft auch dasselbe wie das Pensionsdatum des Beschleimten – weil ihm der Rückhalt im Team fehlt.

Der Narzisst

Charakter: Er ist der Größte. Wenn er zwei Blätter kopiert, waren es seiner Darstellung nach genau die beiden Sheets, die das Betriebsergebnis verdoppelten. Jeder Arbeitsschritt wird kommentiert und mit großer Leidenschaft präsentiert. Anders als der Schleimer (=Blender), hat es der Gockel aber auch wirklich drauf. Und er weiß auch, dass er gut ist.
Bedienungsanleitung: Wenn es zu viel wird sprechen Sie den Gockel darauf an. Wenn Sie sein Gehabe aber lächelnd weckstecken können, nutzen Sie seinen Unterhaltungswert. Übrigens: Studien besagen, dass Narzissten in Teams die Kreativität fördern: Weil sie andere anspornen.

Der Suderer

Charakter: Mit sich selbst, dem Job und der Welt überhaupt aufs Gröbste überworfen. Nörgelt an allem herum, sieht keine Chance auf Besserung. Neue Projekte stoßen ihn ab, Verbesserungsvorschläge werden vorab mit „bringt eh alles nix“ quittiert. Leistet seinen Dienst nach Vorschrift ab, zehrt oft von jahr(zehnt)elangem Wissen und eigentlich großem Know-How, das er in hellen Momenten gerne auch einmal durchblitzen lässt. Das tut er, um zu zeigen: Es ist zwar alles Scheiße, was hier herinnen passiert – ohne mich wäret ihr aber aufgeschmissen.
Bedienungsanleitung: Suderer sind keine leichten Zeitgenossen. Man muss sie einfach aushalten. Denn wenn, dann wäre es Aufgabe der Führungsebene, zu erkunden, was den Kollegen so verhärmt hat. Auf gleicher Hierarchieebene bleibt einem nur übrig, den Kollegen zu ermutigen und aufzumuntern. Beispielsweise indem man ihm in Projekten Aufgaben zukommen lässt, die er hervorragend kann und ihn auch dafür etwas aufs Tableau hebt.

Der Unsichtbare

Charakter: Redet leise, fällt niemandem auf. Arbeitet genau, ist zuvorkommend, pflichtbewusst und höflich. Kennt man ihn näher, überrascht dieser Kollegentyp oft mit Unglaublichem aus dem Privatleben: Sänger in einer Rockband, Extremsportler oder Freizeit-Computergenie. Kann auch auf Weihnachtsfeiern der Bringer werden, wenn er nach zwei, drei Gläschen plötzlich zur Stimmungskanone mutiert
Bedienungsanleitung: Unkompliziert. Nur schwierig für Kollegen, die ständig Ansprache brauchen, aber vom stillen Unsichtbaren nichts zurückbekommen. Hat man einen Anknüpfungspunkt gefunden (gemeinsames Hobby etc.) kann dies als Aufhänger für Konversation genutzt werden. Das ist aber schon die einzige Chance.

Das Massenmedium

Charakter: CSI Schreibtisch. Tratschtante. Kollegen vom Typus „Massenmedium“ wissen schon heute, welche News über Kollegen es morgen zu verbreiten gibt. Hören „zufällig“ sämtliche Telefongespräche mit, sehen „zufällig“ jeden Zettel, der auf Kollegenschreibtischen liegt. Sind schnell im Schlüsse-Ziehen und haben keine Scheu, die eigenen Ermittlungsergebnisse auch „im Vertrauen“ weiterzuerzählen.
Bedienungsanleitung: Flurfunk-Sendestationen hat man besser zum Freund als zum Feind. Weiß man um die Spionagetätigkeit und die massenmedialen Anwandlungen des betreffenden Kollegen, sollte man stets auf der Hut sein: Heikle Privatgespräche per Handy eher auf der Terrasse führen, Konflikte mit anderen nicht im Recherchegebiet austragen. Und Vorsicht: Die dankbaren Info-Abnehmer des Büro-Mediums fungieren oftmals als Spitzel…

Der Pedant

Charakter: Kugelschreiber im rechten Winkel zur Schreibtischkante. Adrett und sauber gekleidet. Alle drei Wochen beim Friseur. Arbeitet alles in fixen Schemen und Zeitplänen ab. Kommt im Schreibtisch-Dschungel in zwei Unterarten vor: Dem „Choleriker-Pedanten“ und dem „Ich-weiß-ja-selbst-dass-ich-eine-Macke-habe-Pedanten“. Zweiterer ist bei weitem umgänglicher, oft extrem hilfsbereit. Ersterer füllt in vielen Fällen die Position des Senior-Chefs aus.
Bedienungsanleitung: Muss man mit ihm zusammenarbeiten, kritisiert man sein System besser nicht. Das ist für ihn nämlich das einzig funktionierende. Will man das Verhalten von „Choleriker-Pedanten“ ändern,  kann man ein Gespräch riskieren, sollte aber versuchen, ihn mit seinen eigenen Waffen zu schlagen: Arbeitserfolge und Sachargumente gegen cholerische Ausfälle im Gepäck haben!

Der Alleinunterhalter

Charakter: Immer gut drauf, nie um einen Scherz verlegen. Jede Menge Selbstironie, immer freundlich und kollegial. In vielen Fällen oft die männliche Form der Büro-Mama. Leidet oft ernsthaft an bürointernen Konflikten unter Kollegen. Neigt aber auch dazu, Probleme auszusitzen oder zu verdrängen. Läuft bei Firmenfeiern zu Hochtouren auf, weil er eine gewisse Erwartungshaltung seines Publikums voraussetzt. Und das kann mitunter nerven.
Bedienungsanleitung: Bedarf keiner Sonderbehandlung. Solange der Alleinunterhalter weiß, wann Pause ist und Kollegen nicht bei der Arbeit gestört werden. Beginnt er zu nerven und hat er einen allzu großen Selbstdarstellungstrieb, darf das auch ruhig einmal unter vier Augen thematisiert werden.

Der Dankbare

Charakter: Ist Tag für Tag froh, in die Arbeit gehen zu können. Freut sich darüber, dass er Tag für Tag eine Aufgabe hat, findet netten Kollegen-Plausch anregend bis spannend. Sieht die aktuellen Kollegen rasch als beste Freunde an und teilt ihnen auch schnell Privates mit. Teamplayer, bevorzugtes Rechercheobjekt von „CSI Schreibtisch“. Stürzt bei Jobverlust oder –wechsel tendenziell in ein tiefes Loch, da für diesen Kollegentypus dann auch ein Großteil der Sozialkontakte wegbricht.
Bedienungsanleitung: Stimmt die Sympathie zwischen Ihnen und der betreffenden Person – kein Problem. Will man keine „new best Friends“ auch außerhalb des Jobs, sollte im Büro auf ein freundliches, professionelles Verhältnis geachtet werden. Aufpassen: Spröde Zurückweisung wirkt auf solche Charaktere oft sehr verletzend.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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