Kinderbetreuung in den Ferien: Feuerprobe für Familien

von in Arbeitsleben am Montag, 23. Juni 2014 um 20:03

Es ist eine simple Rechnung. Ein durchschnittlicher Arbeitnehmer hat zu Beginn seines Arbeitslebens meist 25 Urlaubstage pro Jahr. Ein Schulkind hingegen hat gut 17 Wochen von 52 Wochen frei. Was bleibt, sind zwölf Wochen, in denen Familien vor der Frage stehen: Was tun mit dem Nachwuchs? Je jünger die Kinder, desto brisanter das Thema. Wie Österreichs Arbeitnehmer mit der jährlichen Feuerprobe namens Sommerferien umgehen, zeigt die aktuelle karriere.at-Umfrage.

„Ohne Großeltern ginge gar nichts“

Kinderbetreuung_Arbeitnehmer495 Arbeitnehmer nahmen an dem Online-Voting zum Thema Kinderbetreuung im Sommer teil. Das Ergebnis ist mehr als eindeutig. Der  Sommer stellt die Eltern unter den befragten Arbeitnehmern vor große Probleme. Die eindeutige Mehrheit berichtet von großem Planungsaufwand oder gab an, dass ohne die Großeltern gar nichts gehen würde. Lediglich sechs Prozent meinen, sich die Zeit gut einteilen zu können. Doch wie sehen das die Arbeitgeber? Werden die Probleme hier wahrgenommen? Jein, so das Umfrageergebnis. 23 Prozent der 162 befragten Arbeitgeber meinen auf die Frage: „Haben Eltern Vorrang bei Planungen?“, dass jeder die gleichen Chancen bei der Urlaubsplanung habe. In 35 Prozent der Unternehmen geschieht die Urlaubsplanung selbständig in den Teams. Von Fall zu Fall entscheiden 21 Prozent der Arbeitgeber. Ebenso viele meinen, „Eltern muss man unterstützen“.

„Alles, was Flexibilität gibt, kann helfen“

Kinderbetreuung_UnternehmenWie aber kann diese Unterstützung konkret aussehen? „Alles, was Mitarbeitern mit Betreuungspflichten zusätzliche Flexibilität gibt, kann helfen – vorausgesetzt, die Urlaubsplanung läuft insgesamt gerecht. Verzichtet beispielsweise ein Arbeitnehmer zugunsten eines anderen auf seinen Wunschurlaub, sollte dieser ein anderes Mal bevorzugt werden, um die Stimmung im Team nicht negativ zu beeinflussen“, kommentiert karriere.at-Geschäftsführer Jürgen Smid das Umfrageergebnis.

Best Practice-Beispiel Frequentis

Mit Angeboten zur flexiblen Arbeitseinteilung, was Zeiten aber auch den Arbeitsort betrifft, – Stichwort Homeoffice – können Arbeitgeber hier einiges beitragen und ihren Mitarbeitern nicht nur in Ferienzeiten zu mehr Work-Life Balance verhelfen.

Wie weit die Unterstützung von Arbeitgebern gehen kann, zeigt als Best Practice-Beispiel das Kinderbetreuungsprogramm der Frequentis AG. Der Anbieter von Kommunikations- und Informationssystemen hat ein multinationales Team. Da die meist größte Stütze bei der Kinderbetreuung, die Großeltern, oft nicht in der Nähe sind, ergibt sich von selbst. Um Betreuungsengpässe im Sommer abzufedern, wurde vor zwei Jahren das Programm „Frequenty“ für Kinder zwischen drei und zwölf Jahren ins Leben gerufen.

Unterhaltungsprogramm statt „Aufbewahrung“

Anne-Kathrin Lindner

Anne-Kathrin Lindner

Wie das österreichweit einzigartige Programm funktioniert, erklärt HR-Mitarbeiterin Anne-Kathrin Lindner. „Für bis zu zwei Wochen werden die Kinder der Mitarbeiter zu unserem Betreuungsprogramm eingeladen. Bis zu 50 Kinder können dieses pro Woche in Anspruch nehmen.“ Dafür werden zahlreiche Räume sowie der großzügige firmeneigene Garten kindgerecht adaptiert und umgebaut – Planschbecken sowie Zelte dürfen da nicht fehlen. „Frequenty“ ist jedoch nicht als reine „Aufbewahrung“ oder „Betreuung“ der Kinder zu sehen. „Es gibt jedes Jahr ein Motto, ein Programm und rund um dieses Thema ein tägliches Highlight, wie etwa Ausflüge oder Workshops – ein richtiges Unterhaltungsprogramm eben. Dabei soll jeweils ein sozial wichtiges Thema im Vordergrund stehen“, so Lindner. Heuer etwa ist das Schwerpunktthema, passend zum internationalen Konzern, Kunst, Kultur und Interkulturalität.

„Heuer stehen fünf Kinder auf der Warteliste“

Der Ablauf des Programmes ist einfach: Im Februar wird unter den Mitarbeitern eine Bedarfserhebung durchgeführt, weiters können Stimmen für einen Wunschtermin abgegeben werden. Heuer sind es die letzten beiden Juliwochen geworden. Die Plätze sind zwar knapp, reichen jedoch fast. „Heuer stehen fünf Kinder auf der Warteliste“. Begrenzt ist die Zahl der Teilnehmer lediglich durch die räumlichen Möglichkeiten, denn wenn das Wetter schlecht ist, müssen Kinder und Pädagogen nach innen ausweichen. Die Bring- und Abholzeiten für die Eltern sind zwischen 8.30 und 17 Uhr flexibel, der Selbstbehalt beträgt 95 Euro pro Woche. „Die restlichen Kosten übernimmt Frequentis, darin enthalten sind die Betreuung, alle Eintritte aber auch die Verpflegung.“

„Sind noch immer in der Adjustierungsphase“

Frequenty ProgrammDas Programm, so Lindner, ist ein voller Erfolg, „manche Kinder sind heuer schon zum dritten Mal in Folge angemeldet“. Frequenty wird daher auf jeden Fall weitergeführt – wie genau es im kommenden Jahr ablaufen wird, steht jedoch noch nicht fest. „Wir sind immer noch in der Adjustierungsphase“, erklärt die Organisatorin. Denn um die bestmögliche Betreuung zu bieten, wird jedes Jahr das Feedback der Eltern eingeholt. So soll erhoben werden, ob das Programm ausreichend oder vielleicht doch zu viel ist, ob die Kinder sich wohlfühlen, etc. Auch die Frage, ob das Höchstalter von derzeit zwölf Jahren gesenkt werden soll, steht im Raum, so Lindner. Neben der Entschärfung der Betreuungsengpässe in den Sommerferien sieht das Unternehmen einen weiteren Vorteil auch darin, dass die Kinder so einmal sehen, wo und wie ihre Eltern arbeiten. „Es ist wie eine Woche der offenen Tür.“

Zur Person: Anne-Kathrin Lindner

Anne-Kathrin Lindner ist HR Business Partnerin bei der Frequentis AG. Neben ihren Aufgaben im Recruiting und der Mitarbeiter- bzw. Führungskräfteberatung ist sie für die Organisation des Frequenty-Kinderbetreuungsprogramms 2014 verantwortlich.

Bildnachweis: hkeita /Quelle Shutterstock, Frequentis

 

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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