Gehalt 2014: Buchhaltung & Controlling – Experten sind stark gefragt

von in Gehalt am Montag, 13. Oktober 2014 um 10:26

Im Rahmen unserer Serie „Gehalt 2014“ analysiert Gehaltsexperte Conrad Pramböck Chancen und Potenziale verschiedener Branchen. Wie der Aufstieg vom Buchhalter zum kaufmännischen Geschäftsführer gelingen kann, verrät er heute. Diesmal dreht sich alles um Karrierechancen und Gehälter in Buchhaltung und Controlling.

„Gute Buchhalter können sich die Jobs in gewissem Rahmen aussuchen“

Wessen Leidenschaft den Zahlen gilt und wer sich für einen Beruf im Finanzwesen entschieden hat, darf sich über gute Zukunftsaussichten freuen. „Buchhalter und speziell Bilanzbuchhalter sind sehr gefragt. Einen guten Buchhalter braucht de facto jedes Unternehmen, und so viele – auch gute – gibt es nicht. Diese können sich die Jobs in gewissem Rahmen aussuchen. Auch die Gehälter sind hoch im Vergleich zu anderen Mitarbeitern ähnlicher Ausbildung“, sagt Gehaltsexperte Conrad Pramböck. Die Gehälter der Branche im Überblick:

Gehalt Buchhaltung Controlling

5 Fragen an den Gehaltsexperten

Wie ist Ihre Prognose für die Branche? Was sind die Chancen und Risiken?

Conrad Pramböck

Conrad Pramböck

Conrad Pramböck: Ein Risiko besteht in der Frage, wie die Konzerne mit der Buchhaltung in Zukunft umgehen, ob sie im Haus belassen oder ins Ausland verlagert wird. Noch ist nicht ganz klar, in welche Richtung sich das Thema entwickeln wird. Manche Konzerne haben begonnen, die Buchhaltung ins Ausland auszulagern, andere sind davon wieder abgekommen, weil es nicht so funktioniert, wie sie es sich vorgestellt haben: Sie holen die Buchhaltung wieder nach Österreich zurück. Meine Einschätzung ist: Für die Buchhaltung oder auch die Personalverrechnung als verwandten Bereich reicht es nicht aus, einen schnellen Kurs zu besuchen oder Arbeitssuchende umzuschulen.

„Bilanzbuchhalter sind international fast nicht zu ersetzen“

Um die Arbeit gut auszuüben, benötige ich eine ausgezeichnete Ausbildung und langjährige Berufserfahrung. Außerdem ändert sich in diesem Bereich auch sehr viel, insbesondere durch neue Steuergesetzgebung. Dadurch ist es fast nicht möglich, Personal in Indien rasch einzuschulen und die gleiche Qualität der Arbeit zu bekommen. Besonders Bilanzbuchhalter sind international fast nicht zu ersetzen, ganz im Gegensatz zu anderen Berufsgruppen wie z.B. Softwareentwicklern, die besonders mit dem Outsourcing ihrer Jobs in Billiglohnländer zu kämpfen haben.

Welche Rolle spielt der Bildungsgrad?

Conrad Pramböck: Buchhaltungskräfte sind teilweise Akademiker, vielfach aber auch nicht. Was hier spannend zu sehen ist: Bei den Buchhaltungskräften werden FH-Absolventen bevorzugt, weil sie eine praxisnähere Ausbildung haben. Bei Controllern ist es aus meiner Sicht ausgewogen, zwischen Uni- und FH-Absolventen.

Bilanzbuchhalterprüfung ist Karriereturbo

Welchen Einfluss hat die Weiterbildung auf die Gehälter?

BuchhaltungConrad Pramböck: Besonders wichtig ist für Buchhalter die laufende Weiterbildung. Hier gibt es eine ganz klare Differenzierung: Personen, die die Bilanzbuchhalterprüfung abgelegt haben und dem Rest. Diese Prüfung zu absolvieren, ist ein wirklicher Karriereturbo und macht sich auch finanziell bezahlt. Für Controller gilt das Erfordernis der laufenden Weiterbildung in eingeschränkterem Maße, aber auch hier ist sie wichtig. Entwicklungspotenzial gibt es für Buchhalter vor allem bei Englischkenntnissen. Gerade in internationalen Unternehmen reichen Maturakenntnisse bei weitem nicht aus. Einerseits geht es um die Fachbegriffe, mit denen die Mitarbeiter auf Englisch vertraut sein müssen, andererseits geht es um die generelle Kommunikation auf Englisch. Schließlich haben Buchhalter und Controller mit dem Headquarter oder ihrem internationalen Vorgesetzten zu tun, mit dem sie auf Englisch gut kommunizieren müssen. Von vielen Unternehmen wird bemängelt, dass Buchhalter hier noch ziemlich große Lücken haben.

„Beim Umgang mit Menschen gibt es noch Entwicklungspotential“

Der zweite Bereich, in dem sich viele Buchhalter noch verbessern sollten, ist die Kommunikation, insbesondere die Präsentation. Viele Buchhalter können mit Zahlen sehr gut umgehen, aber beim Umgang mit Menschen gibt es bei einigen noch Entwicklungspotenzial. Typischerweise geschieht Folgendes: Der Buchhalter liefert die Daten für das Controlling, der Controller macht seine Analysen, präsentiert seine Berichte dem Management, und das Management gratuliert dem Controller zu seiner Leistung. Vom Buchhalter ist im Führungskräftemeeting keine Rede, dabei ist der Controller auf die Zahlen aus der Buchhaltung angewiesen. Diese Rolle in Besprechungen des Managements könnten Buchhalter auch für sich beanspruchen, indem sie eine Zusatzausbildung im Controlling absolvieren. Sie kennen dann die Zahlen aus der Buchhaltung, können Analysen und Berichte selbst erstellen und dem Management präsentieren. Damit steht auch der Weg zum Leiter des Finanz- und Rechnungswesens oder sogar in die kaufmännische Geschäftsführung offen. Neben der Ausbildung ist der Aufstieg in der Hierarchie jedoch auch eine Frage der sozialen Fähigkeiten, bei der viele Buchhalter noch Verbesserungspotential haben.

„Buchhalter sind keine Jobhopper“

Wie schnell kann man in der Branche Karriere machen?

Karriere ControllingConrad Pramböck: Schnell ist hier eher „zielstrebig“, so mein Eindruck. Es ist sicher nicht so, dass ein Buchhalter wenige Jahre nach seiner Ausbildung zum kaufmännischen Geschäftsführung befördert wird. Die Entwicklung der Karriere ist stetig und sehr zielgerichtet. Eine besondere Bedeutung hat bei Buchhaltern das Thema Loyalität: Buchhalter sind keine Jobhopper. In anderen Jobs in dynamischen Branchen, wie etwa im IT-Verkauf, ist es üblich, dass Mitarbeiter in kürzeren Abständen die Stelle wechseln. Das ist bei Buchhaltern eher verdächtig, weil sich die zukünftigen Arbeitgeber die Frage stellen: „Der Mitarbeiter wechselt jedes Jahr nach der Fertigstellung der Bilanz die Firma, stimmt da vielleicht mit den Zahlen etwas nicht?“. Loyalität ist bei Buchhaltern also ganz deutlich ausgeprägt und wird von den Arbeitgebern geschätzt und unterstützt.

Karriereweg steht bis in die Geschäftsführung offen

Außerdem ist zu berücksichtigen, dass nur wenige Buchhalter oder Controller in andere Geschäftsbereiche, wie etwa den Vertrieb wechseln, weil diese Bereiche von der Persönlichkeit her ganz unterschiedliche Anforderungen haben. Das bedeutet, dass für Buchhalter und Controller eine Karriere innerhalb der Buchhaltung, des Rechnungswesens, des Controllings oder generell dem Finanzbereich schon relativ strikt vorgegeben ist. Die Frage ist nur, welche Fähigkeiten die Mitarbeiter während ihrer Beschäftigung entwickeln und wie weit sie es in ihrer Karriere nach oben bringen. Mit entsprechenden sozialen Fähigkeiten und laufender Weiterbildung, vor allem im Bereich Controlling, stehen Buchhaltern die Wege bis in die kaufmännische Geschäftsführung offen.

Abschließend: Haben Sie Tipps für mehr Gehalt in der Branche?

Conrad Pramböck: Gute, sorgfältige Arbeit zu leisten, ist extrem wichtig, um sich Vertrauen langjährig aufzubauen. Für Buchhalter spielt die Weiterbildung eine besondere Rolle, wobei sich diese zusätzlichen Kenntnisse anders als in vielen anderen Berufsgruppen auch in Form einer Gehaltsanpassung bezahlt machen. Das Schlüsselwort für ein höheres Gehalt im Bereich der Buchhaltung lautet daher ganz klar Weiterbildung.

Bisher in der Serie Gehalt 2014 erschienen:

“Mit 30 entscheidet sich, wer Karriere macht”

Development und IT – Das Geld fällt nicht (mehr) vom Himmel

Marketing – Liebäugeln mit dem Vertrieb zahlt sich aus

Personalmanagement – Wenn Insider ihr eigenes Gehalt verhandeln

Assistenz – Gläserne Decke bremst Gehaltssprünge

Techniker – Gute Chancen auf Karriere, wenn die Selbstvermarktung stimmt

Zur Person: Conrad Pramböck

Dr. Conrad Pramböck ist Experte für Gehalts- und Karrierefragen bei Pedersen & Partners. Er berät Unternehmen weltweit zum Thema Gehalt und ist Lektor an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen zu Gehalts- und Personalthemen. Er ist Autor des Buchs „Jobstars“ und Verfasser der wöchentlichen Kolumnen „Karrierewege“ und „Gehalt konkret“.

Bildnachweis: Lucky Business /Shutterstock; Macrovector /Shutterstock; Alliance /Shutterstock; Ollyy /Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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