Absageschreiben im Visier: Die Floskeln der Recruiter

von in Bewerbung, HR am Donnerstag, 20. März 2014 um 11:24

Ist ein Bewerbungsschreiben einmal draußen, geht meist das große Bangen los. Und egal wie dick die Haut ist – ein Absageschreiben tut immer weh. Zu bedenken gilt jedoch, dass auch hier der Ton die Musik macht. Oft frustriert die Art und Weise, wie abgesagt wird, am meisten. Sabine Hödl vom Wordingspezialist wortwelt hat 100 Absagebriefe hinsichtlich Floskeln & Co. analysiert. Hier die Ergebnisse:

Die häufigsten Floskeln aus 100 Absageschreiben

Floskel-Eldorado„Vielen Dank für Ihre Bewerbung und Ihr Interesse an unserem Unternehmen.“ Sätze wie diese findet man sehr häufig in heimischen Absageschreiben, weiß Studienautorin Sabine Hödl. Sie hat 100 Absagebriefe von heimischen Unternehmen analysiert. Alle wurden im vergangenen Jahr abgeschickt. Gemeinsam haben sie – leider – noch viel mehr als das Jahr des Versandes: den Inhalt. Wie das nebenstehende Ranking zeigt, ist die Liste der häufigsten Formulierungen in den Absagebriefen keine recht lange. 74 Prozent etwa greifen auf den eingangs erwähnten Dank für das Interesse am Unternehmen zurück. Fast die Hälfte der Unternehmen setzt auf: „Wir bedauern Ihnen mitteilen zu müssen, …“

„Absage prägt sich bei Jobsuchenden ein“

Sabine Hödl

Sabine Hödl

Dass viele Unternehmen bei Absageschreiben nicht auf die einzelnen Bewerber eingehen, findet Hödl mehr als schade – und zwar aus mehreren, nicht zu unterschätzenden Gründen. „Im persönlichen Schreiben merken Menschen, ob publizierte Werte gelebt werden oder nicht. Das Arbeitgeberversprechen steht also gleich am Prüfstand, denn oft kommen auf eine Zusage zehn, zwanzig oder gar hundert Absagen. Die Art und Weise, wie das „Nein, danke“ formuliert ist, prägt sich bei Jobsuchenden ein“, so Hödl.

Persönliche Enttäuschung vs. Wut auf einen Arbeitgeber

Neben der Enttäuschung empfinden viele Bewerber auch Ratlosigkeit oder Ärger, wenn sie mit einfachen Floskeln abgespeist werden. Viele scheuen dann auch nicht davor zurück, noch einmal nachzufragen, weshalb es denn nicht geklappt hat. Und das ist auch verständlich. „Wenn man überlegt, wie viel Arbeit Bewerber in ihre Unterlagen und Recherchen stecken, ist die Art von Antworten enttäuschend“, so die Beraterin von wortwelt. „Nur zwei der 100 analysierten Absagebriefe waren wirklich anders. Einer davon ist aber erst zwei Monate nach dem Bewerbungsgespräch gekommen. Da hilft dann auch der beste Text nichts mehr.“

Jede Kommunikation prägt

Kommunikation mit dem BewerberDie Studienautorin ortet auf diesem Gebiet enormen Nachholbedarf bzw. ein Umdenken bei den Firmen: „Unternehmen investieren viel Geld in Employer Branding Kampagnen, Personalberater und Karriereseiten. Ein gut getextetes Absageschreiben kostet im Verhältnis dazu viel weniger, erhöht allerdings die Glaubwürdigkeit gegenüber Bewerbern“, erklärt Hödl. Für Unternehmen gilt zu bedenken, dass jede Kommunikation nach Außen das Bild des Arbeitgebers prägt. Zudem können die Bewerber von heute die Mitarbeiter oder Kunden von morgen sein.

5 Tipps für bessere Absageschreiben

Hier einige Tipps der HR-Expertin für Absageschreiben:

  • Überlegen Sie, wie Sie Ihre Markenwerte in die HR-Korrespondenz bringen.
  • Schreiben Sie menschlich, es geht um etwas Persönliches.
  • Vermeiden Sie bürokratische Wörter wie beispielsweise „Evidenz“.
  • Schreiben Sie so, wie Sie am Telefon sprechen.
  • Lassen Sie 08/15-Sätze weg.

 

Bildnachweis: karriere.at, wortwelt, Evgeniya Porechenskaya /Quelle Shutterstock, Aaron Amat /Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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