Das The­ma Mob­bing am Arbeits­platz“ ist zwar in den ver­gan­ge­nen Jah­ren immer stär­ker in den Fokus von Arbeit­ge­bern und Arbeit­neh­mern gerückt. Doch tun sich bei­de Sei­ten immer noch schwer, etwas dage­gen zu unter­neh­men, weil bis dato noch wenig Auf­klä­rung erfolgt ist. Wel­che recht­li­chen Mög­lich­kei­ten Arbeit­neh­mer haben, wenn sie in die Schuss­li­nie von Kol­le­gen oder gar dem Chef gera­ten, könnt ihr hier nachlesen.

Die Definition von „Mobbing“

Das Phä­no­men Mob­bing am Arbeits­platz wird von der Wirt­schafts­kam­mer Öster­reich fol­gen­der­ma­ßen defi­niert: Mob­bing ist ein Ver­hal­ten unter Arbeit­neh­mern, das dar­auf abzielt, eine Per­son zu ver­let­zen, ein­zu­schüch­tern, zu ent­mu­ti­gen, aus­zu­gren­zen oder aus dem Arbeits­ver­hält­nis zu drän­gen. Mob­bing kann auch von Vor­ge­setz­ten aus­ge­hen oder sich gegen sol­che richten.“

Die psy­chi­schen und phy­si­schen Spu­ren, die Mob­bing bei Betrof­fe­nen hin­ter­lässt, sind oft so gra­vie­rend, dass sie irrepa­ra­bel sind. Die dazu­kom­men­de sozia­le Iso­la­ti­on am Arbeits­platz belas­tet zuneh­mend. Mög­li­che Fol­gen sind beispielsweise:

  • Konzentrationsprobleme

  • Kopfschmerzen

  • Angstzustände

  • Schlafstörungen

  • Depressionen

Je län­ger das Mob­bing nicht unter­bun­den wird, des­to schwer­wie­gen­der die Aus­wir­kun­gen. Eine reprä­sen­ta­ti­ve Stu­die von Viking hat erho­ben, dass 67 % der Öster­rei­cher bereits mit Mob­bing am Arbeits­platz in Berüh­rung gekom­men sind.

Ab wann besteht Handlungsbedarf?

Die Tole­ranz­gren­ze ist bei jedem Men­schen unter­schied­lich hoch ange­setzt. Wäh­rend man­che über meh­re­re Jah­re hin­weg die Zäh­ne zusam­men­bei­ßen, kni­cken ande­re schon nach weni­gen Mona­ten ein. Sinkt das Selbst­ver­trau­en und hat man das Gefühl, die Kon­flikt­si­tua­ti­on allei­ne nicht mehr bewäl­ti­gen zu kön­nen, soll­te man schnellst­mög­lich die Hil­fe von Drit­ten in Anspruch nehmen.

Welche Möglichkeiten habe ich, um mich zu wehren?

Wird man als Arbeit­neh­mer zur Ziel­schei­be von Kol­le­gen, soll­te man sich zu aller­erst an den Betriebs­rat wen­den oder Kon­takt zu Mob­bing­be­ra­tungs­stel­len auf­neh­men, bei­spiels­wei­se bei der Arbei­ter­kam­mer. Mob­bing zählt gesetz­lich übri­gens nur dann als sol­ches, wenn die Atta­cken über einen län­ge­ren Zeit­raum hin­weg andau­ern. Die Arbei­ter­kam­mer empfhiehlt daher, ein Mob­bing-Tage­buch zu füh­ren – so hat man schrift­li­che Bewei­se gegen die Schi­ka­nen in der Hand und kann nach­wei­sen, dass sys­te­ma­tisch und anhal­tend gemobbt wur­de. Das erleich­tert auch die spä­te­re, objek­ti­ve Beur­tei­lung dar­über, was tat­säch­lich gesche­hen ist. Wei­ter unten fin­dest du eine Anlei­tung mit Tipps zum Füh­ren eines Mob­bing-Tage­buchs sowie ein For­mu­lar zum Mob­bing-Check zum Download.

Oft las­sen sich Kon­flik­te die­ser Art nur dann lösen, wenn der Arbeit­ge­ber am sel­ben Strang zieht. Dazu ist er auch gesetz­lich ver­pflich­tet, ansons­ten dro­hen ihm wegen Ver­let­zung der Für­sor­ge­pflicht Scha­dens­er­satz­an­sprü­che. Außer­dem kann der Arbeit­neh­mer vor­zei­tig aus dem Unter­neh­men aus­tre­ten, sofern er sich mit den Mob­bing-Vor­wür­fen an den Arbeit­ge­ber gewandt hat und die­ser untä­tig blieb. Der Anspruch auf Abfer­ti­gung alt und Urlaubs­er­satz­leis­tung bleibt auf­recht, zudem besteht Anspruch auf Kündigungsentschädigung.

Arbeitsrecht und Strafen: Wie wird gegen Mobbing vorgegangen?

Wird der Arbeit­ge­ber durch einen Arbeit­neh­mer auf Schi­ka­nen auf­merk­sam gemacht, die von Arbeits­kol­le­gen aus­ge­hen, muss er im Rah­men der ihn tref­fen­den Für­sor­ge­pflicht unver­züg­lich in ange­mes­se­ner Art Abhil­fe schaf­fen. Die Wahl der Mit­tel steht ihm hier­zu frei – es geht zunächst dar­um, das Mob­bing wirk­sam zu unter­bin­den.

Zu aller­erst müs­sen die Vor­wür­fe natür­lich über­prüft wer­den. Das bedeu­tet, dass der Arbeit­ge­ber das Gespräch mit den betrof­fe­nen Per­so­nen suchen soll­te. Der bzw. die Mob­ber müs­sen allen­falls gemahnt wer­den. Auch eine Ver­set­zung die­ser Mit­ar­bei­ter ist mög­lich und wenn nichts ande­res mehr greift, steht es dem Arbeit­ge­ber auch frei, die Mob­ber zu kündigen!

Für den Fall, dass der Arbeit­ge­ber nicht auf die Pro­ble­me reagiert, die Gesprä­che mit den Mob­bern der Tor­tur kein Ende set­zen oder der Arbeit­ge­ber gar nur halb­her­zi­ge oder gar kei­ne Abhil­fe schafft, wird er gegen­über dem gemobb­ten Arbeit­neh­mer scha­dens­er­satz­pflich­tig:

  • Schmerzensgeld für das zugefügte Leid (immaterieller Schadensersatz)

  • Übernahme von Vermögensschäden (zum Beispiel Selbstbehalte bei Kosten für Ärzte und Medikamente)

Geht das Mob­bing vom Arbeit­ge­ber selbst aus, gibt es eben­falls meh­re­re Stra­te­gien, um dage­gen vor­zu­ge­hen. Zum einen kann man Hil­fe bei Kol­le­gen suchen, sie auf die Situa­ti­on hin­wei­sen und ihren Rat und ihre Unter­stüt­zung ein­ho­len. Wer den Mut auf­bringt, kann zunächst direkt das Gespräch mit der Füh­rungs­kraft suchen um her­aus­zu­fin­den, wes­halb der Kon­flikt über­haupt erst ent­ste­hen konn­te. Doch auch ein Gang zum Betriebs­rat oder ein Anruf bei der Arbei­ter­kam­mer sind gute Mög­lich­kei­ten, um Schi­ka­nen, die vom Arbeit­ge­ber aus­ge­hen, ein Ende zu set­zen. Auch hier wird er scha­dens­er­satz­pflich­tig.

Ein dezi­dier­tes Gesetz zum The­ma Mob­bing am Arbeits­platz exis­tiert bis dato noch nicht. Der Schutz vor Mob­bing ergibt sich daher aus der Für­sor­ge­pflicht des Arbeitgebers.

Mobbing gleicht Körperverletzung

Eben­falls inter­es­sant: 2013 bestä­tig­te der Öster­rei­chi­sche Obers­te Gerichts­hof (OGH) erst­mals das Urteil eines Lan­des­ge­richts, wonach Mob­bing als Kör­per­ver­let­zung zu wer­ten sei. Fol­ge: Einer Arbeit­neh­me­rin wur­den 5.900 Euro an Schmer­zens­geld zuge­spro­chen. Die Urteils­be­grün­dung: Der Arbeit­ge­ber habe nicht nur sei­ne Für­sor­ge­pflicht ver­letzt. Sein Ver­hal­ten kom­me sogar einer Nöti­gung im straft­recht­li­chen Sin­ne sehr nahe.“

Vorsorgearbeit leisten und Bewusstsein schaffen

Hin­sicht­lich Prä­ven­ti­on ist es wich­tig, Infor­ma­tio­nen über Mob­bing bereit­zu­stel­len und gene­rell über das The­ma auf­zu­klä­ren. Da Mob­bing-Atta­cken oft nicht von einer ein­zi­gen Per­son aus­ge­führt wer­den, son­dern eine Art Grup­pen­dy­na­mik ent­steht, liegt es an jedem Ein­zel­nen, Mob­ber in die Schran­ken zu wei­sen und den betrof­fe­nen Kol­le­gen see­lisch zu unter­stüt­zen. Soli­da­ri­tät ist hier das A und O.

Mobbing in Firmen
Fakten zu Mobbing in österreichischen Firmen. — 
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