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In aller Freundschaft: Warum Unparteilichkeit bei Konflikten sogar schaden kann

Zusammenarbeit Erstellt am: 03. November 2017 2 Min.

Wer befreundet ist, der geht miteinander durch dick und dünn. Von Freunden erwartet man deshalb auch in Konfliktsituationen, dass sie unterstützend zur Seite stehen. Und wenn sie sich völlig neutral verhalten? Scheint eine gute Idee zu sein, aber Vorsicht: Der Schuss kann nach hinten losgehen.

In der Kaffeepause gehen die Wogen hoch, zwei Kollegen liegen sich in den Haaren. Bevor du dich aus dem Staub machen kannst, fordert ein befreundeter Kollege von dir Unterstützung ein: "Sag du doch auch mal was! Du denkst doch genauso!" Dich unparteiisch zu verhalten erscheint dir in dieser Situation als beste Lösung: Wenn du für niemanden Partei ergreifst, bist du fein aus dem Schneider - oder? Weit gefehlt. Warum dich deine Neutralität Pluspunkte bei Freunden kosten kann, haben Forscher untersucht. Von einer Studie dazu berichtet die Plattform Forschung erleben der Uni Mannheim.

"Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich." Dieses Zitat aus der Bibel greift auch Schiller in seiner Wallenstein-Trologie auf. Der Leitsatz besitzt auch für moderne Bündnisse und Freundschaften nach wie vor Gültigkeit. Er beruht auf der Annahme, dass sich loyale Mitmenschen auch auf unsere Seite stellen. Ganz klar: Wer sich auf die Seite des Gegners schlägt, handelt illoyal. Allerdings kann auch Unparteilichkeit als "feindlicher" Akt gewertet werden. Selbst dann, wenn das Enthalten der Stimme ein Versuch ist, die positive Beziehung zu allen Beteiligten aufrecht zu erhalten.

Unparteilichkeit als Stimme für den Gegner? #

Wird Unparteilichkeit wirklich als negatives Verhalten gewertet und hat sie Einfluss auf Freundschaften? Eine Forschungsgruppe hat untersucht, ob freundschaftliche Bündnisse unter vermeintlichem Loyalitätverlust leiden oder ob unparteiisches Verhalten neutral bewertet wird. Getestet wurde die Annahme in mehreren Experimenten. Die Teilnehmenden sollten sich vorstellen, sich in einem Konfliktgespräch zu befinden. Anwesend ist auch eine befreundete Person. Variiert wurde, wie sich der Freund während des Streits verhält: Er stellt sich entweder auf die Seite seines streitenden Freundes, bleibt unparteiisch oder bezieht Stellung für die Gegenseite. Die Teilnehmer sollten danach bewerten, wie sich das Verhalten ihres Freundes auf die Freunschaft auswirken würde. Das Ergebnis überrascht nur wenig: Stellt sich eine Person auf die Seite ihres streitenden Freundes, hat das positive Auswirkung auf die empfundene Nähe und die Freundschaft. Ergreift sie Partei für die gegnerische Seite, wird das als negativ empfunden - die Freundschaft leidet darunter.

Sich aus dem Streit herauszuhalten, das macht die Situation aber nicht besser: Unparteiisches Verhalten wirkt sich ungefähr ähnlich negativ auf die zwischenmenschliche Beziehung aus, als hätte man Partei für die Gegenseite ergriffen. Einfluss darauf hat allerdings die Art der Beziehung, die zwei Personen miteinander haben: Negative Auswirkungen hat Unparteilichkeit nämlich dann, wenn es Personen aus dem Freundeskreis betrifft. Einer reine Bekanntschaft scheint neutrales Verhalten bei Konfliktsituationen wenig anzuhaben.


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