12. November 2018 · Arbeitsleben · von

karriere.talk #5: Wie wir uns auch im Arbeitsalltag unsere Gesundheit bewahren können

Gesundheit ist das wertvollste Gut – dieses Credo wird uns bereits im Kindesalter eingeprägt. Deswegen versuchen wir auch, auf unsere Ernährung zu achten, uns ausreichend zu bewegen und genug Zeit für Ruhephasen einzuplanen. Doch häufig scheitern wir am eigenen Job und dem Stress, den er in uns auslöst. In einer Gesellschaft, in der nur Leistung zählt, wird es zunehmend schwierig, eine gesunde Balance zu finden und psychischer Gesundheit den Stellenwert einzuräumen, der ihr zusteht. Bei unserem karriere.talk #5 diskutierten wir am 8. November im Linzer Central gemeinsam mit vier Speakern über das Thema „Gesund bleiben im Job“ und mögliche Lösungsansätze.

Von Symptomen, Krankheiten und gesellschaftlichen Tabus

Chronischer Stress, Überarbeitung und Lustlosigkeit im Arbeitsalltag – für viele Arbeitnehmer beschreiben diese Worte ihre tägliche Realität. Häufig wird allerdings das Schweigetuch über psychische Krankheiten wie Burn Out oder Depression ausgebreitet, denn beides ist in unserer Gesellschaft immer noch tabubehaftet. Wer an seine Grenzen stößt und nicht mehr kann, schämt sich dafür, denn mittlerweile empfinden viele es als „Pflicht“, einen vollen Terminkalender zu haben und gleichzeitig zehn verschiedene Aufgaben auf einmal zu jonglieren.

Die Symptome unterlaufen unseren Alltag oft schleichend und unbemerkt. Schlaflose Nächte durch ein rasendes Gedankenkarussell und chronische Müdigkeit setzen ein und Sport versorgt nicht mehr mit Energie, sondern erschöpft zusätzlich. Und der Job, der einen zu Beginn erfüllt hat, löst nur noch ein flaues Gefühl im Magen aus. Eine solide Basis für schlechte Laune und Gereiztheit! Doch Stress kann sich auch in unscheinbaren Formen anmelden, beispielsweise durch Übelkeit, Magenschmerzen und Verspannungen. Kritisch wird es, wenn es zu Panikattacken kommt, denn diese beeinträchtigen den Betroffenen erheblich in seinem Alltag.

Vier Speaker, vier Blickwinkel

Als Speaker durften wir beim karriere.talk #5 vier interessante Menschen begrüßen, die aus jeweils ganz unterschiedlichen Bereichen stammen.

  • Michael Goth, Neuropsychologe und Gründer der MindMotion OG, hat es sich zum Ziel gesetzt, die kognitive Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Menschen aufrechtzuerhalten und zu verbessern. Gesundheit im Job ist da natürlich ein wesentliches Thema.
  • Klara Fuchs ist Bloggerin und Mentaltrainerin, studiert Sportwissenschaften und macht Triathlon – also ganz schön viel. Wie man dabei nicht die Balance aus den Augen verliert und sich bewusst Zeit für sich selbst mit, teilt sie mittlerweile mit vielen Menschen.
  • Eva Freiberger arbeitet als Web Project Manager bei karriere.at und verfolgt gleichzeitig eine professionelle Volleyball-Karriere. Von Stress aber keine Spur, denn Eva liebt beides und das zu 110 Prozent.
  • Klaus Hochreiter ist Geschäftsführer bei der Online Marketing Agentur eMagnetix und hat für reichlich Furore gesorgt, als sein Unternehmen als erstes in Österreich die 30-Stunden-Woche bei vollem Gehalt einführte. Man soll schließlich nicht nur arbeiten, sondern auch leben!

Diese vier haben auch reichlich Wissen mitgebracht, das uns auch Tage später noch einiges an Gesprächsstoff liefert:

„Stress an sich ist nicht das Problem, sondern dass er chronisch wird!“

Das weiß Michael Goth nur allzu gut, denn in seinem Berufsalltag als Neuropsychologe kommt er immer wieder mit dem Thema in Berührung. Den Stress selbst sieht Michael Goth also nicht als Quelle allen Übels. Problematisch wird es erst dann, wenn die Reizschwelle dauerhaft überschritten wird und der akute Stress zum chronischen wird. Dann treten nämlich erste Krankheitsanzeichen auf, die durchaus gefährlich werden können, wenn man nicht früh genug einschreitet und gegenlenkt.

Der Neuropsychologe hat am eigenen Leib erfahren wie auslaugend es tatsächlich ist, 40 Stunden und mehr pro Woche zu arbeiten und dadurch weniger Zeit für andere Aktivitäten übrig zu haben. Mittlerweile hat er sein Arbeitspensum auf 30 Stunden hinuntergeschraubt und festgestellt, dass sich seine Produktivität dadurch maßgeblich gesteigert hat.

Wissenschaftliche Studien an Tieren, die schon vor einiger Zeit gemacht wurden, haben übrigens auch gezeigt, dass sich diese ebenfalls an einem 30-Stunden-Modell orientieren. Da wir Tieren nicht ganz so unähnlich sind und auch beim Menschen nachgewiesen wurde, dass die 30-Stunden-Woche durchaus gesundheitsfördernd wirkt, kann man sagen, dass diese Zeiteinteilung sozusagen biologisch in uns verankert ist.

Plädoyer: Unsere Gesundheit ist essenziell und wenn wir sie einmal zunichtemachen, ist es schwierig, sich wieder gänzlich zu erholen. Probiere deswegen schon im Anfangsstadium einer Erschöpfung aktiv neue Dinge aus, um dich selbst zu entlasten und früh genug zu intervenieren.

„So etwas wie ‚Chill einfach mal’ gab es bei mir nicht!“

Klara Fuchs ist schon einige Jahre selbstständig und musste sich letztendlich eingestehen, dass das nicht nur positive Seiten hat. Da das Wachstum ihres Blogs und ihrer „Marke“ immer noch an ihren Arbeitseinsatz gekoppelt ist, fiel es ihr lange schwer, aufgrund fehlender Zeitvorgaben ein gesundes Arbeitspensum festzulegen. Umso schwieriger wird es, wenn der eigene Job so viel Spaß macht, dass man am liebsten gar nicht mehr damit aufhören würde.

Ab 6:00 Uhr früh vor dem Laptop? Normalität! Hinzu kam ein beachtliches Sportprogramm, zum Beispiel das Triathlontraining, das zusätzlich belastete. Ein klassisches Wochenende, an dem man einfach mal die Füße hochlegt und vor dem Fernseher lungert, gab es für Klara Fuchs nicht. Dass bei einem so straffen Programm irgendwann eine Grenze erreicht ist, ist selbstverständlich. Und eben dieses Gefühl, vollkommen ausgebrannt zu sein, bewegte die Mentaltrainerin zu ihrem Umschwung.

Mittlerweile hat sie eine gesunde Balance gefunden und gelernt, Arbeit an andere Menschen abzugeben, wenn sie diese nicht unbedingt selbst erledigen muss. Ebenso hilfreich war es, ihre Arbeit von ihrem Zuhause in einen Co-Working-Space auszulagern und somit einen klaren Schnitt zwischen Privat und Job zu schaffen. Verdiente Pausen werden im Kalender eingetragen – und auch in vollen Zügen genossen!

Plädoyer: Habe den Mut, „Nein“ zu sagen – zu Überstunden, Social Media oder auch zum nächsten Projekt. Reduziere Ablenkungen und schaffe Zeit für Dinge, die für dich wesentlich sind!

„Ich muss leisten – und zwar 150 Prozent – um etwas wert zu sein!“

Dieser Gedanke beherrschte Eva Freiberger während ihres vorherigen Jobs und resultierte darin, dass sie 70 Stunden und mehr pro Woche arbeitete. Mittlerweile hat sie zwei Jobs, gibt zwei Mal Vollgas und das bei null Prozent Stress! Bei karriere.at blüht sie in ihrem Job auf, indem sie tüftelt und optimiert. Den nötigen Ausgleich bietet ihr zweiter Job – denn Eva Freiberger ist gleichzeitig professionelle Beachvolleyballspielerin und haut dort auch auf internationaler Bühne ordentlich auf den Putz.

Während im Winter ohnedies Off-Season fürs Volleyball ist, hat sie im Sommer die Möglichkeit, auf 30 Stunden zu reduzieren und dadurch beides optimal zu vereinen. Volleyball, das ist für sie wie Urlaub. Und wer das liebt, was er tut, bei dem hat Stress einen harten Gegner!

Mittlerweile kann sie also wesentlich gelassener auf ihr Arbeitsleben blicken. Eva Freiberger ist der Meinung, dass man sich selbst in die Verantwortung nehmen und schauen muss, ob das, was man tut, einen tatsächlich erfüllt. Oder ob man einfach nur einem (gesellschaftlichen) Zwang nachkommt.

Plädoyer: Schau auf dich selbst und hinterfrage deine Gesundheit und vor allem deine eigene Arbeitsmentalität. Nimm dir auch bewusst Zeit, um den Fuß vom Gaspedal zu nehmen und Prioritäten zu setzen. Frage dich, wie viel du wirklich schaffen willst!

„Der Mensch ist heutzutage oft nicht mehr als eine Ressource.“

„Die Jungen wollen nicht mehr arbeiten, nichts mehr leisten!“, hört man in der heutigen Zeit immer häufiger vonseiten der älteren Generation. Diese definiert sich bis heute rein über die erbrachte Arbeitsleistung, die auch untrennbar mit Arbeitszeit verbunden ist. Eine 30-Stunde-Woche bei vollem Gehalt? Was für ein Schwachsinn, würden viele da sagen.

Doch diese Auffassung widerstrebt Klaus Hochreiter zutiefst. Junge Menschen wollen arbeiten, ist er überzeugt, doch sie wollen auch leben! Aus diesem Grund möchte der Geschäftsführer von eMagnetix den Menschen zurück in den Fokus rücken und dessen Wunsch nach einer ausgewogenen Work-Life-Balance nachkommen.

Ein Unternehmen, das sich zufriedene und vor allem gesunde Mitarbeiter wünscht, muss etwas bieten, um langfristig etwas zurückzubekommen. Aus diesem Grund hat sich Klaus Hochreiter auch für die 30-Stunden-Woche entschieden. Er hat die Erfahrung gemacht, dass seine Mitarbeiter ausgeglichener und leistungsfähiger sind. Auch privat bleibt ihnen nun mehr Zeit: für die Kinder, den Partner oder einen Einkauf, bei dem nicht nur Ungesundes im Einkaufswagen landet. Und da man frühestens um 14 Uhr das Büro verlassen kann, erhascht man selbst im Winter noch einige wertvolle Sonnenstrahlen!

Eine wichtige Erkenntnis: Smartphones sind unglaubliche Zeitfresser! Werden wir davon abgelenkt, benötigen wir bis zu 15 Minuten, um wieder in den Work Flow hinein zu finden. Aus diesem Grund muss das Handy bei eMagnetix von Arbeitsanfang bis –ende in der Schublade warten.

Plädoyer: Distanziere dich von der always-on-Mentalität! Leg dein Smartphone zur Abwechslung bewusst zur Seite oder schalte es gänzlich ab! Nicht ständig erreichbar zu sein, kann ein wahres Geschenk sein.

Ausgleich zum Alltag schaffen – Was macht ihr zu diesem Zweck?

Eine spannende und durchaus berechtigte Frage: Wie distanziert man sich vom Alltag und wie können Ruhephasen aussehen? Unsere Speaker gaben folgende Antworten, die durchaus zum Nachdenken anregen:

Michael Goth: „Hier muss jeder seinen eigenen Weg finden. Wer den ganzen Tag vor dem Computer sitzt, dem tut als Ausgleich viel Bewegung gut. Denn hierbei wird das Gehirn angeregt und Stress abgebaut, belastende Gedanken verschwinden wie von alleine. Bei anstrengenden Berufen sind Atemübungen und Meditation gute Möglichkeiten, um abzuschalten.“

Klara Fuchs: „Sport ist spitze, vor allem draußen an der frischen Luft. Laufen ist mir allerdings zu monoton, da kommen meine Gedanken nicht nur Ruhe. Eine Tätigkeit, die viel Konzentration erfordert – wie Boxen oder eben Volleyball – ist da besser geeignet. Auch bewusstes und richtiges Atmen wirkt Wunder, also nicht nur flach, sondern bis runter in den Bauch!“

Eva Freiberger: „Mir hilft es, bereits früh am Morgen zu trainieren. Da geht man dann wesentlich motivierter in die Arbeit. Wer sich im Alleingang nicht aufraffen kann, sollte sich mit anderen zusammentun und gemeinsam Sport machen. Das erleichtert die Überwindung unheimlich!“

Klaus Hochreiter: „Ich organisiere meine gesamte Woche bereits im Vorhinein auf Outlook. Dadurch habe ich alles im Blickfeld und weiß, was zu tun ist. Ich färbe mir meine Termine außerdem grün, das schaut freundlicher aus. Ich achte auch darauf, dass mein Posteingang immer leer ist – ich bearbeite nicht alles sofort, aber weise die Mails spezifischen Ordnern zu und schaffe es so, dass am Ende des Tages alle E-Mails weg sind.“

 

„Gesund bleiben im Job“ zum Nachschauen

Wer lieber nochmal alles in Ruhe anschauen möchte, kann hier den karriere.talk #5 Livestream in voller Länge nachschauen oder in der Galerie stöbern:

Bildnachweis: Lukas Preisinger

Bianca Schedlberger

Biancas Traumjob seit Kindertagen? Schriftstellerin, irgendwann. Bis dahin wird für karriere.at fleißig getextet, unter anderem auch Blogposts.

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