Vom Handy bis zur Yogastunde: Zusatzleistungen stehen hoch im Kurs

von in Arbeitsleben am Montag, 18. August 2014 um 20:19

Zusatzleistungen wie kostenlose Mittagsverpflegung oder Dienstwagen zur Privatnutzung werden von Arbeitnehmern hoch geschätzt. Laut einer aktuellen Online-Umfrage von karriere.at legt nur jeder Vierte der Befragten gar keinen Wert auf Sachleistungen. Neun von zehn Unternehmen haben bereits erkannt, wie wichtig Benefits im Kampf um die besten Mitarbeiter sind.

Handy und Firmenwagen sind am beliebtesten

Zusatzleistungen Mitarbeiter

An der karriere.at-Online-Umfrage zum Thema Benefits & Co. beteiligten sich auf Arbeitnehmerseite 547 User. 44 Prozent freuen sich über Dinge, die ihre persönliche Infrastruktur verbessern: Laptop, Handy und Firmenwagen „ziehen“ am meisten. Die Kantine und eine gut gefüllte Süßigkeitenlade stehen bei knapp einem Viertel hoch im Kurs. Fitnessangebote sprechen nur sieben Prozent der Befragten an. Jeder Vierte legt auf solche Benefits überhaupt keinen Wert und meint: „Nur Bares ist Wahres“.

Benefit oder Selbstverständlichkeit?

Christian Müller

Christian Müller

Die Grenze zwischen lässiger Zusatzleistung und Infrastruktur, die man für die Arbeit ohnehin benötigt, kann aber auch verschwimmen, erklärt Karrierecoach Christian Müller: „Bei Handy, Laptop und Firmenwagen muss man sich ansehen, wie sie genutzt werden dürfen und wofür sie da sind. Habe ich in der Firma einen Laptop, den ich in Meetings mitnehme, dann ist das ganz klar ein Arbeitsgerät, das dazugehört. Ermöglicht mir der Arbeitgeber damit aber, auch von einem anderen Standort aus zu arbeiten, dann ist das durchaus ein Benefit, weil es mir flexibles Arbeiten ermöglicht.“

Zusatzleistungen werden zur Selbstverständlichkeit

Smartphone KaffeeÄhnlich verhält es sich mit Handy und Dienstwagen: „Wenn ich ständig erreichbar sein muss, dann wird ein Smartphone mehr zum Problem als zum Benefit. Kann ich es zu einer bestimmten Zeit abschalten und Privates von Geschäftlichem trennen, dann ist es sicher ein Vorteil. Auch ein Firmenwagen, den man privat kostengünstig nutzen darf, ist klar ein Benefit.“ Was Zusatzleistungen betrifft, sind Arbeitnehmer über die Jahre durchaus anspruchsvoller geworden. „Dinge wie flexible Arbeitszeiten sind in manchen Branchen schon Standard. Es wird als Gegebenheit vorausgesetzt und wenn es das nicht gibt, fällt es negativ auf“, so Müller. Gratis Kaffee und Mineralwasser gehören in vielen Unternehmen längst zum Inventar in der Teeküche.

Kampf um die besten Talente

Benefits UnternehmensvertreterDie Bedeutung von zusätzlichen Leistungen ist auch für Arbeitgeber ein Thema. 149 Unternehmensvertreter haben sich an der karriere.at-Online-Umfrage beteiligt. Mehr als die Hälfte glaubt, dass Zusatzleistungen von Bewerbern heute erwartet werden. 37 Prozent sind sich sicher: „Das macht eine Firma besonders“. Dass Benefits beim Recruiting kaum wahrgenommen werden, davon sind acht Prozent überzeugt. Vier Prozent sind der Meinung, dass bei der Personalsuche nur das Gehalt ausschlaggebend ist. Christian Müller über den Mehrwert von Benefits bei der Personalsuche: „Ich würde schon sagen, dass Zusatzleistungen beim Kampf um die besten Talente ausschlaggebend sind. Allerdings kommt es darauf an, was man darunter versteht. Finanzielle Anreize spielen sicherlich eine Rolle, sind aber nicht mehr so wichtig wie vor ein paar Jahren. Wenn wir allerdings auch von Dingen wie einem Firmenwagen, freier Gestaltung der Arbeitszeit oder Home Office sprechen, dann sind diese Leistungen mittlerweile sicher relevanter als beispielsweise noch die Boni vor ein paar Jahren.“

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft

Zusatzleistungen YogakursZusatzleistungen verschönern nicht nur den Arbeitsalltag sondern beeinflussen auch das Miteinander im Unternehmen günstig. „Benefits wie Yoga, Gesundheitskurse und Weihnachtsgeschenke sind sicher relevant, weil sie eine gewisse Wertschätzung zum Ausdruck bringen und das Klima positiv gestalten. Kleinigkeiten wie das Denken ans Jubiläum sind Dinge, die die Atmosphäre mitgestalten und das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer verbessern. Das übersetzt sich außerdem in ein positives Außenbild, das ist schon sehr aktives Employer Branding“, erklärt Müller.

Umdenken in der Heimatstadt der Benefits

Shuttlebus mit W-Lan, Wäscheservice, Fitnesscenter und eine Putzfrau für die Wohnung: Arbeitgeber im Silicon Valley sind nach wie vor Vorreiter, was „Zuckerl“ für Mitarbeiter betrifft. Ein Blick über den großen Teich zeigt aber, dass die Tech-Konzerne ihre Strategien der Zusatzleistungen langsam überdenken. „Ich denke, dass die Tendenz in den USA derzeit wieder ein bisschen zurückgeht. Das liegt sicher auch daran, dass die Unternehmen zu viel angeboten und ausprobiert haben“, sagt Müller. Google hat bereits im Vorjahr sein Arbeitszeitmodell, bei dem 20 Prozent der Arbeitszeit für kreative Denkarbeit genutzt werden konnte, wieder gestrichen. Wer jetzt an neuen Ideen tüfteln möchte, muss das neben seiner regulären Arbeit erledigen.

Goodies: Wehe dem, der sie wieder nimmt!

Paul Jiménez, Arbeitspsychologe

Paul Jiménez

Der Grazer Arbeitspsychologe Paul Jiménez macht darauf aufmerksam, dass einmal eingeführte Leistungen nur schwer wieder einzusparen sind. „Wenn ein Arbeitgeber nachrechnet, wieviel eine Flasche Mineralwasser kostet, wieviele Leute das trinken und dass das sowieso gesund ist – dann ist das fast das Lächerlichste. Aber ich kenne Fälle, in denen genau das gestrichen wurde und so etwas ist das Erste, was Unmut auslöst. Es gilt fast immer: Ein Goodie als Plus zu sehen ist ein Pluspunkt, es wegzunehmen macht drei Minuspunkte. Man sollte deshalb gut nachdenken, bevor man etwas einführt – es wieder wegzunehmen hat nämlich den größeren Effekt“, erklärt der Grazer Arbeitspsychologe Paul Jimenez.

Zur Person

Als Kommunikationsberater und Karrierecoach kennt Christian Müller beide Seiten des Bewerbungs- und Recruiting-Prozesses. Er unterstützt Fachkräfte beim Personal Branding und berät Unternehmen bei der Entwicklung nachhaltiger Employer Branding Strategien.

Paul Jiménez ist am Institut für Psychologie an der Karl-Franzens-Universität Graz tätig. Der Arbeitspsychologe ist zudem Geschäftsführer von research team.

Bildnachweis: Eugenio Marongiu, LDprod, LifePhotoStudio / alle Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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