Floskelfriedhof Stellenanzeige: Kennt man eine, kennt man alle?

von in HR am Donnerstag, 27. Oktober 2016 um 10:26

Unternehmen investieren viel Geld und Zeit, um sich von anderen Marken abzuheben. Beim Arbeitgebermarketing wird oft undifferenzierter gewerkt: Stellenanzeigen, zum Verwechseln ähnlich. Für Kandidaten auf Jobsuche verschwimmen Inserate und ihre Formulierungen oftmals zu einem Einheitsbrei aus „wir bieten“, „teamfähig“ oder langen Listen an austauschbaren Anforderungen. Fünf vermeidbare Fehler und wie Stellenanzeigen bei Bewerbern einen bleibenden Eindruck hinterlassen:

Das Jobinserat als „kommunikatives Endprodukt der Arbeitgeberpositionierung“ hat eine Studie von Employer Telling untersucht. Ernüchterndes Ergebnis: Arbeitgeber bemühen sich zu wenig um Differenzierung. 120.000 Jobinserate wurden mit Hilfe des Softwareunternehmens Textkernel auf ihre Bestandteile hin untersucht: Buzzwords, Floskeln, inhaltliche Mängel.

Jobinserate: Same same but different

Die Unternehmensbeschreibung holt man sich von der PR-Abteilung, die Anforderungsliste an Bewerber von der Führungskraft. Alles in die Vorlage kopieren, ein paar Buzzwords wie „innovativ“ oder „erfolgreich“ einfügen und fertig ist das Stelleninserat. Keine Frage, ein gutes Jobinserat zu erstellen macht viel Arbeit. Erschwerend kommt hinzu, dass jeder ein Wörtchen mitreden möchte: Die Unternehmenskommunikation will keinesfalls vom offiziellen Wording abweichen, was die Unternehmensbeschreibung betrifft. Die verantwortliche Führungskraft stellt eine lange Wunschliste an die Bewerber zusammen (sicher ist sicher) und HR muss letztendlich alles unter einen Hut bekommen.

„Wir bieten einen spannenden Aufgabenbereich mit attraktiver Vergütung und flexiblen Arbeitszeiten“. Das ist schön – das machen tausende andere Arbeitgeber in ihren Inseraten aber auch. Was sehr viele Unternehmen außerdem gemeinsam haben: Sie nutzen das Stelleninserat nicht, um Bewerber zu begeistern und über eine vakante Stelle und das Unternehmen wirklich zu informieren. Fünf Fehlerquellen, auf die Arbeitgeber ihre Jobinserate untersuchen sollten:

Fehler Nr. 1: Unternehmensbeschreibung als Arbeitgeberprofil

Ein guter Einstieg im Jobinserat beschreibt nicht die Tätigkeit des Unternehmens sondern das, was die Arbeitnehmer dort tun, wie und wo sie arbeiten. Sie beschreibt, wie sich die Arbeitswelt darstellt. Wie viele Stores, Standorte oder Mitarbeiter auf wieviel Ladenfläche in welchen Ländern arbeiten – das kann als Info getrost auf die Website oder die Karriereseite, muss aber nicht ins Jobinserat. Laut Employer Telling-Studie meinen es manche Arbeitgeber außerdem besonders gut. Im Inserat lassen sie Bewerber nicht nur wissen, dass sie weltweit tätig sind sondern auch, in wie vielen Ländern – auch für Jobs, deren Tätigkeit internationale Agenden überhaupt nicht berühren.

Fehler Nr. 2: Buzzwords & Füllwörter

Es gibt Dinge, die sollten Jobsuchende besser nicht in die Bewerbung schreiben. Das gleiche gilt auch für Arbeitgeber. Neben geläufigen Floskeln wie team(fähig), kommunikativ oder interessant gibt es noch Buzzwords & Füllwörter, für die HR noch weniger sensibilisiert ist:

  • „unter anderem“: Je mehr „u.a.“ im Inserat, desto weniger Transparenz. Welche Tätigkeiten erwarten Bewerber im Job wirklich? In einem der analysierten Inseraten lassen ganze drei Stück „u.a.“ in der Tätigkeitsbeschreibung viel Raum für Spekulation.
  • „Bereich“: Bei Arbeitgebern wimmelt es nur so von Bereichen: Marketingbereich, Produktionsbereich, Bereich der Qualitätsüberprüfung. Für Bewerber erklärt das nicht, was sie im Job wirklich erwarten wird – es umreißt höchstens grob, in welche Richtung die Reise gehen wird.

Fehler Nr. 3: Nominalstil – die volle Gönnung für HR

Auf ganze 86 „-ungs“ bringt es ein Gesundheitsunternehmen in einer einzigen Stellenanzeige. Insgesamt finden sich mehr als eine Million Mal „-ung-Wörter“ in den untersuchten 120.000 Inseraten: Prüfung, Abrechnung, Erfahrung, Verwaltung, Reservierung – die Liste ist lang. Besonders oft betroffen: Bildungseinrichtungen, Verwaltungsbehörden und Großkonzerne. Sprachlich ansprechender: Kandidaten als handelnde Subjekte beschreiben.

Fehler Nr. 4: Dialog unterbinden

Bewerbungen per E-Mail zu erhalten ist praktisch, dafür braucht es aber eines: eine E-Mail-Adresse. Nur in 32 Prozent der untersuchten
120.000 Stellenanzeigen geben Arbeitgeber eine anklickbare E-Mail-Adresse an. Sechs Prozent nennen konsequent in jeder Ausschreibung eine Adresse, 23 Prozent geben in keinem einzigen Jobinserat eine E-Mail-Adresse an. Auch wenn Bewerbungsformulare auf dem Vormarsch sind, sollte interessierten Kandidaten die Möglichkeit geboten werden, einen konkreten Ansprechpartner oder zumindest die Personalabteilung per E-Mail zu kontaktieren.

Fehler Nr. 5: Anforderungen: Viel Lärm um nichts?

Anforderungen und Voraussetzungen, um den Job vielleicht zu ergattern, dürfen im Jobinserat natürlich nicht fehlen. Wie konkret Arbeitgeber ihre Forderungen formulieren, wurde für die Studie ebenfalls untersucht. Als nicht verhandelbare Qualifikation tauchen ein abgeschlossenes Studium oder eine fertige Berufsausbildung am häufigsten auf. Ebenfalls auf der Wunschliste der Unternehmen: Flexibilität, Kommunikationsstärke und Teamfähigkeit. Forderungen, die sich bei vielen Unternehmen quer durch alle Jobinserate finden – unabhängig von der tatsächlichen Position. Handlungsempfehlung der Studienautoren: Konkreter werden, sprachlich auf Augenhöhe mit den Kandidaten kommunizieren und Füllwörter, die sich im HR-Alltag eingeschlichen haben, erbarmungslos aus den Inseraten streichen.

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Bildnachweis: pathdoc/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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