Grün vor Neid? Vielleicht bringt´s ja was …

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 12. November 2015 um 11:23

Wenn die ehemalige Schulfreundin beim zufälligen Treffen von ihrem Traummann, ihrer Villa und ihrem tollen Job erzählt, denkt man sich vielleicht: „Ich gönne es ihr wirklich, aber wieso kann ich das nicht haben?!“ Und innerlich wird man dabei vom Neid zerfressen. Gute Neuigkeiten: Das kann auch positive Auswirkungen haben!

In der deutschen Sprache wird dem sprichwörtlich „grün“ färbenden Gemütszustand mit einem großen Aufgebot an Phrasen und Floskeln gehuldigt und man merkt, dass Neid nichts Gutes zu sein scheint. Dabei muss man klar differenzieren: Ist das Missgunst oder Neid, was einen da plagt. Während nämlich bei ersterem unsere Aufmerksamkeit vor allem auf die erfolgreichere Person gelenkt wird („Damit muss sie auch noch angeben – dafür hat sie sicher keine echten Freunde …“), kann der Neid auf eine Person ein Anreiz dafür sein, sich selbst zu verbessern („Wie macht sie das bloß – vielleicht sollte ich mir ein paar Tipps bei ihr holen …“)

Wenn man bisher glaubte, dass das für die eigene Persönlichkeit eher kontraproduktiv sei – andere um etwas zu beneiden – gibt es jetzt wissenschaftlich belegte Neuigkeiten dazu, die sich die Plattform Forschung erleben! der Universtität Mannheim angesehen hat.

Neid mit Vorbildfunktion

So kann das Beneiden einer Person in uns konstruktiv wirken, indem es einen Wunsch weckt, uns zu verbessern, um ebenso gut, schön oder erfolgreich zu werden. Die beneidete Person wird so in gewisser Weise zu einem Role Model, zu unserem Vorbild.
Ob es von der Art des Neids abhängt, welche Auswirkungen das auf uns haben kann, haben die Forscher Jan Crusius und Jens Lange in einer Studie untersucht. Laut ihnen lenkt Missgunst die Aufmerksamkeit auf die beneidete Person anstatt auf das „Objekt“ des Neids – also das, worum man die Person beneidet – weil man der Person etwas nicht gönnt, sie abwerten oder ihr gar schaden will. Dagegen sollte das konstruktive Beneiden die Aufmerksamkeit gleichermaßen auf die beneidete Person und das Objekt des Neids lenken. So möchte man von der beneideten Person lernen, um so sich selbst verbessern zu können. Dadurch sollte auch das Objekt des Neids, das eigentliche Ziel, nicht aus den Augen verloren werden.

Neid im Beruf

Getestet wurden diese Hypothesen vom Forscherteam in ihrer Studie an Teilnehmenden, die entweder eine Episode Revue passieren sollten, in der sie Missgunst verspürt hatten oder eine Episode, in der sie konstruktiven Neid empfunden hatten. Die Teilnehmenden sollten sich dabei möglichst intensiv in die Situation hineinversetzen und sowohl den Namen der erinnerten Person als auch das Objekt der Situation aufschreiben. Danach wurde in einem ausgeklügelten Aufmerksamkeitstest geprüft, ob die Teilnehmenden ihren Fokus automatisch eher auf die beneidete Person oder das Objekt des Neids richteten. Tatsächlich führte missgünstiger Neid zu mehr Aufmerksamkeit auf die Person als auf das Objekt des Neids. Bei konstruktivem Neid war kein derartiger Unterschied zu finden.

Böse Missgunst – guter Neid

Auch eine weitere Studie zeigte, dass konstruktives Beneiden im Gegensatz zu Missgunst die Möglichkeiten zur Verbesserung mehr fokussiert. Das bestätigt die Hypothese, dass beide Arten von Neid unsere Aufmerksamkeit automatisch lenken können – auch wenn wir versuchen, unsere Neid-Gefühle zu kontrollieren.

Jeder von uns hat mit Sicherheit schon beide Ausprägungen von Neid erlebt – feindselige Missgunst und konstruktiver Neid. Das nächste Mal, wenn wir jemanden um seinen gut bezahlten Job oder seine herausragenden Leistungen beneiden, können uns diese Forschungsergebnisse vielleicht dabei helfen, dieses Gefühl besser zu verstehen und darüber nachzudenken, wo es hinführt.

Bildnachweis: Yuriy Zhuravov/Shutterstock; Cara-Foto/Shutterstock

Tanja Karlsböck

Tanja Karlsböck verfasst Blogposts rund umʼs Arbeitsleben, denn Schreiben ist ihre liebste Kulturtechnik.

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