Duzen im Job? Achtung, hier herrscht Fettnäpfchen-Gefahr!

von in Arbeitsleben am Dienstag, 7. Februar 2017 um 11:25

Den Chef duzen? „Sie“ zum Bürokollegen sagen? In der Arbeitswelt ist die Frage „Du oder Sie?“ immer noch heikel. Laut karriere.at-Stimmungsbild (Grafik unten) duzen sich in Österreich zwar schon sechs von zehn Arbeitnehmern im Job, trotzdem lauern hier einige Fettnäpfchen, die man besser auslässt. Tipps und Fakten dazu.

Ein Lehrling, der zum CEO selbstverständlich „du“ sagt – ist das normal? Keine Ahnung, im karriere.at-Team jedenfalls schon. Gerade in jungen Unternehmen ist es heute fast selbstverständlich, dass über alle Hierarchieebenen hinweg geduzt wird. Noch vor einigen Jahren war dies anders – mit vielen Nachteilen, aber auch einigen Vorteilen. Drei Anekdoten:

Duzen oder Siezen?

Das „Du“ als Ritterschlag: Als ich Anfang der 2000er-Jahre den ersten Job als Lokalredakteur hatte, war es für beide Seiten „normal“, ältere Kollegen und alle Vorgesetzten anfangs zu siezen. Erst als die ersten Sporen verdient und einige Wochen vergangen waren, kam vom  35-jährigen Ressortleiter beim Mittagessen: „Übrigens, ich bin der Helmut.“ Handshake und fertig. Plötzlich war ich Teil des Teams und irgendwie stolz.

Das „Du“ als Machtinstrument: „Was hast du da für einen Sch*** geschrieben?!?“ – und schon wars vorbei mit der Freude. Als der Chefredakteur nämlich mit dem Elaborat des Frischlings  nicht wirklich zufrieden war. Ansonsten per Sie und immer korrekt, gab er mir beim Rapport die volle Breitseite. Mit der Du-Demütigung zeigte er mir, ich natürlich „per Sie“ in der Defensive, wo mein Platz auf der Hierarchieleiter ist. Nämlich unten. Jede Wette: Ohne das einseitige „Du“ wäre das Gespräch sachlicher, aber auch angenehmer verlaufen. Heute duzen wir uns übrigens beide.

Das „Sie“ als Zeichen des Respekts: Fremde oder entfernte Bekannte aus Höflichkeit oder Professionalität zu siezen, ist nicht ungewöhnlich. Aus heutiger Sicht aber durchaus befremdlich: Das „Sie“ meiner Mutter ihrer Nachbarin gegenüber. Man kennt sich seit Jahrzehnten, lernte sich mit Mitte 20 kennen – und sagte wie selbstverständlich „Sie“ zueinander. Dass sich zwei benachbarte Mittzwanzigerinnen siezen, war Anfang der 1980er Jahre normal, ist heute aber nur noch schwer vorstellbar. Ebenso wie zwei ältere Ex-Kollegen, die über Jahre ein Büro geteilt haben aber bis zur Pensionierung förmlich geblieben sind. In beiden Fällen ein freundliches, respektvolles Sie, das gleichzeitig besiegelt: Wir schätzen einander als Person, wissen aber auch die Grenzen unserer Bekanntschaft zu schätzen.

Grafik zum Thema Duzen im Job

Wissenswertes, um Du-Fettnäpfchen bei Kollegen zu vermeiden

  • Laut Knigge hat jede volljährige Person grundsätzlich das Recht auf eine förmliche Anrede.
  • Es macht einen Unterschied, wer wem das Du-Wort anbietet: Üblicherweise bietet der Ältere dem Jüngeren das Du an und im Job-Kontext der hierarchisch Höhere dem Rangniedrigeren. Auch sollte man als Mann darauf warten, von einer Frau das Du angeboten zu bekommen.
  • Kein einseitiges Du: Wie im Beispiel oben beschrieben, sollten sich beide Seiten einer Konversation an dieselbe Anrede halten. Hier sind vor allem Führungskräfte gefordert, die einerseits mit Sie angesprochen aber gleichzeitig auf Du und Du mit Mitarbeitern sein wollen.
  • Einmal erteilt, gilt das Du lebenslänglich. Bietet man einem Kollegen – und sei es in feuchtfröhlicher Runde – das Du-Wort an, sollte es auch im weiteren Arbeitsalltag gelten.
  • Generelles Du gilt für alle! Unternehmen, die ihren „kalifornischen Charakter“ und den lockeren Umgang miteinander betonen, dürfen keine Ausnahmen machen: So muss es der CEO akzeptieren, von der Reinigungskraft geduzt zu werden.
  • Fragen und erklären: Ist das Du-Wort für alle Teil der Unternehmenskultur, sollten neue Kollegen gleich am ersten Arbeitstag darauf hingewiesen werden, ebenso wie auf Ausnahmen zur Regel.

Bildnachweis: Asier Romero / Shutterstock, karriere.at

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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