Alko­ho­li­sier­te Kol­le­gen gefähr­den nicht nur sich selbst, son­dern auch ande­re. Dass Men­schen in betrun­ke­nem Zustand arbei­ten, kommt übri­gens häu­fi­ger vor, als Sie viel­leicht den­ken. Fünf Pro­zent der öster­rei­chi­schen Bevöl­ke­rung sind alko­hol­ab­hän­gig, fast zwölf Pro­zent ver­fü­gen über ein pro­ble­ma­ti­sches Kon­sum­ver­hal­ten. Die Fol­gen der Sucht sind mehr Unfäl­le, Leis­tungs­ab­fall und sich häu­fen­de Kran­ken­stän­de. Doch was kön­nen Sie tun?

Das Problem der Tabuisierung

Aktu­ell beläuft sich der Alko­hol­kon­sum der Öster­rei­cher im Durch­schnitt auf unge­fähr 11,6 Liter pro Per­son und Jahr. Im welt­wei­ten Län­der­ran­king befin­den wir uns damit auf Platz 18. Der ein oder ande­re schaut aber gern mal etwas tie­fer ins Glas oder ent­wi­ckelt gar eine Sucht, was die Lebens­qua­li­tät erheb­lich ein­schrän­ken kann.

Hier­zu­lan­de wird der Man­tel des Schwei­gens über die Alko­hol­krank­heit gelegt. Mög­li­cher­wei­se ken­nen Sie jeman­den, der mit einer Sucht zu kämp­fen hat – beim Namen genannt wer­den die Din­ge aber nur sel­ten. Oft wen­den Kol­le­gen und Füh­rungs­kräf­te glei­cher­ma­ßen den Blick ab in der Hoff­nung, dass sich das Pro­blem von selbst lösen wird. Als Kon­se­quenz kommt es ver­mehrt zu Feh­lern – oder sogar zu gefähr­li­chen Unfällen.

Doch war­um wird geschwie­gen? Ein Grund: Ver­ste­hen sich die Kol­le­gen unter­ein­an­der gut, dann könn­ten sie Angst haben, dass der Betrof­fe­ne sei­nen Job ver­liert oder ein schlech­tes Licht auf ihn fällt. Man­che Mit­ar­bei­ter gehen sogar so weit, etwai­ge Feh­ler zu ver­tu­schen. Die­ses Spiel fin­det aller­dings frü­her oder spä­ter ein Ende. Wie kann man da Abhil­fe schaffen?

Das können Sie tun, um zu helfen

Prä­ven­ti­ons­ex­per­ten plä­die­ren dafür, dass betrieb­li­che Rah­men­be­din­gun­gen geschaf­fen wer­den müs­sen, um Pro­ble­me die­ser Art rasch zu lösen. Eine kla­re Hal­tung bzw. kon­se­quen­tes Han­deln sind ein abso­lu­tes Muss, wenn Mit­ar­bei­ter alko­hol­auf­fäl­lig wer­den. Die­se Maß­neh­men ste­hen Ihnen offen:

Vorbildfunktion
Verzichten auch Sie, selbst nach dem offiziellen Dienstschluss, auf Alkohol am Arbeitsplatz. Ihre fachliche und persönliche Autorität kann durchaus Einfluss auf das Ausmaß des Konsums nehmen.
Offenes Ohr für Mitarbeiter
Wenn Sie auf einen Problemfall aufmerksam werden, sollten Sie davon absehen, den betroffenen Mitarbeiter zu diskriminieren oder negativ über ihn zu sprechen. Suchen Sie stattdessen das Gespräch, zeigen Sie Respekt und seien Sie diskret. Es steht Ihnen außerdem nicht zu, Diagnosen zu stellen oder sich als Therapeut aufzuspielen.
Verantwortung zeigen
Ist ein Mitarbeiter aufgrund seiner Alkoholkrankheit nicht mehr in der Lage, seine Arbeit auszuführen, ohne gleichzeitig zu einer Gefahrenquelle zu werden, tragen Sie die Verantwortung dafür, dieses Problem zu lösen. Sie sollten konsequent durchgreifen und zeigen, dass Sie keine Verstöße gegen Regeln dulden.
Interventionsgespräche führen
Verschließen Sie nicht die Augen vor der Realität. Machen Sie dem betroffenen Mitarbeiter klar, dass sein Verhalten nicht toleriert werden kann, einen negativen Einfluss auf seine Arbeitsleistung hat und seine Kollegen gefährden kann. Haben Sie keine Scheu davor, schwierige Themen wie Alkoholmissbrauch anzusprechen
Hilfe anbieten
Motivieren Sie den Mitarbeiter, Hilfe anzunehmen. Wenn Sie Kooperationspartner haben (z. B. betriebliche Suchtberatung), können Sie anbieten, den Kontakt zu diesen oder anderen Einrichtungen herzustellen.
Wiedereingliederung ermöglichen
Wurde die Alkoholsucht erfolgreich behandelt, sollten Sie dem betroffenen Mitarbeiter den Wiedereinstieg erleichtern und seine künftige Entwicklung fördern.

Rechtliche Hintergründe

Alko­hol am Arbeits­platz – was ist erlaubt, was nicht? Lesen Sie hier, wie die gesetz­li­che Lage zu die­sem The­ma aussieht:

Ist der Kon­sum von Alko­hol am Arbeits­platz erlaubt?

Etwai­ge Alko­hol­ver­bo­te wäh­rend der Arbeits­zeit sowie Nüch­tern­heits­ge­bo­te kön­nen im Arbeits­ver­trag ver­ein­bart wer­den. Bei Bewer­bungs­ge­sprä­chen ist es jedoch nicht zuläs­sig, nach den Kon­sum­ge­wohn­hei­ten des Bewer­bers zu fra­gen, da damit in die Per­sön­lich­keits­rech­te ein­ge­grif­fen wird. Aus­nah­men gibt es hier bei Beru­fen mit beson­de­rer Gefähr­dung Drit­ter, wie das zum Bei­spiel bei Berufs­kraft­fah­rern oder Pilo­ten der Fall ist. Bei die­sen ist eine der­ar­ti­ge Befra­gung zulässig.

Wel­che Kon­se­quen­zen erwar­ten einen Mit­ar­bei­ter, der betrun­ken am Arbeits­platz erscheint?

Alko­ho­li­sie­rung kann ein Ent­las­sungs­grund sein. Aller­dings müs­sen unter­schied­li­che Gesetz berück­sich­tigt wer­den. In § 82 lit c GewO 1859 heißt es, dass eine Ent­las­sung nur bei Trunk­sucht“ gerecht­fer­tigt ist, und es bedarf für die Ent­las­sung auch einer wie­der­hol­ten frucht­lo­sen Ver­war­nung“. Im AngG (§ 27) wer­den sol­che Fäl­le dage­gen mit Ver­trau­ensun­wür­dig­keit“ begrün­det. Bei Arbei­tern und Ange­stell­ten ist die Fort­set­zung des Arbeits­ver­hält­nis­ses für den Arbeit­ge­ber nur dann unzu­mut­bar, wenn die Alko­ho­li­sie­rung im Zusam­men­hang mit der Dienst­leis­tung steht oder Aus­wir­kun­gen auf die­se hat. Wie in der GewO bedarf es auch nach dem AngG einer vor­he­ri­gen Ver­war­nung, bevor es zur Ent­las­sung kom­men kann.

Darf der Arbeit­ge­ber die Durch­füh­rung eines Alko­hol­tests verlangen?

Im ArbVG (Arbeits­ver­fas­sungs­ge­setz) ist unter § 96 Abs 1 Z 3 die Rede von Kon­troll­maß­nah­men, die der Arbeit­ge­ber ein­set­zen kann. Die Kon­trol­le des Alko­hol- und Dro­gen­kon­sums ist mit­tels Betriebs­ver­ein­ba­rung dann regel­bar, sofern eine sol­che Ver­ein­ba­rung kei­nen unmit­tel­ba­ren Ein­griff in die kör­per­li­che Inte­gri­tät des Arbeit­neh­mers vor­sieht. Dies wäre eine Ver­let­zung der Men­schen­wür­de und daher nicht gerecht­fer­tigt. Die maschi­nel­le Mes­sung des Alko­hol­wer­tes in der Atem­luft ist ein mas­si­ver Ein­griff in die Per­sön­lich­keits­rech­te und stellt daher im kon­kre­ten Fall – bei weit­ge­hend feh­len­der Inter­es­sens­la­ge auf Sei­te des Arbeit­ge­bers – eine Ver­let­zung der Men­schen­wür­de dar und ist des­we­gen nicht möglich.

Ver­däch­tigt ein Arbeit­ge­ber einen Arbeit­neh­mer, durch Alko­hol beein­träch­tigt zu sein, und ver­langt einen Test, hat der Betrof­fe­ne das Recht, die­se Kon­troll­maß­nah­me bzw. die­sen Test zu ver­wei­gern. Beson­de­re Kon­trol­len durch den Arbeit­ge­ber kön­nen nur dann durch­ge­führt wer­den, wenn spe­zi­el­le Son­der­be­stim­mun­gen auf­grund hoher Gefähr­lich­keit der Tätig­keit bestehen.

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