Ziele setzen: Der Abschied vom alten Ich erfolgt nicht irgendwann

von in Arbeitsleben am Freitag, 11. März 2016 um 11:32

Natürlich könnte man sofort damit beginnen, ein sportlicheres, gesünderes oder erfolgreicheres Leben zu führen. Gute Vorsätze müssen nicht warten, trotzdem wird der Entschluss dazu oft erst zu markanten Zeitpunkten getroffen: Neujahr, Frühlingsbeginn, ein neuer Job – das sind meist Anlassfälle, um sich Ziele zu setzen. Warum wir oft solche Meilensteine wählen, hat eine Studie untersucht.

Prüfung geschafft, Umzug gemeistert, neuer Job in der Tasche – höchste Zeit für neue Vorsätze und Ziele. Es ist für uns nicht ungewöhnlich, neue Ziele anzupacken, nachdem eine bestimmte Episode des Lebens „geschafft“ wurde. Nicht umsonst werden rund um Neujahr jede Menge gute Vorsätze gefasst. Nach dem alten Jahr wird alles anders! Im nächsten Semester wird an der Uni wirklich mehr gelernt. Mit dem neuen Job wird man endlich ein organisierter Mensch.

Abschied von alten Lebensabschnitten

Warum aber nicht sofort neue Ziele definieren? Laut Forschung erleben hat ein Forscherteam diese „temporalen Grenzsteine“ als mögliche Anlassfälle für neue Ziele und Vorsätze identifiziert. Durch das Zurücklassen eines bestimmten Lebensabschnittes motivieren wir uns für neue Ziele. Tschüss, altes Ich! Der Studienabschluss, der Umzug in eine andere Stadt oder der erste Job sind einmalige Momente, die oft zum Anlass für neue Vorhaben genützt werden. Warum das so ist, hat die Studie untersucht.

Die Forscherin Hengchen Dai und ihr Team vermuten, dass sich viele Menschen von ungünstigem Verhalten in ihrer Vergangenheit distanzieren möchten. Der Beginn eines neuen Lebensabschnitts markiert den Abschied von der Vergangenheit. Negative Ereignisse buchen wir dann auf das „Konto Vergangenheit“ um bereit zu sein, neue und positive Ereignisse auf das „Konto Zukunft“ zu buchen. Die Möglichkeit, diese unterschiedlichen, mentalen „Konten“ anzulegen, ermöglicht es, sich von negativer Vergangenheit zu distanzieren. An Bedeutung gewinnt dafür das Positive, das uns in der Zukunft erwartet.

Distanz zwischen altem und neuem Ich schaffen

Um diese Annahme zu überprüfen wurde ein Test durchgeführt. Teilnehmer der Experimentalgruppe sollten zunächst ein Ziel beschreiben, das sie in Zukunft gerne erreichen möchten. Danach sollten sie sich vorstellen, dass sie gerade in eine neue Wohnung gezogen sind. Es sei ihr erster Umzug nach neun Jahren in der Stadt. Die Kontrollgruppe musste sich vorstellen, dass sie innerhalb der vergangenen neun Jahre einmal jährlich in der Stadt umgezogen sind. Im Vergleich der beiden Gruppen zeigte sich, dass die Teilnehmer der Experimentalgruppe eine höhere Motivation für die Erreichung ihrer Ziele vorwiesen. Sie fühlten außerdem eine höhere wahrgenommene Distanz zu ihrem „alten, nicht perfekten Selbst“ vor dem Umzug.

In Folgestudien wurde die Annahme mit anderen temporalen Grenzsteinen wie Neujahr oder dem Frühlingsbeginn weiter überprüft. Die Befunde deuten darauf hin, dass sich Personen zu Beginn einer neuen Lebensepisode besser von ihrem unterwünschten, vergangenen Selbst verabschieden können. Je einzigartiger das Ereignis, desto besser gelingt der Abschied von der Vergangenheit. Aus den Studien geht jedoch nicht hervor, wie erfolgreich die neuen Ziele danach auch umgesetzt werden.

Bildnachweis: Constantin Stanciu / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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