Österreich – Ein Teilzeitstudentenland? [Studie]

von in Arbeitsleben am Dienstag, 28. Juni 2011 um 16:14

Wasser auf die Mühlen sämtlicher Verfechter von Studenten-Klischees: Faul, die meiste Zeit des Jahres mit etwas anderem als ihrem Studium beschäftigt und dem Staat auf der Tasche liegend. Wie eine aktuelle „Eurostudent“-Erhebung der vergangenen drei Jahre aufzeigt, gibt es unter Österreichs Hochschülern besonders viele „Teilzeitkräfte“. Aber: Eine 40-Stunden-Woche haben die meisten trotzdem. Und: Österreichs Studenten verdienen die Hälfte des ihnen monatlich zur Verfügung stehenden Budgets selbst. Faul also?

31 Prozent, also knapp jeder dritte Studiosi, wendet wöchentlich maximal 20 Stunden für seine Hochschulausbildung auf. Einzig in der benachbarten Slowakei sind es laut der von der EU und vom deutschen Bildungsministerium finanzierten, europaweiten Studie noch mehr (37 Prozent). Verglichen mit anderen Nachbarländern wie Deutschland (14 Prozent), Schweiz (15 Prozent) oder dem Durchschnitt der 23 untersuchten Nationen (19 Prozent) ein relativ hoher Wert.

Quelle: Eurostudent IV, B.11.

Echte Vollzeitstudenten gibt es trotzdem (44 Prozent). Aber auch das ist kein besonders rühmlicher Wert. Schließlich gibt es nur in Lettland (43 Prozent), Litauen (40 Prozent) und in der Slowakei (31 Prozent) noch weniger, die mehr als 30 Wochenstunden ihrem Studium widmen.

Was machen österreichische Studenten also mit der Zeit die in einer klassischen 40-Stunden Woche übrig bleibt? In der Sonne liegen, Eis essen und grillen? Wer an besagtes Faulheitsklischee denkt, liegt falsch. Das freie Zeitbudget wird großteils mit Nebenjobs verplant. Im Durchschnitt arbeiten Bachelor Studenten neun und Master Studenten 15 Studenten pro Woche, womit sich Österreich im europäischen Vergleich zumindest im Durchschnitt einreiht. Trotzdem scheint Österreich eine Insel der Seligen. Gibt es doch mit Portugal oder Polen auch Länder, wo Studenten 50 Stunden und mehr mit Studium und Nebenjobs verplant sind.

Bei einem Blick auf die Finanzen österreichischer Studenten scheinen Nebenjobs notwendig. Der Staat steuert nur neun Prozent des Monatseinkommens bei, 30 Prozent kommen von den Eltern. Der Anteil des selbst verdienten Geldes liegt bei fast 50 Prozent – womit sich die Studiosi überdurchschnittlich viel dazu verdienen (müssen). Nur in der Schweiz und in Osteuropa gibt es für das Studium weniger Geld vom Staat.

Weitere interessante Fakten der Studie

  • Österreich hat mit 13 Prozent den höchsten Anteil an Studierenden, die maximal 10 Stunden pro Woche mit dem Studium verbringen
  • Den höchsten Anteil an Studenten, die mehr als 30 Stunden/Woche für das Studium aufwenden hat Portugal (übrigens auch den geringsten Anteil mit weniger als 21 Stunden pro Woche Studienzeit)
  • Die „Nebenjob-Rate“ ist bei Studenten mit Eltern, die nur über ein niedriges Bildungsniveau verfügen, am höchsten
  • Portugiesische Studenten, die am meisten Zeit für das Studium aufwenden, sind mit ihrem Zeitbudget im Vergleich am wenigsten zufrieden
  • Am meisten finanzielle Unterstützung vom Staat bekommen dänische Studenten – dafür bekommen Sie von Familie/Partner am wenigsten

Bildnachweis: kallejipp / photocase.com

David Kitzmüller

David Kitzmüller ist Marketing-Teamleiter bei karriere.at. Zwischen Werbekampagnen und Performance-Analysen schreibt er in seinen Blogposts über Trends und neueste Entwicklungen in der Webwelt.

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