30. März 2017 · Arbeitsleben · von

Pedanten, Nörgler, Querulanten: So entschärfst du Kollegen-Zeitbomben

Verschiedene Persönlichkeiten, die an einem Ort zusammentreffen – willkommen im Biotop Arbeitsplatz! Im Idealfall ergänzen sich unterschiedliche Persönlichkeiten und funktionieren als Team. Im schlimmsten Fall vergiften negative Persönlichkeiten die Arbeitsatmosphäre. Drei Typen schwieriger Mitmenschen und wie der Umgang mit ihnen gelingt:

„Die Hölle, das sind die anderen!“ Die Aussage aus Jean-Paul Sartres Drama Geschlossene Gesellschaft lässt Psychologin Karen Zoller so nicht gelten und verspricht Abhilfe im Umgang mit schwierigen Zeitgenossen. In ihrem Buch „Schwierige Mitmenschen“ analysiert sie, wie sich Persönlichkeiten entwickeln, welche Rolle unser eigener Typ im Umgang mit anderen spielt und wie der souveräne Umgang mit schwierigen Persönlichkeiten gelingt. Für einige Persönlichkeitstypen, denen man im Berufsleben am häufigsten begegnet, gibt es im Buch außerdem Soforthilfe. Wir haben drei Typen herausgesucht und verraten Karen Zollers Strategien im Umgang mit ihnen:

Der Perfektionist

Gründlichkeit ist seine Premisse, privat genauso wie beruflich. Seine Detailverliebtheit ist gepaart mit einem starken Bedürfnis nach Kontrolle. Nur, was er selbst erledigt, wird gründlich und zufriedenstellend erledigt. Hohe Ansprüche stellt er nicht nur an sich selbst, sondern auch an alle Mitmenschen. Die Messlatte dafür definiert allerdings er. Wer seine Maßstäbe nicht teilt, gilt als schlampig und verantwortungslos. Kein Wunder, dass Kollegen in seinen Augen eher schlecht abschneiden.

  • Tipps für den Umgang: Der „reflektierte Perfektionist“ weiß um die Schwierigkeit seiner hohen Ansprüche, der „radikale Perfektionist“ hingegen nicht. Prinzipiell ist für Perfektionisten schwer zu verstehen, dass andere Menschen andere Bedürfnisse haben. Sein Streben nach Ordnung und Struktur fasst er nämlich nicht als seine Persönlichkeit auf, sondern als allgemeingültiges Prinzip. Keinesfalls sollte man sich über einen Perfektionisten oder seinen Kontrollzwang lustig machen. Auch Aussgen wie „Mehr Lockerheit würde dir gut tun!“ sind wenig hilfreich. Wenn Kritik geäußert wird, muss das immer anhand konkreter Beispiele, Fakten oder Zahlen geschehen. Die Gründlichkeit eines Perfektionisten kann am Arbeitsplatz gut für Arbeiten genutzt werden, die verlässlich und fehlerlos erledigt werden müssen. Einen perfektionistischen Chef hält man mit ausreichend Infos und korrekter Arbeit gut bei Laune.

Der Querulant

An seinem Misstrauen und rechthaberischem Verhalten lässt er seine Mitmenschen ausgiebig teilhaben. Beschwerden, Einwände und Hinweise auf Mängel stehen bei ihm an der Tagesordnung. Nicht selten torpediert er auf diese Weise ganze Projekte und Teams. Bei querulantem Verhalten können verschiedene Motive leitend sein: Suche nach Aufmerksamkeit, Wut, Angst oder Macht.

  • Tipps für den Umgang: Dem Querulanten müssen Grenzen aufgezeigt werden, ohne ihn dabei zu brüskieren. Ohne Grenzen testet der Querulant ständig, wie weit er es treiben kann. Führungskräfte, die einen Querulanten identifizieren, müssen ein klärendes Gespräch führen. Dabei ist es notwendig, die Auswirkungen seines Verhaltens anzusprechen, nach möglichen Hintergründen zu fragen und Konsequenzen aufzuzeigen. Wird querulantes Verhalten zu lange toleriert, kann das großen Schaden anrichten. Teammitglieder können versuchen, Querulanten besser zu integrieren, dabei aber deutliche Grenzen zu setzen.

Der Nörgler

Im Gegensatz zum Querulanten ist er nicht von Rechthaberei getrieben, hat aber ebenfalls an allem und jenem etwas auszusetzen. Auf diese Weise kanalsiert er eine innere Unzufriedenheit. Auch dann, wenn kein wirklicher Anlass zur Unzufriedenheit besteht – der Nörgler findet ein Haar in der Suppe. Während phasenweises Nörgeln und Schimpfen entlastend sein kann, wirken sich Dauernörgler negativ auf ihr Umfeld aus. Wer hört sich schon gerne Jammereien in der Dauerschleife an?

  • Tipps für den Umgang: Chronische Nörgler sind meist auf der Suche nach Aufmerksamkeit. Wer dem Geschimpfe einfach kein Gehör schenkt, wird Nörgler auf diese Weise meist wieder los. Als Strategie bietet sich auch an, den versteckten Wunsch hinter den Nörgeleien zu erkennen. Welches Bedürfnis wird so versteckt ausgedrückt? Mit passenden Gegenfragen kann der Fokus auf das gelenkt werden, was der Nörgler benötigt statt auf das, was ihn stört. Auch Humor kann helfen: „Willst du jetzt einfach jammern oder kann ich etwas tun?“

Info

Karen Zoller ist Diplom-Psychologin und zertifizierte systemische Supervisorin. Ihr Buch „Schwierige Mitmenschen“ ist 2016 im rowohlt Verlag erschienen.

Bildnachweis: Radachynskyi Serhii / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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