31. Januar 2018 · Arbeitsleben · von

Wahrheit oder Schwindel: Kannst du Lügen auch erkennen?

Von der kleinen Notlüge bis zum ausgewachsenen Schwindel: Mit der Wahrheit nimmt es nicht jeder genau. Kannst du eine Lüge erkennen, wenn sie dir aufgetischt wird?

„Du bist ein schlechter Lügner“, kann man mit Genugtuung zu jemandem sagen, dem man sofort ansieht, wenn er nicht die Wahrheit sagt. Dann gibt es noch die mittelmäßigen Lügner und jene, die es darin zur Meisterschaft gebracht haben. „Ich würde wirklich deine Schicht übernehmen, wenn ich nicht nicht genau an diesem Abend schon eine wichtige Einladung zum Essen hätte“, sprichts und hat in Wahrheit nur keine Lust.

Kleine Notlügen oder Schwindeleien sind üblicherweise keine große Sache. Wir wenden sie an, um andere nicht zu verletzen, um uns diplomatisch an einer unangenehmen Wahrheit vorbeizuschwindeln oder einfach, weil es höflich ist, in einer bestimmten Situation etwas zu sagen oder zu tun. Das langweilige Meeting war „total produktiv“ und der mittelmäßige Termin mit dem Kunden „sehr erfreulich“. Manche Arten der Lügen sind gesellschaftlich akzeptiert und – Hand aufs Herz – wer bedient sich nicht gerne kleiner Flunkereien, um einem kollegialen Streit oder Familiendrama aus dem Weg zu gehen.  Auf kleine oder große Lügen greifen viele Menschen zurück, um sich den Alltag zu erleichtern. Man stelle sich vor wie es wäre, wenn jeder immer nur die Wahrheit sagen würde. Problematisch wird es, wenn Lügen zur Gewohnheit werden oder deine Mitmenschen dadurch einen Vorteil für sich herausschlagen möchten. Mit etwas Übung und Aufmerksamkeit kannst du ein Gespür dafür entwickeln, ob dir gerade nicht die Wahrheit erzählt wird.

Kleinen und großen Lügen auf der Spur

Bei einer Lüge muss es sich nicht unbedingt um eine ausgesprochene Unwahrheit handeln. An der Wahrheit kann man sich auf verschiedenen Wegen vorbeischummeln, von der glatten Lüge über das Ablenkungsmanöver bis hin zum Verschweigen bestimmter Informationen. Folgende Anzeichen können darauf hindeuten, ob jemand die Wahrheit sagt oder dir gerade einen Bären aufbindet:

  1. Veränderte Körpersprache und Mimik
    Die Lüge auszusprechen ist relativ einfach, Mimik und Gestik zu kontrollieren ist viel schwieriger. Einen Lügner enttarnt man deshalb eher an seinem Verhalten, als am Gesagten. Je besser du eine Person kennst, desto eher kannst du feststellen, ob sie sich ungewöhnlich verhält: Ein Kollege hat z.B. Mühe, Blickkontakt zu halten, obwohl er das im Gespräch mit dir sonst immer tut – oder auch umgekehrt: Während er dir seine Lüge auftischt, hält er ungewöhnlich lange Blickkontakt. Aber Vorsicht: Zunehmende Nervosität im Laufe eines Gesprächs deutet nicht zwangsläufig auf eine Lüge hin – das besagt der Othello-Effekt.
  2. Sparsam mit Informationen
    Ein Lügenkonstrukt aufrecht zu erhalten ist aufwendig. Da lauern Widersprüche, fieses Nachfragen und als Lügner muss man verschiedene Perspektiven mitdenken. Nicht nur die eigene, auch die der anderen. Je komplizierter die Lüge, desto schwieriger ist es, sie aufrechtzuerhalten. Wer die Unwahrheit erzählt, spart eher mit Details und formuliert seine Unwahrheit eher allgemein. Durch gezieltes Nachfragen kannst du dein Gegenüber vielleicht aus der Reserve locken, denn mit jeder neuen Frage muss er sich eine plausible Antwort einfallen lassen.
  3. Schwierigkeiten, sich Details zu merken
    Wer lügt, der muss sich viele Dinge merken. Wenn du denkst, dass du es auf lange Sicht mit einem Lügner zu tun hast, sei aufmerksam und merke dir möglichst viele Details. Gepaart mit regelmäßigem Nachfragen verstrickt sich der Lügner vielleicht in Widersprüche.
  4. Gegenfragen oder ausweichen
    Auf erneutes Fragen reagieren Lügner oft mit Gegenfragen oder ausweichenden Antworten. Auf die Frage „Weißt du wirklich nicht, wo die Projektmappe geblieben ist. Du hattest sie doch als letzte?“ hörst du vielleicht nur ein „Ach du weißt ja, wie chaotisch es im Büro oft ist“ oder „Warum benötigst du sie ausgerechnet heute?“
  5. Verzögerungstaktik
    Wer kurz davor steht, als Lügner entlarvt zu werden, der muss Zeit schinden. Wertvolle Sekunden gewinnt der Lügner u.a., indem er eine gestellte Frage nochmals wortwörtlich wiederholt. „Hast du die Delle am Dienstwagen bemerkt?“ – „Ob ich die Delle am Dienstwagen bemerkt habe?“. Seine Antwort kann er auch hinauszögern, indem er vorgibt, die Frage nicht verstanden zu haben. In manchen Situationen ist dir jedoch klar, dass er ganz genau gehört hat, was du gefragt hast.

Und noch ein letzter Tipp: Gleite beim Aufstöbern nach Lügen nicht ab in Paranoia. Wenn es ohnehin um keine große Sache geht: Gestehe anderen die eine oder andere kleine Notlüge auch dann zu, wenn du sie erkennst.

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Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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