Verspätung wegen Schnee – Was muss ich tun?

von in Arbeitsrecht am Mittwoch, 15. Februar 2012 um 10:41

Schnee! Bevor es für einige Tage mit den Temperaturen aufwärts gehen soll, zeigt uns der Winter nochmal, was er kann. Rutschende Autos, steckengebliebene Busse, eingefrorene Weichen im Bahnverkehr – an einem Tag wie heute eher Regel als Ausnahme. Doch worauf ist zu achten, wenn ich mich wegen des Schneechaos verspäten sollte? Muss ich Urlaub nehmen? Kann Zuspätkommen gar Kündigungsgrund sein? Michaela Grininger hat sich für karriere.at schlau gemacht.

Von Michaela Grininger

So, ich habe es geschafft. Endlich. Mein Neujahrsvorsatz wurde in die Tat umgesetzt, das Auto wehmütig in der Garage zurückgelassen und der Weg zur Zugstation aufgenommen. Doch dann das: Schienenersatzverkehr wegen technischen Gebrechens! Bei der Neuschneemenge ja eigentlich nicht ungewöhnlich. Allerdings hatte ich – noch geschockt vom Stau, in den ich am Vortag geraten bin – völlig verdrängt, dass auch öffentliche Verkehrsmittel nicht immer planmäßig unterwegs sind. Das Resultat: Ich bin satte 25 Minuten zu spät im Büro angekommen. In meinem Fall kein großes Thema, bin ich doch als Selbständige mein eigener Chef und hatte glücklicherweise keinen dringenden Termin. Doch was wäre wenn? Wie könnten theoretisch die Folgen des Zuspätkommens aussehen? Und was sollten Sie im Falle des Falles unbedingt beachten? Ich habe mich dafür mal bei der Arbeiterkammer schlau gemacht.

Kündigungsgrund „Zu spät kommen“?

Sollten Sie auf Grund von Schneechaos zu spät oder gar nicht an Ihrem Arbeitsplatz erscheinen, so ist dies ein sogenannter Dienstverhinderungsgrund, der die Verspätung bzw. das Fernbleiben rechtfertigt und ist somit kein Kündigungsgrund. Allerdings gilt dies nur, wenn Sie „alles Ihnen Zumutbare unternommen haben, um trotz Schneeverwehung/Schneechaos pünktlich bzw. überhaupt zur Arbeit zu kommen.“ (Quelle: Arbeiterkammer Oberösterreich) Unter zumutbar wird dabei verstanden, dass zum Beispiel das Auto statt dem öffentlichen Verkehrsmittel gewählt werden sollte, wenn dies die Anreise beschleunigen könnte oder umgekehrt. Zudem fällt auch ein Fußweg von einigen Kilometern unter diesen Begriff. Dennoch: „Ob eine Maßnahme zumutbar ist, wird im Einzelfall geprüft.“

Arbeitgeber informieren?

Trotz des ganzen Ärgers, den Stau, Öffi-Ausfall usw. verursachen, müssen Sie Ihren Arbeitgeber über Ihre Verspätung zum Beispiel telefonisch umgehend informieren.

Verliere ich dadurch einen Urlaubstag?

Da es sich bei einer solchen Verspätung um ein sogenanntes „berechtigtes Fernbleiben vom Dienst“ handelt, müssen Sie keinen Urlaubstag extra dafür nehmen.

Habe ich in solchen Situationen einen Anspruch auf Entgelt?

Angestellte haben grundsätzlich Anspruch auf Fortzahlung des Entgelts, sofern auch tatsächlich versucht wurde, rechtzeitig am Arbeitsplatz zu erscheinen (siehe oben). ArbeiterInnen haben nur dann Anspruch auf weitere Zahlung, wenn im Kollektivvertrag keine andere Regelung dafür vorgesehen ist.

Fazit: Grundsätzlich sind solche Situationen – egal ob Stau, verspätete Busse, Schienenersatzverkehr und dergleichen – nicht die Regel und somit besteht eine gewisse rechtlich legitimierte Kulanz von Seiten des Arbeitgebers. Solange Sie also Bescheid geben, dass Sie zu spät kommen werden bzw. gar nicht kommen können, sind Sie auf der sicheren Seite.

Ich selbst werde den „Öffis“ noch eine Chance geben. Zu lange ärgere ich mich schon über mich und die „Im-Auto-Sitzerei“, zu groß sind in den letzten Monaten Bewegungs- und Frischluftmangel geworden, sodass ich mich eigentlich auf die paar Minuten Fußweg zum Zug und vom Zug ins Büro freue. Wenn dieser dann auch wirklich (pünktlich) kommt, wird meine Freude vermutlich ins Unermessliche steigen…

Redaktion

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren