Microsoft: Eine Arbeitswelt ohne Gehaltsverhandlungen

von in Gehalt, HR am Montag, 7. September 2015 um 10:34

Wer eine Gehaltserhöhung möchte, geht üblicherweise folgenden Weg: Argumente zurechtlegen, je nach Chef mehr oder weniger viel Mut fassen und dann nach mehr Geld fragen. Bei Arbeitgebern, die über ein fixes Gehaltsschema verfügen, entfällt das für die Arbeitnehmer. Sandra Micko, HR-Chefin von Microsoft Österreich über das transparente Gehaltsschema bei Microsoft und eine Arbeitswelt ohne Gehaltsverhandlungen.

Sandra Micko

Sandra Micko

Bei Tech-Konzernen wie Microsoft ist manches anders: Das neue Headquarter des IT-Giganten haben wir bereits vor zwei Jahren vorgestellt und allen Maßnahmen rund um das „neue Arbeiten“ ist es vielleicht auch zu verdanken, dass es Microsoft auch heuer wieder unter die begehrtesten Arbeitgeber für Absolventen schaffte. Was für viele Arbeitnehmer offensichtlich reizvoll ist: Das Unternehmen beschreitet neue Wege wenn es darum geht, die Arbeitswelt anders zu gestalten. Keine fixen Arbeitsplätze, flexible Arbeitszeiten, bezahlter Urlaub für frisch gebackene Väter – alles Standard beim Tech-Player. Auch die Einstufung aller Arbeitnehmer in ein fixes Gehaltsschema und Transparenz über geforderte Voraussetzungen für eine Gehaltserhöhung ist Standard. Wie das in der Praxis funktioniert, erklärt Microsoft Österreich HR-Leiterin Sandra Micko im Interview.

Gehaltserhöhungen mit System

Seit wann gibt es das transparente Gehaltsschema bei Microsoft Österreich und wie funktioniert es?

Sandra Micko: Das transparente Gehaltsschema gibt es schon, seit es Microsoft gibt. Das ist einer unserer Grundpfeiler und fester Teil unserer Unternehmenskultur. Im Prinzip sieht es so aus, dass wir unsere Mitarbeiter in sogenannten Joblevels positionieren, je nach Seniorität und Anforderungsprofil der Rolle. Diese Levels sind transparent und einsehbar für alle Mitarbeiter. Jeder weiß so, welche Anforderungen erfüllt werden müssen, um in einem bestimmten Joblevel eingestuft zu werden. Damit weiß man dann auch, welches Gehalt damit verbunden ist.

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um in ein höheres Joblevel aufzusteigen?

Sandra Micko: Die Ausbildung ist ein Thema, ein anderes ist die Berufserfahrung, die man mitbringt. Die Betriebszugehörigkeit spielt aber keine große Rolle. Unser Jobsystem funktioniert nicht auf die Weise, dass man nach fünf oder zehn Jahren automatisch eine Vorrückung bekommt. Das gibt es bei uns nicht. Unser System ist sehr leistungs- und inhaltsbezogen. Einen höheren Joblevel erreicht man beispielsweise, indem man in seiner jetzigen Rolle einen größeren Verantwortungsbereich übernimmt. Das muss nicht bedeuten, dass man dann auch Führungsverantwortung übernehmen muss. Es kann sein, dass man größere Projekte übernimmt und im Sales größere Kunden betreut.

Sind die Gehälter und die Joblevel auch für Bewerber einsehbar? 

Sandra Micko: In unserem internen Stellenmarkt kann das Gehaltsspektrum einer offenen Position jeder einsehen, extern geben wir in Stelleninseraten nur das Mindestgehalt an. Eine Gehaltsbandbreite deshalb nicht, weil wir für eine vakante Stelle oft zwei Joblevel im Kopf haben, die in Frage kommen könnten.

Gehaltsverhandlungen gibt es bei Microsoft gar nicht?

Sandra Micko: Nein, die gibt es bei uns nicht, weil wir aufgrund der Erfahrung, die jemand mitbringt und des Jobprofils eine klare Einlevelung vornehmen und dann das Bestmögliche anbieten.

Wissen Mitarbeiter untereinander, was sie verdienen?

Sandra Micko: Das ist nicht transparent, die Gehälter einzelner Mitarbeiter werden nicht veröffentlicht.

Wenn sich Mitarbeiter über ihr Gehalt austauschen, dann passiert das also wie fast überall: Einfach auf freiwilliger Basis?

Sandra Micko: Ja, und ich denke auch, dass viele das tun. Das ist bei uns aber ohnehin kein großes Thema, weil immer klar ist, warum jemand in welchem Joblevel ist und wieviel man dann verdient. Aber es ist nicht transparent, wieviel Jahresbruttogehalt die einzelnen Arbeitnehmer verdienen.

Geschieht die Vorrückung auf ein höheres Joblevel automatisch oder muss der Arbeitnehmer darum ansuchen?

Sandra Micko: Das zu tun ist Aufgabe der Führungskraft. Die Vorrückung von einem Level auf das nächste nennen wir „Promotion“, dafür gibt es gewisse Budgets. Wir haben zwei Mal jährlich sogenannte „Promotion Cycles“ – einmal nach unserem Performance Review und einmal zur Jahresmitte. Dort werden diese Promotions von den Führungskräften eingereicht und dann in der Geschäftsleitung diskutiert.

Gibt es im Rahmen dieses Gehaltssystems auch noch Bonuszahlungen?

Sandra Micko: Ja, jeder Mitarbeiter bei Microsoft ist bonusberechtigt – je nach Rolle natürlich sehr unterschiedlich. Wir sind eine Vertriebsorganisation und haben viele Sales-Mitarbeiter, die haben bspw. ein anderes Bonusmodell als Mitarbeiter im Marketing oder Finance. Aber jeder Mitarbeiter hat einen variablen Anteil und damit auch Anspruch auf Bonusauszahlungen.

Würden Sie sagen, dass sich diese Gehaltstransparenz bewährt hat?

Sandra Micko: Definitiv, wobei wir dieses Modell ja schon immer hatten. Bei unseren Mitarbeiterzufriedenheitsmessungen werden Fragen hinsichtlich der Transparenz und Nachvollziehbarkeit immer sehr gut bewertet. Insofern würde ich sagen, dass diese Transparenz auch zur Mitarbeiterzufriedenheit beiträgt.

Bildnachweis: Nattapol Sritongcom / Shutterstock; Microsoft/Anna Rauchenberger

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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