Plötzlich Führungskraft: Tipps vom Coach

von in Arbeitsleben am Montag, 19. Januar 2015 um 11:36

Die ersten Wochen als Chef: Egal, ob man im bestehenden Team befördert wird oder bei neuem Arbeitgeber als frisch gebackene Führungskraft startet – die neue Rolle ist oft nicht einfach. Die Psychologin und Coach Gundl Kutschera gibt Impulse, wie man sich als neuer Vorgesetzter bewährt und mit Fehlern umgeht.

Führungskräfte: Wohin geht die Reise?

Gundl Kutschera

Gundl Kutschera

Von Kollege zu Kollege – das war gestern. Denn heute ist man plötzlich Chef. So sehr man sich über den Karrieresprung auch freut, diese Veränderung wirft auch Fragen auf: Bleiben die Kollegen immer noch Kollegen, werde ich ein guter Chef sein und kann ich mich kollegial durchsetzen? Gundl Kutschera coacht Führungskräfte und weiß, worauf es beim guten Führen ankommt.

Vom Mitarbeiter zur Führungskraft – welche Fettnäpfchen und Fallen lauern?

Gundl Kutschera: Kommt darauf an, was genau ein Fettnäpfchen oder eine „Falle“ ist. Immer dann, wenn wir nicht rollenadäquat handeln, laufen wir Gefahr, uns in Schwierigkeiten zu bringen. So passieren Fettnäpfchen zum Beispiel wenn eine Führungskraft vergisst sich zu fragen: Was würde ich tun, wenn mein Chef das von mir verlangen würde / nicht verlangen würde? Es geht immer wieder um die Balance zwischen den Bedürfnissen des Unternehmens, der Kunden, der Mitarbeiter und den eigenen. Vergessen Manager auf die Kunden, kommt es genauso zu einer Schieflage, wie wenn sie ihrer Rolle, nämlich als Chef klare Entscheidungen zu treffen, nicht nachkommen. Je klarer ein neuer Chef lebt, wann er Seite an Seite mit seinen Mitarbeitern arbeitet und wann er Verantwortung übernimmt und einen Rahmen für seine Mitarbeiter setzt, desto leichter gelingt ein „Rollenwechsel“ vom Mitarbeiter zur Führungskraft.

Der erste Eindruck zählt: Wie kann ich die erste Zeit als Führungskraft erfolgreich meistern?

HandshakeGundl Kutschera: Prinzipiell ist es sicherlich so, dass es keine Patentrezepte für erfolgreiches Führen gibt, sondern nur, wie jeder mit seiner eigenen Persönlichkeit kongruent den Rahmen setzt und definiert, wie sie oder er führt. Die neuen Mitarbeiter sollen sich schlicht und einfach auskennen, woran sie sind. Dazu gehört auch, dass man als neuer Chef herausfinden muss, was jeder Arbeitnehmer kann und macht. Einfach das Gespräch suchen und danach fragen. Dazu gehört gewiss auch, dass man sich gleich zu Beginn vorstellt und den eigenen Rahmen mitteilt: Wohin geht die Reise und wer ist man selbst? Zum Beispiel hat mir ein Manager einmal erzählt, dass jeder zu ihm kommen kann, wenn seine Türe offen ist und er nur möchte, dass über Kollegen gesprochen wird, wenn diese sich im selben Raum befinden. Sämtliches Gerede hinter dem Rücken anderer Personen war so von vornherein abgestellt.

Auch Führungskräften passieren Fehler. Wie geht man am besten damit um?

Gundl Kutschera: Gute Entscheidungen werden immer auch mit dem Bauchgefühl und nicht nur mit der Ratio getroffen. Ist eine Fehlentscheidung passiert, dann ist es am besten, sich dazu zu bekennen: Ich habe nochmals nachgedacht und will meine Entscheidung von gestern revidieren oder ändern. Eine Führungskraft hat mal erzählt, dass jeder Mitarbeiter weiß, was der Chef nicht so gut kann und dass das kein Geheimnis ist. Das Spannende in diesem Unternehmen ist, dass generell mehr Offenheit herrscht und Fehler nicht vertuscht werden müssen, sondern Lösungen rascher auf den Tisch kommen.

„Wichtig, den eigenen Führungsstil zu finden und kraftvoll zu führen.“

Gute Führungskräfte lassen sich laufend beraten oder nehmen Coachingstunden: Einerseits zur eigenen Stärkung und für die eigene Gesundheit, um Ängste und Krisen zu überwinden, zur besseren Erreichung der geforderten Aufgaben und Zahlen, zur Reduzierung der Krankentage oder um ihr Team zu begeistern. Damit alle an einem Strang ziehen und bessere Konfliktlösungen möglich werden. Um diese Themen immer wieder erfolgreich leben zu können, ist es wichtig, den eigenen persönlichen Führungsstil zu finden und kraftvoll zu führen. Daraus ergibt sich immer wieder die Frage: Wie kann eine Führungskraft einen klaren Rahmen setzen, in dem alle Mitarbeiter die persönliche Bestleistung bringen können? Setzt die Führungskraft diesen Rahmen nicht, dann gibt es Unsicherheiten und Chaos, weil sich niemand auskennt und alle versuchen, eine eigene Richtung zu gehen.

Zur Person

Gundl Kutschera ist Soziologin, klinische Psychologin, Psychotherapeutin, Lehrcoach, Lehrsupervisorin, Autorin, Trainerin, Vortragende und Universitätslektorin in Europa und den USA. Sie forscht seit 1974, was gute und gesunde Kommunikation ist und wie diese lern- und lehrbar gemacht werden kann. 1982 gründete sie das Institut Kutschera.

Bildnachweis: Peshkova / Shutterstock; Institut Kutschera, max sattana / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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