Do’s und Dont’s: Was ein gutes Bewerbungsvideo leisten muss

von in Bewerbung, Jobsuche am Montag, 17. Oktober 2016 um 10:35

Neben einem guten Anschreiben oder einem informativen Lebenslauf gibt es noch eine Möglichkeit, beim Wunscharbeitgeber richtig Eindruck zu schinden: mit einem Bewerbungsvideo. Wann sich die Zeit und Mühe für die Erstellung lohnt und was Bewerber im Video keinesfalls tun sollten: Karrierecoach Franz Bauer über die Do’s und Dont’s der Bewerbung im Videoformat.

Sich mit einem Video bei einem Unternehmen zu bewerben, das hat sich noch nicht wirklich durchgesetzt: Die Erstellung eines Bewerbungsvideos kann zeit- und kostenintensiv sein, außerdem eignet sich die Bewerbung im Videoformat nicht für jede Branche. Auf der Suche nach dem absoluten Wunschjob oder Traumarbeitgeber kann sich der Dreh eines Bewerbungsvideos jedoch lohnen. Allerdings erspart das Video nicht die Mühe, Anschreiben und Lebenslauf zu erstellen.

Was es rund um das Bewerbungsvideo zu beachten gibt, haben wir bei Bewerbungscoach Franz Bauer erfragt. Er beantwortet sechs Fragen zum Thema Bewerbungsvideo.

Für wen eignet sich das Videoformat besonders gut, um sich als Bewerber zu präsentieren?

Bauer: Ein Bewerbungsvideo wird nicht für alle Branchen oder ausgeschriebenen Stellen sinnvoll sein. Überall dort, wo es um Kreativität, Initiative und Ausstrahlung geht, macht es auf jeden Fall Sinn. Branchen wie Medien, Journalismus, Marketing und Werbung, alle Stellen mit Kundenkontakt oder solche, die mit Verkauf zu tun haben, sind prädestiniert für dieses Bewerbungsmedium. Ein Video gibt die Gelegenheit zu zeigen, wie man ist. Es kann die klassische Bewerbung abrunden. Auf jeden Fall ist ein Video aussagekräftiger, als ein Foto.

Zum Inhalt: Was muss in ein gutes Video hinein, was sollten Bewerber auf keinen Fall tun?

  • Wichtig ist auf jeden Fall die kreative und hochwertige Umsetzung. Es darf keine reine Aufzählung des Lebenslaufs sein. Wichtigster Inhalt sollte die Motivation für die Bewerbung um die Stelle sein. In prägnanter und überzeugender Weise müssen die wichtigsten Gründe vermittelt werden, warum der Bewerber dem Unternehmen nützlich sein wird. Warum ich? Diese Frage wird in einem kurzen Statement treffsicher beantwortet.
  • Nach einer (sehr) kurzen Vorstellung sollten schon die wesentlichen Meilensteine des Werdegangs und die Erfolge dargestellt werden: Warum die Bewerbung ausgerechnet bei diesem Unternehmen? Auch die beruflichen Ziele haben hier ihren Platz. Sind Sprachen für die Stelle wichtig, können auch Teile des Bewerbungsvideos in einer Fremdsprache aufgenommen werden.
  • Mit persönlichen Details kann das Video abgerundet werden. Was zeichnet die eigene Persönlichkeit aus? Was sind die Leidenschaften, Hobbys oder Freizeitbeschäftigungen?
  • Der Text muss sehr gut vorbereitet werden. Beim Drehen ist aber darauf zu achten, dass man nicht den Eindruck gewinnt, er wird abgelesen. Lieber kürzere Szenen drehen mit kurzen und prägnanten Statements, als lange und wenig strukturierte Reden zu halten.
  • Deswegen ist es auch günstig in klar abgetrennten Szenen mit Überblendung, textlich oder als visueller Übergang, zu arbeiten. So können die Szenen auch einfach mehrmals gedreht werden.
  • Ein gelungenes Ende gewährleistet den abgerundeten Eindruck von der Vorstellung bis zur Verabschiedung. Als Schlusssatz eignet sich auch hier der Hinweis auf die Bereitschaft für ein persönliches Gespräch oder Vorfreude darauf, vielleicht bald zum Team zu gehören. Abschließend kann man auch noch die Kontaktdaten einblenden.

Was muss aus technischer Sicht beachtet werden?

Bauer: Die Geduld der Entscheidungsträger im Bewerbungsprozess darf nicht überstrapaziert werden, daher lieber kurz und bündig bleiben. Eine gute Richtgröße für die Länge des Bewerbungsvideos kann 100 Sekunden, plus/minus 20 sein. Lieber weniger, als eine einzige, langatmige Wiederholung von Lebenslauf und Bewerbungsschreiben.

Für einen professionellen Eindruck sind auch „Nebensächlichkeiten“ dringend zu beachten. Dazu zählt vor allem der Hintergrund – sowohl optisch, als auch akustisch. Ein helles Büro oder das geordnete Bücherregal im Hintergrund sind mögliche Settings, die im Video gut wirken. Im Bildausschnitt oder bei einem Schwenk sollten keine ungewollten Gegenstände ins Bild kommen. Der Wäschekorb oder der Kabelsalat im Hintergrund – das ist nicht förderlich. Bei Dreharbeiten im Freien (vielleicht vor dem Gebäude des Wunscharbeitgebers?) muss auf die Geräuschkulisse geachtet werden. Ganze Szenen oder die Übergänge können mit unaufdringlicher Musik unterlegt werden, wenn es passt.

Bewerbungsvideo selbst drehen: Ja oder besser dem Profi überlassen?

Bauer: Das Bewerbungsvideo kann auch mit einer sehr guten Handy-Kamera gedreht werden, allerdings können Ton und die Gesamtqualität unter dem nicht professionellen Equipment leiden. Keinesfalls ein Video im Selfie-Stil drehen! Ausschlaggebend ist, ob die erreichte Qualität der Stelle, Branche und den dort herrschenden Standards entspricht. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, wendet sich an Profis die mit dieser Art von Bewerbungsformat Erfahrung haben und ein Video professionell umsetzen können. Ein umfassendes Angebot enthält nicht nur das Video selbst, sondern auch Maske, Frisur und Beratung zu Outfit und Drehort. Ein Gesamtpaket, inklusive Analyse der offenen Stelle und der eigenen Qualifikationen, wird sich im Preis niederschlagen. Auch der Aufwand dafür ist entsprechend groß.

Sollte man für jeden Arbeitgeber ein eigenes Video drehen?

Bauer: Der Aufwand für den Dreh eines guten Bewerbungsvideos ist nicht unerheblich. Aber wenn es sich um den Traumarbeitgeber handelt, dann lohnt sich dieser Aufwand sicherlich. Nennt der Bewerber im Video den Namen des Unternehmens, bei dem er sich bewirbt, zeigt er klar: Dieses Video habe ich nur für euch gemacht. Die Namensnennung ist nur ein kleiner Teil der Individualisierung, dazu zählt auch der konkrete Beitrag, der für das Unternehmen geleistet werden kann. Plant ein Arbeitgeber bspw. die Expansion nach China und der Bewerber bringt zu diesem Markt Kenntnisse mit – dann auf jeden Fall erwähnen.

Zu guter Letzt: Wie bringe ich das Video ans Unternehmen?

Bauer: Natürlich muss das Video nun auch dem Unternehmen zur Verfügung gestellt werden. Ich rate zur Verwendung eines gängigen Videoformats, das problemlos mit jedem standardmäßig installierten Videoplayer abgespielt werden kann. Das Video kann etwa in der Cloud gespeichert werden wie auf Google Drive oder Dropbox. Der Link dazu kann individuell freigegeben und mit den Bewerbungsunterlagen – im Anschreiben oder im Lebenslauf – mitgeschickt werden. Manche Anbieter von Bewerbungsvideos stellen dafür auch eigenen Speicherplatz zur Verfügung.

Bildnachweis: mrmohock/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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