Wie soll ein modernes Unternehmen im 21. Jahrhundert sein? Möglichst divers und vielfältig, so der Tenor. Im Englischen würde man sagen, es braucht mehr „diversity“. Aber was heißt das genau, vielfältig zu sein? Und wie können Sie mehr Diversität in Ihr Unternehmen bringen?

Diversität: eine Definition

Um zu verstehen, worauf es beim Diversity Management eigentlich ankommt, muss zunächst der Begriff der Diversität selbst geklärt werden. Dazu reicht ein kurzer Blick ins allwissende Internet, wo verschiedene Definitionen angeboten werden. Die allgemeine lautet: die Gesamtheit der unterschiedlichen Ausprägungen von etwas. Was heißt das aber umgemünzt auf die Arbeitswelt? In diesem Kontext steht Diversität für die Vielfalt der Belegschaft – diese ist also vielschichtig und facettenreich zugleich.

Die „Charta der Vielfalt“ – eine Arbeitgeberinitiative zur Förderung von Vielfalt in Unternehmen und Institutionen – hat sechs Vielfalts-Dimensionen formuliert. Sie stützt sich dabei auf das österreichische Grundrecht, wonach kein Mensch aufgrund dieser Kategorien diskriminiert werden darf:

  1. Geschlecht
  2. Kulturelle oder nationale Herkunft
  3. Religion
  4. Behinderung
  5. Alter
  6. Sexuelle Orientierung und Identität

Der Mensch im Mittelpunkt

Der demografische Wandel aufgrund von Globalisierung und Migration verändert den Arbeitsmarkt maßgeblich und verschärft den Fachkräftemangel zusätzlich. Unternehmen müssen darauf reagieren, wenn sie weiterhin konkurrenzfähig sein möchten. Gelebte Vielfalt kann da entgegenwirken. Es wird immer wichtiger, über den eigenen Tellerrand zu blicken und Bewerbergruppen in Erwägung zu ziehen, die man bis dato gar nicht auf dem Radar hatte. Ein Ja zur Diversität erleichtert die Ausrichtung Ihres Unternehmens auf gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Veränderungen.

Warum muss der ältere Mitarbeiter zwangsweise auf dem Abstellgleis landen, obwohl er immer noch voller Ideen und Tatendrang ist? Welche Frau wird Höchstleistungen bringen, wenn sie bei gleicher Qualifikation und Position weniger bezahlt bekommt als ein Mann? Und warum sollte ein autistischer Mensch mit überdurchschnittlich ausgeprägten analytischen Fähigkeiten nicht eingestellt werden?

Erkennen und schätzen Sie die Potenziale, Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale Ihrer Mitarbeiter. Jeder Mensch ist einzigartig und bringt eine eigene Palette an Kompetenzen mit. Diese aufgrund von Vorurteilen oder festgefahrenen Gewohnheiten gar nicht erst in Erwägung zu ziehen, grenzt an Ignoranz. Ein Beispiel: Mitarbeiter in fortgeschrittenem Alter mögen unter Umständen nicht mehr so belastbar sein, sind allerdings erfahrener. Sie eignen sich daher sehr gut, um jüngere Beschäftigte unter ihre Fittiche zu nehmen und sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen.

Vielfältige Unternehmen sind erfolgreicher

Diverse Teams und Unternehmen sind bereits Gegenstand zahlreicher Studien. Den Ergebnissen zufolge sind Firmen, die Vielfalt leben, in ihrer Kultur wesentlich gestärkt worden und konnten Arbeitsprozesse schneller vorantreiben. Darüber hinaus zeigten sich die Mitarbeiter motivierter und fühlten sich dem Unternehmen eher zugehörig.

Die Studien heben übrigens auch hervor, dass homogene Gruppen weniger diskussionsfreudig sind. Das ist nicht verwunderlich, immerhin denken alle gleich oder zumindest ähnlich. Für neue, innovative Ideen gibt es keinen Spielraum, um sich zu entfalten. Denn es braucht verschiedene Meinungen und Ansätze, um eine ständige Weiterentwicklung und Verbesserung zu garantieren. Und nichts ist für ein Unternehmen tödlicher als Stagnation.

Die Vorteile von Diversität

  • Gestärkte Unternehmenskultur
  • Höhere Leistungsbereitschaft
  • Verbesserte Arbeitsmoral
  • Gesteigertes Zugehörigkeitsgefühl
  • Offene Feedback-Kultur
  • Raum für neue Ideen und Ansätze

So können Sie das Potenzial nutzen

Im Rahmen ihres Analyseberichtes 2018 hat die österreichische „Charta der Vielfalt“ ihre Mitglieder befragt, mit welchen Diversity-Themen sie sich überwiegend beschäftigen. Das Ergebnis sah wie folgt aus:

  1. Alter bzw. Generationen
  2. Gender
  3. Kulturelle Vielfalt
  4. Behinderung
  5. Religion
  6. Sexuelle Orientierung und Identität

Die Unternehmen wurden außerdem befragt, in welchen Bereichen welche Vielfalt fördernden Maßnahmen getroffen wurden – einige ausgewählte Beispiele:

Alter bzw. Generationen

  • Betriebskindergarten
  • Einführung Generationen-Management

Gender

  • Frauenquote steigern
  • Karenzmodell für alle
  • Ausbau von Work-Life-Balance

Kulturelle Vielfalt

  • Teilnahme an Mentoring für Migranten
  • Mitarbeiter aus unterschiedlichen Nationen einstellen
  • Expansion von Diversity in den (inter-)nationalen Niederlassungen

Behinderung

  • Projekt „Barrierefreiheit und Inklusion“
  • DisAbility Wirtschaftsforum

Diversität messbar machen

Sie haben also nun Maßnehmen in Ihrem Unternehmen implementiert, um für mehr Vielfalt zu sorgen. Gut, aber wie finden Sie nun heraus, ob Sie mit Ihrem Vorhaben erfolgreich waren oder nicht? Keine Sorge: Es gibt eine ganze Reihe an Messinstrumenten, mit denen sich der Erfolg Ihrer Maßnahmen messen lässt. Die „Charta der Vielfalt“ hat folgende als Beispiele genannt:

  • KPIs (z. B. Anteil der Frauen in Führungspositionen)
  • Bericht der Diversity-Beauftragten
  • Daten-Reports
  • Mitarbeiterumfragen
  • Kennzahlen
  • Strukturanalyse der Belegschaft

Damit ein Unternehmen vielfältiger werden kann, braucht es Reflexion. Das bedeutet auch, dass Sie über die eigenen Vorurteile reflektieren und vielleicht sogar erkennen müssen, dass Sie sich mancher gar nicht bewusst sind. Die Entwicklung eines Unternehmens hin zu mehr Diversität ist ein Prozess. Seien Sie offen und neugierig, holen Sie immer wieder Feedback von Ihren Mitarbeitern ein und finden Sie dadurch heraus, was noch verbesserungswürdig ist.

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