Sie wol­len sich Urlaub neh­men? Hier fin­den Sie alle recht­li­chen Ansprü­che für Ihre frei­en Tage. Für fast alle Arbeit­neh­mer von Pri­vat­un­ter­neh­men ist der Urlaubs­an­spruch im Urlaubs­ge­setz geregelt.

Urlaubsanspruch

Der Urlaubs­an­spruch beträgt pro Arbeits­jahr (beginnt mit dem Ein­tritts­tag) 5 Wochen (bei einer 6‑Ta­ge-Woche sind dies 30 Werk­ta­ge, bei einer 5‑Ta­ge-Woche 25 Arbeits­ta­ge; bei einer Teil­zeit­be­schäf­ti­gung mit z. B. 3 Arbeits­ta­gen pro Woche 15 Arbeits­ta­ge).

Bei einer Beschäf­ti­gungs­zeit von min­des­tens 25 Jah­ren beträgt der Urlaubs­an­spruch 6 Wochen (bei einer 6‑Ta­ge-Woche sind dies 36 Werk­ta­ge, bei einer 5‑Ta­ge-Woche 30 Arbeits­ta­ge; bei einer Teil­zeit­be­schäf­ti­gung mit z. B. 3 Arbeits­ta­gen pro Woche 18 Arbeits­ta­ge).

Urlaubsanspruch am Beginn eines Arbeitsverhältnisses

In der Anfangs­pha­se ent­steht der Urlaub antei­lig, sodass pro Monat ca. 2 Arbeits­ta­ge (bei einer 5‑Ta­ge-Woche) bzw. 2,5 Werk­ta­ge (bei einer 6‑Ta­ge-Woche) gebüh­ren. Nach sechs Mona­ten ent­steht der vol­le Urlaubs­an­spruch von 5 Wochen.

Urlaubsanspruch ab Beginn des 2. Arbeitsjahres

Am 1. Tag des neu­en Arbeits­jah­res ent­steht der vol­le Urlaubs­an­spruch. Es ist auch zuläs­sig, dass in Betrie­ben vom Arbeits­jahr auf das Kalen­der­jahr umge­stellt wird, sodass der vol­le Urlaubs­an­spruch jeweils ab 1.1. gebührt.

Vordienstzeitenanrechnung für den Urlaubsanspruch

Neben der Beschäf­ti­gungs­zeit im lau­fen­den Arbeits­ver­hält­nis muss der Arbeit­ge­ber fol­gen­de Zei­ten anrechnen:

  • Vordienstzeiten beim selben Arbeitgeber, wenn die Unterbrechung nicht länger als drei Monate gedauert und das vorherige Arbeitsverhältnis nicht durch Kündigung des Arbeitnehmers, unberechtigten Austritt (= grundlose, fristlose Kündigung des Arbeitnehmers) oder verschuldete Entlassung geendet hat

  • Zeiten einer selbständigen oder unselbständigen Erwerbstätigkeit, wenn diese mindestens je sechs Monate gedauert hat, von maximal 5 Jahren

  • Zeiten einer höheren Schule von maximal 4 Jahren

  • Zeiten eines abgeschlossenen Studiums von 5 Jahren

Bestehen Vor­dienst­zei­ten und Zei­ten einer höhe­ren Schu­le, so wer­den maxi­mal 7 Jah­re ange­rech­net. Besteht zusätz­lich ein abge­schlos­se­nes Stu­di­um, so wer­den maxi­mal 12 Jah­re angerechnet.

Urlaubskonsum

Der Ver­brauch des Urlaubs muss zwi­schen Arbeit­ge­ber und Arbeit­neh­mer ver­ein­bart werden.

Verjährung des Urlaubs

Der Urlaubs­an­spruch ver­jährt nach 3 Jah­ren, sodass man maxi­mal 3 Urlaubs­an­sprü­che (35 oder 3 x 6 Wochen) gleich­zei­tig anspa­ren kann.

Erkrankung während des Urlaubs

Im Fal­le einer Erkran­kung wäh­rend des Urlaubs zählt die­se Zeit als Urlaub, wenn sie bis zu 3 Kalen­der­ta­ge dau­ert. Bei einer län­ge­ren Erkran­kung zäh­len die­se Kran­ken­stands­ta­ge nicht als Urlaub. Die dadurch nicht ver­brauch­ten Urlaubs­ta­ge ver­län­gern aber nicht den Urlaub, son­dern wer­den dem rest­li­chen Urlaubs­kon­to gutgeschrieben.

Urlaubsentgelt, Urlaubsgeld

Das Urlaubs­ent­gelt ist jenes regel­mä­ßi­ge Ent­gelt, wel­ches wäh­rend der Urlaubs­zeit gebührt. Dies umfasst nicht nur den Brut­to­ge­halt, son­dern auch den Durch­schnitt der regel­mä­ßig geleis­te­ten (und aus­be­zahl­ten) Über­stun­den, Pro­vi­sio­nen, Prä­mi­en etc.

Das Urlaubs­geld bzw. der Urlaubs­zu­schuss hin­ge­gen stellt den 13. Bezug dar, wel­cher meist im Bran­chen­kol­lek­tiv­ver­trag gere­gelt ist. Die Höhe beträgt meist 1 Bruttomonatsbezug.

Urlaubsanspruch und Änderung des Beschäftigungsausmaßes

In Öster­reich wird der offe­ne Urlaubs­an­spruch immer dem aktu­el­len Beschäf­ti­gungs­aus­maß ange­passt. Hat z.B. jemand aus einer Voll­zeit­be­schäf­ti­gung noch 3 Wochen Urlaub und wech­selt in eine Teil­zeit­be­schäf­ti­gung, so blei­ben die 3 Wochen Urlaub zwar erhal­ten, aber man bekommt wäh­rend des Ver­brauchs die­ses Urlaubs das Urlaubs­ent­gelt nur noch auf Basis der Teil­zeit­be­schäf­ti­gung. Im umge­kehr­ten Fal­le wird das Urlaubs­ent­gelt auf­ge­wer­tet. Da es zum The­ma Urlaubs­an­spruch bei Wech­sel von Voll- auf Teil­zeit­be­schäf­ti­gung eine gegen­tei­li­ge Judi­ka­tur des EuGH gibt, ist mit einer Ände­rung des Urlaubs­ge­set­zes zu rechnen.

Anspruch bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses

Ein offe­ner Urlaubs­an­spruch wird häu­fig im Zuge der Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses ver­braucht, aber auch in die­ser Pha­se muss der Urlaubs­kon­sum zwi­schen Arbeit­ge­ber und Arbeit­neh­mer ver­ein­bart werden.

Sind zum Zeit­punkt der Been­di­gung des Arbeits­ver­hält­nis­ses noch Urlaubs­ta­ge offen, so gebührt eine (finan­zi­el­le) Urlaubs­er­satz­leis­tung. Ledig­lich bei einem unbe­rech­tig­ten Aus­tritt des Arbeit­neh­mers (= grund­lo­se, frist­lo­se Kün­di­gung) ent­fällt die­se. Die Berech­nung erfolgt der­art, dass für das lau­fen­de Urlaubs­jahr der antei­li­ge Urlaubs­an­spruch in Tagen ermit­telt wird.

Der Brut­to­mo­nats­ge­halt, erhöht um 2 x je 112 an Urlaubs­geld und Weih­nachts­geld sowie regel­mä­ßi­ge monat­li­che Über­stun­den etc., wird dann bei Berech­nung mit Werk­ta­gen durch 26 divi­diert (bei Berech­nung mit Arbeits­ta­gen durch 22) und dann mit die­sen Urlaubs­ta­gen multipliziert.

Hin­weis: Im Arbeits­pro­gramm der öster­rei­chi­schen Bun­des­re­gie­rung ist ein aus­ge­wo­ge­nes Paket zum Urlaubs­recht ver­ein­bart. Dies soll eine ver­bes­ser­te Anrech­nung von Vor­dienst­zei­ten für einen erhöh­ten Urlaubs­an­spruch, den Ver­brauch von Urlaub in der Kün­di­gungs­frist und einen ali­quo­ten Urlaubs­an­spruch bei Umstel­lung von Urlaubs­jahr auf Kalen­der­jahr vorsehen.

Sobald es kon­kre­te Ände­run­gen gibt, wer­den wir Sie an die­ser Stel­le sofort informieren.

Stand: Mai 2018

Autor: Mag. Dr. Klaus Mayr LL.M. ist Refe­rent in der Kam­mer für Arbei­ter und Ange­stell­te (Abt. Kom­pe­tenz­zen­trum Betrieb­li­che Inter­es­sen­ver­tre­tung), Mit­glied der Selbst­ver­wal­tung der GKK, Lek­tor der Uni­ver­si­tä­ten Linz & Wien, Fach­kun­di­ger Lai­en­rich­ter beim OGH.

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