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Studieren voll

Mag. mag man eben. Was aber ist der „Bachelor“ wert?

Weiterbildung Erstellt am: 23. November 2014 2 Min.

Bereits im Mai fragte Blogger-Kollege Michael Feichtinger provokant: What shall we do … with the Bachelor? Eine Frage, die sich derzeit wohl auch eine Vielzahl von Studenten stellt. Bachelor, die erste Ebene der noch relativ neuen, dreistufigen Bologna-Studienabschluss-Architektur, sorgt dieser Tage wieder für Wirbel. Denn jener akademische Grad, der den „Magister“ in den kommenden Jahren endgültig ablösen soll, soll auch künftig im öffentlichen Dienst nicht für Akademikerposten zugelassen werden. Und die „Bachelors“ folglich auch nicht als A-Beamte bezahlt werden.

Studentenvertreter und Gewerkschaften schäumen: „Man presst die jungen Leute in ein Studium, um dieses dann nicht anzuerkennen“, wettert beispielsweise Beamtengewerkschafter Norbert Schnedl. Er spricht das an, was den betroffenen Studenten sauer aufstößt. Denn diese fallen aufgrund ihres Geburts- beziehungsweise Inskriptionsjahrgangs automatisch in die Bologna-Architektur mit den Abschlüssen Bachelor, Master und PhD/Dr. Ohne Wahlmöglichkeit.

Verständlich ist daher, dass sich Diskussionen wie die aktuelle demotivierend auf die Studierenden auswirken. Bei Einführung des neuen Studienmodells wurde ihnen doch noch versprochen, dass die neuen Abschlussgrade ohne Abstriche anerkannt und bekannt werden würden. Akademiker-Entlohnung inklusive. Das Gegenteil ist leider bis heute der Fall. In der Privatwirtschaft werden Bewerber nach wie vor mit Fragen konfrontiert, was das denn für ein Titel sei, den man da stolz hinter dem Namen anführe. Wer Glück hat, kann es seinem künftigen Chef erklären und wird dann, je nach Qualifikation, auch entsprechend entlohnt. Weil es in der Privatwirtschaft kein Beamtendienstrecht gibt, bei dem bestimmte Berufe – A-Posten – nur Akademikern vorbehalten sind.

Wenn nun aber der öffentliche Dienst – also der Vewaltungsapparat jenes Staates, der noch vor wenigen Jahren keine Benachteiligung durch den Bachelor versprochen hatte – diesen neuen Grad nicht anerkennt, ist es nur konsequent, wenn sich die künftigen Leistungsträger fragen: „Warum dann überhaupt dieser Schmalspur-Titel?“

Gedacht war er natürlich auch, um das überlastete Diplomstudiensystem zu entlasten. „Kürzere Studiendauer = mehr Absolventen in kürzerer Zeit = weniger Studierende, die im Studienprozess stecken“, war jene Gleichung, die eine der Zauberformeln zur Behebung der Uni-Misere werden hätte sollen. Höhere akademische Weihen würden im neuen System dann nur die wenigsten anstreben, eher jene, die in der Wissenschaft reüssieren wollen, rechnete man damals. Nach drei Jahren Bachelorstudium solle jeder Absolvent fit für das Berufsleben sein. Zusätzlich sei europaweite Anerkennung der Abschlussgrade künftig dann auch gegeben. Ganz nebenbei würde die Akademikerquote im Land auch noch erhöht.

Lauter Argumente, die wohl von den Studenten und Absolventen durch die Bank gutgeheißen werden. Gerade dass der Abschluss auch im Fall einer angestrebten Karriere im Ausland ohne Probleme anerkannt wird, ist einer der größten Pluspunkte des neuen Systems. Doch der allein wird den wenigsten jungen Bachelors als Karriere-Boost gereichen. Viel wichtiger wäre es, der Öffentlichkeit auch zu kommunizieren, dass Absolventen mit diesem Abschluss auch als „vollwertige“ Akademiker zu sehen sind. Der Ärger der Studierenden ist folglich nachvollziehbar: Wenn die Regierung das Produkt „Bachelor“ einerseits als großen Wurf zu verkaufen versucht, im Gegenzug jedoch betont, dass sie selbst nicht an den Wert dieses Titels glaubt, herrscht Erklärungsnotstand. Und demotiviert künftige Leistungsträger obendrein.


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