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Kontrollverlust im homeoffice

Kontrollverlust im Homeoffice: Arbeitet ihr eigentlich?

Zusammenarbeit Erstellt am: 11. März 2021 4 Min.

Was machen Mitarbeiter*innen im Homeoffice den ganzen Tag? Arbeiten sie wirklich das, was sie sollen? Und wie kann man als Führungskraft den gewünschten Erfolg sicherstellen? Wir haben nachgefragt.

„Meine Mitarbeiter sind nicht greifbar“, „Ich seh nicht, was die tun“, „Ich weiß nicht, ob meine Leute arbeiten“ – es sind Sätze wie diese, die uns seit Beginn der Corona-bedingten Umstellung auf Homeoffice immer wieder von Arbeitgeber*innen und Führungskräften erreichen. Sie zeigen, mit welchen Schwierigkeiten Teamleads bzw. Abteilungsleiter*innen mitunter konfrontiert sind. Denn so angenehm die neugewonnene Freiheit für viele Mitarbeiter*innen auch ist, so unangenehm kann sie für diejenigen sein, die letztlich die Verantwortung für den Arbeitserfolg tragen. Wir haben bei Führungskräften nachgefragt, wie sie damit umgehen.

Empfundener Kontrollverlust im Homeoffice ist hart

Dass es für Führungskräfte sehr hart sein kann, plötzlich gefühlt keine Kontrolle mehr über die Mitarbeiter*innen zu haben, ist nachvollziehbar. Bernadette Frech, Gründerin von Instahelp, einer Online-Plattform für psychologische Beratung, erklärt das so: „Mit der Umstellung auf Homeoffice waren plötzlich Distance Leadership Skills gefragt, die wir bisher nicht gebraucht haben. Sie von einem Tag auf den anderen zu lernen, ist eigentlich unmöglich.“ Eine unbekannte Arbeitsweise in Kombination mit (noch) fehlenden Fähigkeiten und der zumindest anfangs furchteinflößenden Pandemie führt zu großer Verunsicherung bei Mitarbeitenden und Vorgesetzten, das liegt auf der Hand.

„Wir wissen nicht, was zuhause passiert, das müssen wir aber auch nicht.“

Aus diesem Grund müssten Unternehmen eine „Kultur schaffen, die bei der Führungskraft startet“, meint Frech. „Ihre Vorbildwirkung ist ganz wichtig! Wie geh ich mit Erreichbarkeit, Abgrenzung und Pausen um? Gegenseitiges Vertrauen ist dazu besonders gefragt. Wir wissen nicht, was zuhause passiert, das müssen wir aber auch nicht. Messen und kontrollieren geht jetzt anders: Im Homeoffice zählen Ergebnisse statt ständiger Erreichbarkeit, Ziele statt Zeit und Präsentismus.“ Führungskräfte müssen die Zügel im Homeoffice eben locker lassen – oder ganz abnehmen und ihre Mitarbeiter*innen dabei unterstützen, Ziele selbstständig zu erreichen.

Vertrauen muss gelernt werden

Die Kontrolle abzugeben, erfordert Vertrauen in die Fähigkeiten, die Ehrlichkeit und Loyalität der Mitarbeiter*innen. Dieses Vertrauen muss mancherorts erst gelernt, anderenorts lediglich gestärkt werden. Auch hier ist die Führungskraft als Vorbild entscheidend, meint Michaela Foißner-Riegler, Head of HR bei karriere.at: „Man ist Vorbild, auch im Sinne von Zuverlässigkeit. Wenn ich Pünktlichkeit oder Verbindlichkeit einfordere, muss ich sie selbst zeigen.“ Das signalisiert: Bei uns gilt gleiches Recht für alle – und das verbindet.

„Als Führungskraft darf man nie vergessen, auch einfach Mensch zu sein.“

Mitarbeitern vertrauen remote leading

Erwartungen müssen im Homeoffice klar kommuniziert werden.

Auch eine intensivere Kommunikation unterstützt Teams, einander mehr zu vertrauen. Michaela empfiehlt dazu regelmäßige, fix eingeplante Gespräche: „In den Teams muss die Zuständigkeit für Aufgaben klar definiert sein, zudem sollte es kontinuierliches Feedback von Kolleg*innen und Führungskräften geben, damit jeder sich gesehen und die Arbeitsleistung wertgeschätzt weiß. Vier-Augen-Gespräche, sogenannte One-on-Ones, eignen sich auch sehr gut, um zwischendurch privat zu sprechen. Als Führungskraft darf man nie vergessen, auch einfach Mensch zu sein und das zu zeigen.“

Erwartungen klar aussprechen

Ähnliche Empfehlungen hat Georg Konjovic, CEO von karriere.at: „Im Homeoffice müssen wir unsere Erwartungshaltung klar aussprechen. ‚Wir machen das so wie immer‘ reicht nicht. Ich habe mit meinen Mitarbeiter*innen, die direkt mit mir zusammenarbeiten, klar vereinbart, wann wir erreichbar sind und wann wir Rückmeldungen erwarten. Wenn ich am Freitagnachmittag noch ein Mail schreibe, brauch ich die Antwort erst am Montag. Das muss man geradeheraus kommunizieren und auch regelmäßig bestätigen, sonst gerät es in Vergessenheit.“

„Wenn ich am Freitagnachmittag ein Mail schreibe, brauch ich die Antwort erst am Montag.“

Im Büro werden diese Unklarheiten und auch Defizite der Führungskräfte oft durch das Team kompensiert. Im Homeoffice funktioniert das nicht mehr und Probleme, die mitunter schon lange bestehen, werden nun sichtbar, so Konjovic: „Jetzt sieht man, wo es Weiterbildung und Qualifizierung braucht.“ Führungskräfte bräuchten in diesen herausfordernden Zeiten besondere Unterstützung durch Coaching und Trainings, um die Kompetenzen, die im Remote Leading so wichtig sind, zu erlernen.

Braucht es eine neue Art zu führen?

„Was eine gute Führungskraft ausmacht, daran hat sich remote nichts geändert.“

Doch brauchen wir im Homeoffice tatsächlich eine neue Art zu führen? Sind Kontrolle und Vertrauen tatsächlich Remote-Work-Probleme? Max Lammer, Unternehmensberater und Employee-Experience-Experte meint dazu: „Führung ändert sich nicht, egal ob sie virtuell stattfindet oder nicht. Das Thema des Vertrauens war vorher schon wichtig. Was eine gute Führungskraft ausmacht, sind Interesse am Menschen, Empathie, und die Fähigkeit, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Mitarbeiter*innen gut arbeiten und sich wohlfühlen können. An diesem Verständnis hat sich remote nichts geändert.“

Bildnachweis: shutterstock/Roman Samborskyi, Kate Kultsevych


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