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Coronainfektion im unternehmen vermeiden

Ausfälle vermeiden: Welche Corona-Maßnahmen schützen im Betrieb?

Gesundheit Erstellt am: 21. Januar 2022 8 Min.

Die aktuelle Coronavirus-Variante lässt die Infektionszahlen und Krankheitsfälle in die Höhe schnellen. Dementsprechend gute Präventionsmaßnahmen sind jetzt nötig, um Ansteckungen innerhalb des Betriebs zu verhindern und viele Ausfälle zu vermeiden. Welche derzeit am sinnvollsten sind, haben wir mit zwei Experten besprochen.

Nach fast zwei Jahren Pandemie haben viele die Nase voll von Corona-Präventionsmaßnahmen. Doch Jammern und Ignorieren bringen uns nicht weiter. Damit wir alle möglichst schnell aus der Corona-Krise rauskommen, gilt es weiterhin sinnvolle Maßnahmen zu setzen.

Welche für Betriebe am praktikabelsten sind, um Cluster und Ausfälle zu verhindern, erklären Michael Stadlmann und Dr. Matthias Kirchmayr von dieFITMACHER. Als Experten für individuelle und betriebliche Gesundheitsförderung beraten sie Unternehmen seit Beginn der Pandemie bei der Planung von effektiven Präventionsmaßnahmen und berichten von ihren Erfahrungen im Blog:

Sinnvolle und praktikable Corona-Maßnahmen im Betrieb

Die Omikron-Variante des Coronavirus dominiert das Infektionsgeschehen in Österreich. Wie ansteckend sie ist, zeigen die aktuell drastisch steigenden Zahlen. Die brennendste Frage ist dementsprechend in vielen Unternehmen derzeit: Wie schützen wir uns vor coronabedingten Ausfällen? Die gute Nachricht: Um den Betrieb am Laufen halten zu können, gibt es eine recht simple Strategie, erläutern Michael Stadlmann und Dr. Matthias Kirchmayr.

Risikominimierung durch richtiges Testen

Möglichst engmaschig testen – das ist aus medizinischer Sicht am sinnvollsten, erklärt Dr. Kirchmayr, ärztlicher Leiter von die Fitmacher: „Ziel ist, infizierte Mitarbeiter*innen frühzeitig aus dem Verkehr zu ziehen und dadurch die anderen zu schützen und den Betrieb aufrechterhalten. Daher empfehlen wir, dass Betriebe ihre Mitarbeiter*innen am besten täglich testen lassen sollten.“

„Ziel ist, infizierte Mitarbeiter*innen möglichst frühzeitig aus dem Verkehr zu ziehen, um die anderen dadurch zu schützen.“

Dr. Matthias Kirchmayr · Ärztlicher Leiter dieFITMACHER
Matthias Kirchmayr die fitmacher 200x300

Das Problem mit den PCR-Tests

Mit PCR-Tests bekommt man das Ergebnis aber aktuell frühestens am nächsten Tag – in vielen Regionen aufgrund von Kapazitätsproblemen in den Testlaboren sogar noch später. Das ist zu lang für die schnell ansteckende Omikron-Variante, meint Dr. Kirchmayr. „Das Problem mit den PCR-Tests ist derzeit, dass man das Infektionsgeschehen nur zeitverzögert erfassen kann. Zudem sind sie aktuell noch 72 Stunden gültig und das ist zu lang für Omikron. Die Inkubationszeit ist kürzer als bei den anderen Varianten und Infizierte werden deutlich früher ansteckend. Daher sind diese Tests aus unserer Sicht derzeit nicht zielführend für die Prävention im Betrieb.“

Sind Antigentests sinnvoll?

Die Frage ist also, ob man nun wieder stärker auf Antigentests zurückgreifen soll, wie die GECKO-Kommission empfiehlt. Dr. Matthias Kirchmayr begrüßt diese Empfehlung: „Antigentests bieten sich aus unserer Sicht jetzt wieder gut an. Sie weisen unserer Erfahrung nach bei der Omikron-Variante eine hohe Sensitivität und Spezifität auf. Natürlich ist sie etwas geringer als bei den PCR-Tests, aber wenn die Viruslast bei einem Infizierten in den ansteckenden Bereich kommt, erkennt das ein Antigentest zu annähernd 100 Prozent.“

Der Einsatz von Antigentests ist im Vergleich zur PCR-Methode auch im Arbeitsalltag viel praktikabler, da sie weit besser verfügbar sind und das Ergebnis schon kurz nach dem Test anzeigen. Das bedeutet für Arbeitgeber*innen, so Kirchmayr: „Ich erkenne ansteckende Mitarbeiter*innen tagesaktuell und kann sie sofort heimschicken, bzw. gar nicht erst zur Arbeit kommen lassen, um andere zu schützen. Darum sind auch die täglichen Tests so wichtig: Es kann sein, dass ein*e Mitarbeiter*in sich am Montag infiziert, der Antigentest an diesem Tag aber noch negativ ist, weil die Viruslast gering ist. Wenn die Viruslast am Dienstag bereits deutlich höher ist und die infizierte Person damit auch andere anstecken könnte, erkennt das der Test und ich kann die Person zu dem Zeitpunkt in Quarantäne schicken, an dem sie eine Gefahr für andere würde. Zur Sicherheit wird ein positiver Antigentest dann noch mit einem PCR-Test bestätigt. Mit derlei engmaschigen Tests kann ich das Infektionsgeschehen im Betrieb sehr gut kontrollieren.“

Ideal: Rachenabstrich von medizinisch geschultem Personal

Da sich die Omikron-Variante– anders als die bisherigen – vorrangig im Bereich der oberen Atemwege festsetzt, ist auch die Empfehlung für die Probenentnahme eindeutig: „Omikron setzt sich vor allem im Rachenraum fest. Rachenabstriche sind daher aktuell die sinnvollste Methode, weil man hier die meiste Viruslast erwischt.“

„Damit das gewährleistet ist, sollten Tests unbedingt von medizinisch geschultem Personal durchgeführt werden“, ergänzt Geschäftsführer Michael Stadlmann. „Wenn man etwa nur ein bisschen an der Wange entnimmt, kann das den Test verfälschen.“

Das gilt auch für die aktuell beliebten PCR-Gurgeltests, erklärt der Mediziner Kirchmayr: „Wichtig ist, dass die Testlösung mit der Rachenrückwand in Verbindung kommt, so wie beim Rachenabstrich. Was beim Gurgeln aber das Problem ist, ist dass viele nur den Mund ausspülen, statt richtig zu gurgeln.“

Konkurrenzdenken: Impfen vs. Testen

Wohl auch aufgrund der 2G-Regelung scheinen viele zu denken: Wenn ich geimpft bin, muss ich nicht testen gehen. Oder umgekehrt: Ich teste mich jeden Tag, ich brauche die Impfung nicht. Aus medizinischer Sicht ist dieses Denken nicht haltbar, so Dr. Kirchmayr: „Die Impfung schützt mich zu einem hohen Prozentsatz vor schweren Verläufen – je nach Virusvariante ist dieser Schutz unterschiedlich hoch. Somit schützt sie auch das Gesundheitssystem vor Überlastung, damit keine wichtigen Operationen und Behandlungen verschoben werden müssen. Die Impfung schützt aber mein Gegenüber nicht, wie wir mittlerweile wissen. Sie verringert zwar die Wahrscheinlichkeit, mich selbst anzustecken und das Virus weitergeben zu können, aber eben nicht zu hundert Prozent. Darum ist Testen auch für Geimpfte weiterhin so wichtig.“

Detaillierte Informationen zur Wirkung der Impfung bei der Omikron-Variante und eine Empfehlung, wie Geimpfte sich jetzt verhalten sollten, gibts in diesem Artikel des "Standard".

Maske, Abstand und Hygiene: bitte weiter einhalten!

Hygienemassnahmen Corona am Arbeitsplatz

Auch die weiteren Mittel im Kampf gegen Corona wie Kontaktreduktionen, Abstand halten, Maske tragen und Hygienemaßnahmen sind natürlich weiterhin sinnvoll, betont Michael Stadlmann: „Die gehören dazu, das ist ganz klar. Alles, was zur Risikominimierung beiträgt, ist sinnvoll. Da Homeoffice, Abstand halten oder den ganzen Tag Maske tragen nicht in jedem Betrieb durchführbar ist, empfehlen wir aber das tägliche Testen.“

Alle ins Boot holen: Maßnahmen richtig erklären

Viele verschiedene Meinungen, oft wechselnde Erkenntnisse – was in Wissenschaftskreisen normal ist, führt in der Gesellschaft verständlicherweise zu Verwirrung, Verunsicherung und Skepsis. Damit dennoch alle die Maßnahmen zumindest im Betrieb mittragen, sollten Arbeitgeber*innen ihren Mitarbeitenden sowohl den Sinn erklären als auch mögliche Folgen, wenn die Maßnahmen nicht eingehalten werden.

„Bei den unterschiedlichsten Meinungen, die man hört, ist es kein Wunder, wenn man irgendwann gar nichts mehr glaubt.“

Michael Stadlmann · Gründer von dieFITMACHER
Michael Stadlmann die fitmacher 200x300

Michael Stadlmann erzählt: „Wir haben in den letzten zwei Jahren oft gehört: ,Warum sollen wir überhaupt testen, das bringt ja nix …` Bei den unterschiedlichen Meinungen, die man von den verschiedensten Experten hört, aber auch bei der Geschwindigkeit der wissenschaftlichen Erkenntnisse ist es kein Wunder, wenn man irgendwann gar nichts mehr glaubt oder an einer Meinung festhält, die bereits überholt ist. In Unternehmen treffen dann die unterschiedlichsten Menschen mit unterschiedlichsten Einstellungen zu Corona zusammen. Die alle in ein Boot zu holen, damitalle gemeinsam die Maßnahmen verstehen und mittragen, ist eine besondere Herausforderung für Arbeitgeber*innen.“

Das funktioniert am besten, so sind sich die beiden Experten einig, wenn die Geschäftsführung hinter den Maßnahmen steht. Idealerweise wird sie den Mitarbeitenden dann von Vertrauenspersonen wie der direkten Führungskraft so erklärt, dass sie denSinn verstehen. Auch externe Fachexperten wie Betriebsärzte können dabei unterstützen.

Konsequenzen aufzeigen: Was passiert, wenn …?

Am besten verstehen viele Mitarbeiter*innen den Sinn von Maßnahmen, wenn sie einmal aufgezeigt bekommen, was bei Nichteinhalten passieren kann. Anders gesagt: Wenn wir Infektionen vermeiden wollen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten, was passiert, wenn das nicht mehr der Fall ist? Ein Beispiel: Wenn in einem Produktionsbetrieb aufgrund eines Clusters plötzlich eine ganze Produktionsstraße ausfällt, kann der laufende Betrieb nicht aufrecht erhalten werden. Das bedeutet, dass Verträge mit Kunden vielleicht nicht eingehalten werden können. Damit entgehen dem Unternehmen Aufträge und damit Geld. „Das wirkt sich im Endeffekt auch auf die Jobsicherheit aus. Vielen Mitarbeiter*innen ist der Zusammenhang nicht bewusst, darum ist es so wichtig, das einmal in aller Deutlichkeit auszusprechen: Indem du die Maßnahmen mitträgst, bist du mitverantwortlich dafür, dass es unserem Betrieb weiterhin gutgeht und alle ihre Jobs behalten können!“, verdeutlicht Dr. Kirchmayr.

Auch manche Arbeitgeber*innen scheinen sich nicht darüber im Klaren zu sein, was Corona-Infektionen in ihrem Betrieb anrichten können. „Wir hören manchmal: Dann teste ich halt gar nicht, dann muss auch niemand in Quarantäne und der Betrieb läuft weiter“, erzählt Michael Stadlmann. Dass das Problem damit nur vergrößert wird, liegt auf der Hand: „Wenn infizierte Mitarbeiter*innen zur Arbeit kommen, breitet sich die Infektion im schlimmsten Fall in wenigen Tagen über die ganze Abteilung – wenn nicht das ganze Unternehmen – aus. Dann habe ich beispielsweise zwanzig Infizierte, von denen vielleicht zehn wirklich krank werden und plötzlich ist die halbe Belegschaft in Krankenstand. Spätestens wenn sich die anderen als Kontaktpersonen auch testen lassen und deren Tests positiv ausfallen, müssen alle in Quarantäne.“

Dr. Kirchmayr ergänzt: „Dazu kommt, dass sich viele Menschen zum Glück ja auch privat testen lassen. Spätestens bei den ersten Krankheitssysmptomen. Also es kommt sowieso raus, aber dann ist es halt viel zu spät.“

Problemthema Long Covid

Als letzten Grund, warum sowohl Arbeitgeber*innen als auch Mitarbeitende sich möglichst gut vor Infektionen schützen sollten, ist Long Covid. Dr. Kirchmayr erklärt: „Gut zehn Prozent entwickeln Long Covid Symptome, egal welchen Krankheitsverlauf sie haben. Das wurde in letzter Zeit etwas mehr thematisiert, wird aber noch immer von vielen unterschätzt. Wir betreuen in unserer Praxis auch Menschen mit Long Covid Symptomen und können bestätigen: Die können zum Teil gar nichts mehr machen. Darum ist auch die Idee, diese Infektionswelle einfach durchrauschen zu lassen, so gefährlich. Im schlimmsten Fall werden zehn Prozent meiner Mitarbeiter*innen langfristig arbeitsunfähig. Auch gesamtgesellschaftlich kann das noch ein großes Problem werden.“

Über dieFITMACHER

Die fitmacher

dieFITMACHER ist eine medizinische Kooperation unter der ärztlichen Leitung von Dr. Matthias Kirchmayr. Experten aus den Bereichen Sportmedizin, Ernährungsmedizin, Präventivmedizin, Orthomolekulare Medizin, manuelle-Faszienmedizin und mentale Gesundheit begleiten mit spitzenmedizinischen Check-ups, Diagnostik- und Therapieverfahren Menschen dabei, präventiv die Gesundheit zu unterstützen.

Zudem bieten sie Betriebliche Gesundheitsförderung für Unternehmen, betreuen betriebsinterne Coronateststraßen und bieten Beratungen zu Corona-Maßnahmen im Unternehmen an.

Der ärztliche Leiter Dr. med. univ. Matthias Kirchmayr ist Facharzt für Allgemeinmedizin mit Schwerpunkt Bewegungsapparat, Sportmedizin und Präventiv-Lifestylemedizin sowie Teamarzt des LASK Linz.

Michael Stadlmann ist seit 25 Jahren Unternehmer und Geschäftsführer in den Bereichen Sportmanagement und Produktion. Mit seinem Know-how und jahrelanger Erfahrung im Sportbereich ist er ein wesentlicher Baustein im Unternehmen der FITMACHER, der sich mit der ärztlichen Komponente von Dr. Kirchmayr bestens ergänzt.

Bildnachweis: shutterstock/adriaticfoto, Halfpoint; dieFITMACHER/A.Binder


Lisa Marie Linhart für blog 116x173px

Lisa-Marie Linhart
Content Manager
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