Erstellt am 17. Juni 2019 · Arbeitsleben, HR · von

„Schluss mit Einheitsbrei!“ – Über die Zukunft des Lernens, des Arbeitens und die Generation Z

Lesezeit: 4 Minuten

Laufende Weiterbildung, lebenslanges Lernen – heutzutage kann sich niemand mehr Stillstand erlauben. Craig Vezina, Gründer der „ZSchool“ erklärt uns im Interview, warum schon in der Schule mehr in realen Kontexten gelernt werden sollte, welche die wichtigsten Fähigkeiten der Zukunft sind und warum die Generation Z die vielleicht wichtigste von allen sein wird.

Warum hat Schulunterricht oft so wenig mit der „echten Welt“ zu tun? Und was wäre möglich, wenn man das Bildungssystem in reale Kontexte transferiert? Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigt sich Craig Vezina schon seit über zwanzig Jahren. Seine ZSchool soll Antworten darauf liefern. Als Non-Profit-Organisation bietet die Plattform Kurse und Bildungsprogramme auf der ganzen Welt an, um Schüler an reale Themen aus Wirtschaft und Technologie heranzuführen. Das Ziel: Schubladendenken beenden, den Blick für globale Zusammenhänge schärfen und die Lust am Lernen wecken.
Im Rahmen des heurigen Pioneers Festival befragten wir Craig zu seiner Meinung über die Zukunft der Arbeit, lebenslanges Lernen und die Generation Z.

Warum learning by doing die Zukunft ist und welche „Superkräfte“ wir morgen brauchen

In deiner ZSchool geht es um Lernen in realem Kontext. Ist „learning by doing“ deiner Meinung nach die Zukunft?

Craig Vezina: Unbedingt! In den Bildungssystemen gibt es sehr viel Lippenbekenntnis zur Wichtigkeit selbstständigen, unabhängigen Denkens. Aber Schulen und Lehrer scheinen immer noch Schwierigkeiten zu haben, ihren Schülern die Möglichkeit zu geben, diese Fähigkeit auch trainieren zu lassen.

 „Statt den Unterricht als laufenden Denkprozess zu sehen, herrscht in den meisten Schulen die Tendenz zum stets gleichen Einheitsbrei.“

Dabei war es immer schon so, dass wir durchs Tun lernen und dass gerade sogenanntes Deep Learning meistens etwas Schwieriges ist, das eigene Erfahrungen, Rückschläge und Lernen aus Fehlern beinhaltet. Wie wir aus unseren eigenen Erfahrungen in der ZSchool wissen, ist intrinsische Motivation nötig, um diese Art des Lernens überhaupt meistern zu können. Schon Plutarch hat das vor 2000 Jahren treffend formuliert: „Der Geist ist kein Behälter, den man füllt, sondern ein Feuer, das man nährt.“ Das ist sehr schwierig ohne Bezug zu realen, greifbaren Kontexten.

Was denkst du: Welche Fähigkeiten werden die wichtigsten in der Arbeit der Zukunft sein?

Craig Vezina: Es gibt drei Fähigkeiten, die ich für die wichtigsten „Superkräfte“ der Zukunft halte:

  1. Das Lernen lernen. In einer Zeit des ständigen und schneller werdenden Wandels riskieren wir sonst, überflüssig zu werden, wenn wir nicht entsprechende lebenslange Autodidakten sind.
  2. Kommunikation. Obwohl die Medien, in denen wir sprechen und schreiben, sich kontinuierlich weiterentwickeln, werden emotionale Intelligenz, soziale Kompetenz und Kommunikation immer vorrangig bleiben.
  3. Erkennen großer Ideen, Muster und Trends. Dadurch, dass wir immer mehr mit Informationen bombardiert werden, ist die Fähigkeit essenziell, zu entscheiden, was wichtig, hilfreich oder musterbildend ist. Gleichzeitig müssen wir geschickt darin sein, nach neuen Trends Ausschau zu halten, die zwangsläufig auftauchen werden.

Tu, was du liebst: Das Problem mit Allgemeinbildung und intrinsischer Motivation

Wenn junge Menschen das am besten tun, was sie lieben – sollten wir uns nicht von der Allgemeinbildung verabschieden und nur mehr das lernen, was wir lieben?

Craig Vezina: Das ist eine sehr gute Frage! Ich glaube, es ist wichtig, dass beim Lernen auch immer ein Teil Freude dabei ist. Aber gleichzeitig muss man auch ein bisschen dafür kämpfen, um wirklich wachsen zu können. Das Problem, wenn wir nur tun, was wir lieben, könnte sein, dass es ein fixes Mindset nährt, das Türen im Geist eher schließt als öffnet. Wie wir wissen, ist ein Mindset, das auf Weiterentwicklung setzt, essenziell, um uns unser ganzes Leben hindurch zu nähren.

 „Es beunruhigt mich, wenn ich junge Menschen höre: „Ich bin gut in diesem, ich bin schlecht in jenem …“ oder „Ich hasse dieses und jenes …“

Ich denke, der Schlüssel ist, einen anderen Rahmen anzulegen: „Wie könnte ich daran wachsen, wenn ich mich hier durchkämpfe?“ oder noch besser „Welche realen Probleme möchte ich lösen?“ Ich mag vor allem diese letzte Frage, weil das ein unternehmerisches Mindset zeigt. Unternehmerisches Denken ist meiner Meinung nach eine weitere essenzielle Fähigkeit für das Lernen und Arbeiten der Zukunft.

Wie bist du darauf gekommen, die ZSchool zu gründen?

Craig Vezina: Das hängt sehr stark mit der letzten Frage zusammen: Ich habe die ZSchool gegründet, weil ich das Gefühl hatte, dass Schulen wichtige Möglichkeiten fehlen, um junge Menschen mit essenziellen Fragen zu verbinden:

„Wie kann ich meine Stärken und Technologien bündeln, um ein reales Problem zu verbessern, das mich beschäftigt?“

Hier wollte die ZSchool ansetzen und als Innovations- und Bildungspartner für Schulen und Unternehmen dienen, um eine neue Generation darauf vorzubereiten, a) Grenztechnologien und die Realität der Industrie 4.0 zu verstehen und b) die essenziellen Fragen nachhaltiger Entwicklung zu verstehen und sich zu engagieren. ZSchool wurde zudem von der Idee inspiriert, dass wir Brücken bauen müssen zwischen der neuen Generation Z, Familien, Schulen, Regierungen und Unternehmen. Der Weg nach vorne, in anderen Worten, muss sich befreien von Silodenken und Brücken bauen zwischen der Welt der Arbeit und der Welt des Lernens.

Die Macht von Vielen: Warum die Generation Z die wichtigste von allen sein könnte

Es wird oft von einer desillusionierten Jugend gesprochen. Initiativen wie die Fridays for Future zeigen aber auf beeindruckende Weise das Gegenteil. Was bewegt junge Menschen deiner Meinung nach am meisten?

Craig Vezina: Obwohl ihre Bedenken sehr unterschiedlich sind, sind Jugendliche von Natur aus sehr offen und idealistisch. Die Gen Z denkt zudem beeindruckend unternehmerisch. Das ist ein entscheidendes Mindset, das bewahrt, ermutigt und unterstützt werden sollte, quer durch alle Generationen. Durch die Fridays for Future Bewegung erkennen wir zum Beispiel auch, dass die Jugend zunehmend frustriert über die Passivität und Gleichgültigkeit älterer Generationen ist. Das ist verständlich. Mit den wahrlich drängenden Fragen in Bezug auf Nachhaltigkeit und der nie zuvor erreichten Größe dieser Generation (etwa zwei Milliarden Menschen) in Kombination mit der Verbundenheit zu den starken Technologien, mit denen sie aufgewachsen sind, habe ich das Gefühl, dass die Gen Z die vielleicht wichtigste Generation der Geschichte sein könnte.

Über Craig Vezina

Bildung und Technologie sind seine Steckenpferde. Seit zwei Dekaden ist er an international führenden Schulen tätig, unter anderem als Dekan der American School in Paris. Als HundrED Ambassador gilt er als internationaler Experte für die Zukunft des Lernens und der Bildung. Craig Vezina studierte an der Columbia University in New York und machte seinen Doktortitel in Internationaler Diplomatie.

Bildnachweis: shutterstock/Rawpixel.com

Lisa-Marie Linhart

Lisas Liebe gilt dem Wort und der Musik. Bei uns kombiniert sie beides zu wohlklingenden Blogbeiträgen mit dem richtigen Groove für Themen, die das Arbeitsleben leichter und die Karriereplanung einfacher machen.

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