6. September 2017 · HR · von

Studie zu Wissensarbeitern: Lernen für den Job ist oft Privatsache

Spannende Ergebnisse einer Studie zum Thema Wissen im Job: Wer als Wissensarbeiter tätig ist, fühlt sich in erster Linie seinem Thema verpflichtet und weniger seinem Arbeitgeber. Außerdem wird in Weiterbildung sehr oft privat investiert – monetär und zeitlich. Potenziale und Problemfelder, die Arbeitgeber jetzt im Blick haben sollten:

Wie es um Wissensarbeiter, ihre Kompetenzen und Stellenwert im Unternehmen steht, hat eine aktuelle Studie untersucht. Dafür wurden 1.215 Fach- und Führungskräfte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt.

Wissen als Ressource

Wissen ist für Unternehmen eine wichtige strategische Ressource, darin sind sich Fach- und Führungskräfte einig. Diskrepanzen gibt es aber über die Hierarchiestufen hinweg. Manager der ersten und zweiten Führungsebene denken, dass Wissensarbeiter überdurchschnittlich stark gefördert werden und das vorhandene Wissen effektiv genutzt wird. Team- und Abteilungsleiter und Fachkräfte stimmen diesen Aussagen weniger zu.

Der Wert des Wissens

Wissensarbeiter sind schwer ersetzbar, das denken 85 Prozent der Führungskräfte. Weniger selbstbewusst zeigen sich die Facharbeiter. Nur jeder Zweite hält sich für schwer ersetzbar. Und wem gehört die Loyalität? Wissensarbeiter fühlen sich eher ihrem Thema als dem Arbeitgeber verbunden.

Jeder zweite ist bereit, für die fachliche Weiterbildung das Unternehmen zu wechseln.

Drohende Digitalisierung?

36 Prozent der Arbeitszeit entfällt auf Routinearbeiten. Im Rechnungswesen sowie im Marketing und Vertrieb sind Wissensarbeiter besonders oft mit Routinetätigkeiten beschäftigt. 28 Prozent entfallen auf komplexe Problemstellungen, 36 Prozent auf wissensbasierte Tätigkeiten. Werden Automatisierung und Digitalisierung diese Jobs beeinflussen und vielleicht Arbeitsplätze gefährden? Fast drei Viertel der Wissensarbeiter sieht hier keine Gefahr und sagt: Meine Tätigkeit bleibt von diesen Entwicklungen unberührt. Führunskräfte sehen das etwas anders: Mehr als die Hälfte denkt, dass sich wissensbasierte Tätigkeiten in Zukunft verändern werden oder ganz obsolet werden.

Wird Lernen zur Privatsache?

Wissensarbeiter leben für ihr Thema und trennen oft nicht sehr genau zwischen Job und Privatleben. Das betrifft auch den Erwerb ihrer Kompetenzen. 60 Prozent der Fachkräfte arbeiten auch in ihrer Freizeit an der Weiterentwicklung ihrer Themen. Rund die Hälfte von ihnen kommt für die Kosten ihrer Weiterbildung selbst auf.

Die größten Hürden für wissensbasiertes Arbeiten

  • Beschleunigung und Druck statt Innovation: Zu wenig Zeit, um Kompetenzen zu entwickeln, Probleme zu bearbeiten oder einfach nachzudenken
  • Führungskräfte als Kontrollfreaks: Wissensarbeiter fördern und führen statt zu überwachen und kontrollieren
  • Wohin geht’s? Unternehmensstrategien werden ungenau oder unklar kommuniziert
  • Silodenken: Fachbereiche sehen noch zu wenig über den Tellerrand
  • Individuelle Meinung der Arbeitnehmer wird zu wenig berücksichtigt

Maßnahmen zur Verbesserung

Vier Handlungsfelder hat die Studie identifiziert, um Wissensarbeit in Unternehmen zu verbessern:

  1. Routinetätigkeiten abbauen
    Modernisierung der IT-Infrastruktur kann helfen, die standardisierten Anteile der Wissensarbeit zu automatisieren. Ist das nicht möglich, könnten diese Teile der Arbeit auch an Dritte ausgelagert werden. So freigespielt, könnten hoch qualifizierte Arbeitnehmer sich vermehrt komplexen Aufgaben widmen.
  2. Vorsicht vor Spezialgebieten
    Wissensarbeiter im Zwiespalt: Einerseits wird ihr Arbeitsfeld immer spezialisierter, andererseits sind Generalisten gefragt. Mögliche Maßnahmen, die dieses Problem lösen könnten: Projekte mit großer thematischer Vielfalt ansetzen, Wissensarbeiter temporär in andere Abteilungen entsenden oder externe Spezialisten hinzuziehen. So entsteht eine neue Lernumgebung, die hilft, das Silodenken abzubauen.
  3. Kompetenzen aktiv fördern
    Die Verantwortung, zu lernen und sich weiterzuentwickeln, geht immer mehr auf Arbeitnehmer über. Allerdings müssen sich Arbeitgeber hier ebenfalls in die Pflicht nehmen. Kompetenzentwicklung darf nicht nur auf dem Papier stattfinden.
  4. Regeln und Modelle überprüfen
    Ein Ergebnis der Studie zeigt: Wer als Wissensarbeiter seine Arbeit gut erledigen möchte, muss sich hin und wieder auch über Unternehmensregeln hinwegsetzen. Endeutiges Zeichen dafür, dass Theorie und Praxis hier nicht im Einklang stehen. Ob vorherrschende Karrieremodelle, Prozesse, Regeln und Systeme noch Gültigkeit besitzen – dieser Überprüfung müssen sich Arbeitgeber stellen.
Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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