18. Dezember 2018 · Arbeitsleben, Arbeitsrecht · von

Wann zählt die Weihnachtsfeier als Arbeitszeit?

Sie ist der krönende Abschluss eines Arbeitsjahres und sorgt meist bereits im Vorfeld für einiges an Diskussionsstoff: die Weihnachtsfeier. Neben der Frage: „Hingehen oder nicht?“ stellen sich viele auch die Frage, ob die Firmenweihnachtsfeier als Arbeitszeit oder Privatvergnügen zu werten ist. Wir haben uns die rechtliche Lage angesehen.

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Ein Glas Sekt am Schreibtisch oder ein Wochenendtrip mit der ganzen Firma? Weihnachtsfeiern gibt’s von bis und manchmal auch gar nicht. Aber sind Chefs nicht verpflichtet, eine Weihnachtsfeier zu veranstalten? Und gilt die dann als Arbeitszeit? Das sind die Fakten:

In diesem Fall ist die Weihnachtsfeier Arbeitszeit

Wie ist das also mit der Weihnachtsfeier: Arbeitszeit oder doch Freizeit? Das kommt laut Auskunft von Experten der Arbeiterkammer darauf an, wann die Party stattfindet: Gibt es etwa einen Umtrunk oder ein kurzes Beisammensein, welches auf Wunsch oder gar Anweisung des Chefs während der üblichen Arbeitszeit stattfindet, so ist diese Zeit als (zusätzliches) Geschenk der Firma anzusehen und muss demnach auch bezahlt werden. Sprich: Es ist nicht nötig, für die Dauer dieser Art von Feierlichkeiten „auszustempeln“.

Kein Recht auf eine Weihnachtsfeier

Ganz anders ist die gesetzliche Lage bei einer Weihnachtsfeier außerhalb der Arbeitszeit. Wird etwa zu einem festlichen Abendessen geladen, ist die Teilnahme freiwillig und auch unbezahlt. Sprich: Wer kommen möchte, der tut es – und verbringt im Idealfall einen schönen Abend mit seinen Kollegen. Idealfall deshalb, weil es auch nicht selbstverständlich ist, dass Firmen überhaupt ein Beisammensein um die Weihnachtszeit veranstalten. Auch wenn es jahrelang so Brauch war: Beschließt der Arbeitgeber, dieses Jahr keine Weihnachtsfeier zu veranstalten, haben Arbeitnehmer keinen Rechtsanspruch darauf. Das kommt jedoch eher selten vor. Laut einer karriere.at-Online-Umfrage betrifft das lediglich fünf Prozent der Unternehmen.

Umfrageergebnisse Weihnachtsfeier

Muss ich zur Weihnachtsfeier gehen?

Mit Kollegen und Führungskräften in gezwungener Atmosphäre „feiern“? Manchmal würde man sich den Chef in der Freizeit vielleicht gerne sparen – sofern man kann. Findet die Weihnachtsfeier nämlich während der Arbeitszeit statt, so besteht prinzipiell Anwesenheitspflicht, immerhin wird diese Zeit ja auch bezahlt. Außerhalb der Arbeitszeit ist die Teilnahme zwar freiwillig und wird in der Regel auch nicht entlohnt, von kommentarlosem Fernbleiben wird aber allein schon aus Höflichkeitsgründen abgeraten.
Wie karriere.at erhoben hat, sieht das auch gut die Hälfte der Arbeitnehmer so. 44 Prozent sind der Meinung, dass man nur mit gutem Grund bei der Weihnachtsfeier fehlen darf.

Nicht Pflicht, sondern Chance

Sowohl die AK-Experten als auch die meisten Arbeitnehmer sind der Meinung, dass man sich selbst einen Gefallen tut, wenn man zum Fest erscheint. Damit signalisiert man Zugehörigkeit zum Team und auch Dankbarkeit gegenüber dem Arbeitgeber, der die Feier in der Regel bezahlt. Der gute Draht zum Chef ist schließlich auch fürs Arbeitsklima wichtig und ein Nicht-Erscheinen kann schnell falsch aufgefasst werden. Dennoch: Pflicht sollte die Party keine sein, denn dann wäre die lockere Stimmung eindeutig mehr Schein als Sein. „Die Weihnachtsfeier sollte einen Rahmen darstellen, in dem Führungskräfte ihren Mitarbeitern Danke sagen und auch Platz für gute Gespräche und lockeres Beisammensein abseits des Arbeitsalltags bieten“, so karriere.at-Geschäftsführer Jürgen Smid.

Von der Ekstase zur Entlassung

Ausgelassene Stimmung und eine gut sortierte Bar – eine Mischung mit Gefahrenpotenzial. Die Gratwanderung zwischen heiterem Feiern und kapitalem Absturz gelingt nicht jedem. Und manche Aktionen sind nicht nur peinlich, sondern ziehen mitunter auch arbeitsrechtliche Konsequenzen nach sich. Beleidigungen, Formen von sexueller Belästigung oder Handgreiflichkeiten können auch im Rahmen der Weihnachtsfeier zur Kündigung führen. Im Einzelfall sind dabei stets die Begleitumstände und Vorgeschichte des Vorfalls sowie die üblichen Umgangsformen im Betrieb zu berücksichtigen. Das gilt sowohl für Schimpftiraden an den Chef wie auch für spontanes „Blaumachen“, um den Kater auszukurieren. Denn grundloses Fernbleiben vom Arbeitsplatz kann in vielen Fällen ein Entlassungsgrund sein. Folgt auf die Weihnachtsfeier also ein Arbeitstag, beantragt man am besten rechtzeitig Urlaub oder Zeitausgleich. Dann steht einer ausgelassenen Party nichts im Wege.

 

Bildnachweis: RTimages/shutterstock

Redaktion

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