31. August 2018 · Arbeitsleben · von

Unternehmen müssen immer mehr Überzeugungsarbeit leisten

Welche Beweggründe führen dazu, dass sich Kandidaten schnell wieder aus einem Unternehmen verabschieden? Der weltweit tätige, spezialisierte Personaldienstleister Robert Half befragte dazu im Rahmen seiner Arbeitsmarktstudie 500 Arbeitnehmer aus ganz Österreich.

Steigender Wettbewerbsdruck

Dass Unternehmen zunehmend diejenigen sind, die um die Gunst der Bewerber buhlen müssen und nicht mehr umgekehrt, ist bereits bekannt. Insbesondere in Branchen, in denen ein Fachkräftemangel herrscht, obliegt es nicht länger nur dem Kandidaten, sich optimal zu präsentieren. Unternehmen müssen sich immer besser verkaufen lernen, denn mittlerweile entscheidet sich häufig der Kandidat für ein Unternehmen, nicht anders herum! Aus diesem Grund genießen spezialisierte Fachkräfte auch das Privileg der freien Jobwahl, darunter beispielsweise jene, die in der IT-Sicherheit oder in der Finanzbuchhaltung tätig sind.

Kleines Zeitfenster, um zu überzeugen

Unternehmen haben also ihre liebe Mühe, aus der Menge herauszustechen und die besten Bewerber von sich zu überzeugen. Zu dieser Herausforderung hinzu kommt ein zeitlicher Druck, denn bereits nach dem ersten Vorstellungsgespräch steht bei 60 Prozent der Befragten fest, ob sie sich für oder gegen einen Arbeitgeber entscheiden.

„Jeder siebte Bewerber fällt die Entscheidung über Zu- und Absage schon nach fünf Minuten!“

Da bleibt also nicht viel Zeit, um Eindruck zu schinden. Ein Ding der Unmöglichkeit ist das dennoch nicht. Als Unternehmen sollte man im Idealfall bereits wenige Tage nach dem Bewerbungsgespräch den Kontakt zum Kandidaten suchen. Zum einen, um das eigene Interesse zu unterstreichen. Andererseits lässt sich dadurch auch herausfinden, ob seitens des Bewerbers überhaupt noch Interesse an der ausgeschriebenen Stelle besteht. Dadurch lassen sich die richtigen Kandidaten schneller und einfacher in den Fokus nehmen.

Enttäuschte Erwartungen als Kündigungsgrund

Doch dieses Engagement alleine ist ungenügend. Viele Arbeitnehmer kündigen bereits binnen des ersten Monats, weil ihre Erwartungen an den Job bzw. das Unternehmen unerfüllt bleiben. Die Hälfte der Befragten gab schlechtes Management als Kündigungsgrund an. 48 Prozent verabschieden sich, sobald sich zeigt, dass die Unternehmenskultur nicht passt. Zu guter Letzt ist es eine schlechte Einschulung, die 40 Prozent der Arbeitnehmer zum Gehen verleitet.

Natürlich muss sich ein Unternehmen von seiner besten Seite zeigen, um die passenden Kandidaten anzuziehen. Gleichzeitig muss aber auch darauf geachtet werden, nichts zu beschönigen oder gar unter den Teppich zu kehren. Eine ehrliche, offene Kommunikation mit den Bewerbern ist in der heutigen Zeit ein absolutes Muss. Denn nur dadurch können unrealistische Erwartungen im Keim erstickt werden und die Arbeitgeber sind sich im Klaren darüber, worauf sie sich einlassen.

Auch eine solide, durchdachte Einarbeitung gibt neuen Mitarbeitern Sicherheit und das Gefühl, dass man sich um sie bemüht – das motiviert nicht nur, sondern erlaubt Neulingen auch, möglichst schnell gute Ergebnisse liefern zu können.

Wie schnell entscheiden Sie sich in der Regel, ob Sie für das Unternehmen, bei dem Sie ein Vorstellungsgespräch haben, arbeiten möchten?
Nach der ersten Kommunikation (Anruf/E-Mail)10 %
Innerhalb der ersten fünf Minuten eines Vorstellungsgesprächs14 %
Nach dem ersten Vorstellungsgespräch59 %
Bei nachfolgenden Vorstellungsgesprächen10 %
Während der Vertragsverhandlungen7 %

Quelle: Robert Half, Arbeitsmarktstudie 2017/2018, Befragte: 500 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Österreich

Über die Arbeitsmarktstudie:
Robert Halfs Arbeitsmarktstudie wird jährlich in elf Ländern erhoben: Australien, Belgien, Brasilien, Chile, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Neuseeland, Niederlande, Schweiz und Vereinigte Arabische Emirate. Auf Arbeitnehmerseite wurden im Dezember 2017 im Rahmen einer repräsentativen Befragung durch das Institut 3GEM 500 Arbeitnehmer in Österreich befragt, die während der vergangenen fünf Jahre auf Arbeitssuche waren.

Bianca Schedlberger

Biancas Traumjob seit Kindertagen? Schriftstellerin, irgendwann. Bis dahin wird für karriere.at fleißig getextet, unter anderem auch Blogposts.

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