10. Juli 2017 · Arbeitsleben · von

30 Jobs in einem Jahr – Das Traumjob-Experiment

30 Jobs in einem Jahr, 30 unentgeltliche Praktika und 30 Erfahrungen in den unterschiedlichsten Bereichen: so lässt sich das Projekt von Jannike Stöhr zusammenfassen. In ihrem Buch „Das Traumjob-Experiment“ schildert sie ihre ungewöhnliche Reise und natürlich fragt man sich, ob sie ihren Traumjob am Ende gefunden hat. Antworten darauf gibt´s im Interview:

Übrigens: Wir verlosen sechs Bücher!

„Da muss doch noch mehr sein!“

Woher kommen sie eigentlich, die Berufswünsche? Manche werden bereits als Kind gefasst und später tatsächlich umgesetzt. Beneidenswert fand ich sie schon immer, die Menschen, die bereits in ganz jungen Jahren genau wussten, was sie einmal machen wollen. Aber was, wenn das eben nicht so ist? Manche Karrierewege schreibt das Leben, „es hat sich alles gut gefügt“, heißt es dann vielleicht. Man lernt Menschen kennen, die einen direkt oder indirekt beeinflussen. Und manchmal ist man wo gelandet, wo vieles toll ist, aber das Gefühl bleibt, dass da noch mehr sein muss. Für all jene, die jetzt wissen, wovon ich schreibe, könnte das Buch „Das Traumjob-Experiment“ eine spannende Sache sein: auf der Suche nach Zufriedenheit begab sich die ehemalige HR-Verantwortliche Jannike Stöhr im Juli 2014 auf ihr besonderes Experiment: Sie kündigte Job und Wohnung und absolvierte 30 Jobs in einem Jahr.

Erzieherin und lebender Schatten

Von der Erzieherin über die lebende Schattenspenderin bei einer Fernsehproduktin, Hebamme und Biobäuerin bis hin zur Familienaufstellerin reicht die Palette der Aufgaben. Das Spannende sind die Einblicke, die Stöhr dabei erhält. Und Einblicke sind es tatsächlich, die so wichtig sind auf der Suche nach dem Traumjob. Freilich, eine Woche reicht nicht aus, um einen Job komplett zu verstehen: das muss sie auch nicht. Aber eine Woche reicht meist aus, um ein Gefühl (oder eben keines) für eine Sache zu bekommen. Um Kontakte zu knüpfen und mit Menschen sprechen zu können, die in genau dem Feld tatsächlich arbeiten. Im Idealfall findet man jemanden, der einen offen an seinem Arbeitsalltag teilhaben lässt.

Tipp: Menschen mit Leidenschaft für den Beruf suchen

Ein Tipp von Stöhr: „Nach Menschen mit Leidenschaft für ihren Beruf suchen. Sie geben in der Regel gern weiter, was ihren Beruf für sie ausmacht.“ Fragen sind unverzichtbar, denn nur so kann man ausreichend Informationen sammeln. Die meisten Infos über einen Job hat Stöhr tatsächlich in den Gesprächen und nicht im Praktikum an sich erfahren.

30 Jobs in einem Jahr: Haben Sie Ihren Traumjob nun gefunden?

Jannike Stöhr

Jannike Stöhr: Jein. Ich habe früher gedacht, dass ich nach dem Projekt sagen werde: „Ich werde Lehrerin oder Architektin“. Dann habe ich aber festgestellt, dass es für mich nicht DEN Traumjob gibt, sondern eher Tätigkeiten, die mich erfüllen. Da gibt es verschiedene Kriterien wie etwa, dass die Werte, die man vertritt, widergespiegelt werden. Oder dass man seine Talente einbauen kann und dass die Arbeit Spaß macht. Ich habe jetzt nicht den einen Traumjob, sondern arbeite in verschiedenen Tätigkeiten, die mich erfüllen und mir Freude bereiten.

Welchen Tipp haben Sie an Menschen, die selbst noch auf der Suche nach ihrem Traumjob sind?

Jannike Stöhr: Ich würde auf jeden Fall raten, etwas auszuprobieren oder darüber zu sprechen. Weil andere Menschen einen immer anders sehen und oft besser einschätzen können, als man das selbst kann. Das Ausprobieren ist ebenfalls sehr wichtig, ist aber nicht immer in der Form nötig, in der ich das gemacht habe. Man kann zum Beispiel ein Ehrenamt annehmen oder freiberuflich nebenbei etwas machen. Es ist einfach wichtig, sich in einer Situation zu erleben und sich dann zu fragen: „Was macht das mit mir? Wie geht es mir damit?“

Welcher der 30 Jobs hat am meisten Eindruck bei Ihnen hinterlassen und weshalb?

Jannike Stöhr: Das war das Praktikum der Pathologie. Es war ein Job, den ich eigentlich für mich selbst ausgeschlossen hatte, dann auf Wunsch der Leser meines Blogs aber doch gemacht habe. Ich bin dann hin gegangen und habe gemerkt, dass ich total viele Vorurteile hatte. Der Job ist zwar nicht passend für mich, aber sehr, sehr interessant. Er wird oft mit dem Gerichtsmediziner aus dem Fernsehen verwechselt, in Wirklichkeit arbeiten Pathologen zu 90 Prozent für lebende Menschen. Das war sicher der Job, der mich am tiefsten bewegt hat.

Die Komfortzone verlassen

Fazit: Die Autorin lässt einen teilhaben, an einer wirklich besonderen Reise: 30 verschiedene Arbeitswelten, 30 Erfahrungen, AHA-Erlebnisse und viele Erkenntnisse. Am Ende jedes Kapitels fasst Stöhr kurz in zwei Punkten zusammen: „Für wen der Job etwas sein könnte“ und „Wer lieber die Finger davon lassen sollte“. Buchtipps von den „Menschen mit Leidenschaft für den Job“ aber auch der Autorin selbst gibt es als Draufgabe. Man muss, so Stöhr, die Komfortzone verlassen und Neues wagen: denn das helfe bei der eigenen Entwicklung.

Über die Person: Jannike Stöhr

Jannike Stöhr war jahrelang Personalerin in einem großen Deutschen Konzern hatte aber das Gefühl, dass das Leben an ihr vorbeiziehe. Nach der Aufgabe ihrer Sicherheiten und der Aufnahme ihrer Traumjobsuche lebt sie heute als Patchworkerin in Berlin. Sie ist unter anderem selbständig in der Berufsberatung tätig und arbeitet als Freelancerin im Bereich „Neues Arbeiten“. Aktuell geht ihr Projekt „30 Jobs in einem Jahr“ übrigens in eine spannende, zweite Runde. Diesmal aber nicht auf der Suche nach dem Traumjob sondern auf der Suche nach „30 Jobs der Zukunft“. Berichten wird Stöhr von ihrem zweiten Abenteuer wieder auf ihrem Blog.

Verlosung

Wir verlosen übrigens diesmal sechs Exemplare von „Das Traumjob-Experiment“! Einfach bis zum inklusive 23. Juli 2017 eine Mail mit dem Stichwort „Traumjob“ samt Postadresse an marketing@karriere.at senden. Die Bücher werden unter allen Einsendungen verlost – der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden per Mail verständigt.

Bildnachweis: Shutterstock / Yuganov Konstantin, Jannike Stöhr

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit 2012 für karriere.at Am liebsten taucht sie durch Interviews in neue (Arbeits-)Welten ein. Als Jungmama liegen ihr die Vereinbarkeit von Familie und Job besonders am Herzen.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren