Erstellt am 28. Mai 2019 · Arbeitsmarkt, Social · von

Social Media, Jobsuche, Netzwerke – eine Brancheninsiderin über Zukunftstrends

Lesezeit: 5 Minuten

Einkaufen, Arzttermin arrangieren, Job suchen – werden wir in Zukunft alles ganz bequem über eine einzige online-Plattform lösen? Wir haben mit der Brancheninsiderin Verena Papik über Social Media Trends im Wandel gesprochen und erfahren, wie China den Westen nachhaltig verändern könnte:

Facebook war lange Zeit der Vorzeigeschüler der sozialen Netzwerke. Doch mittlerweile befindet sich Zuckerbergs Imperium am absteigenden Ast: Stagnierende Userzahlen, öffentliche Boycotts durch Persönlichkeiten, und das wohl Schlimmste: Die Zukunft sieht alles andere als rosig aus. Denn die junge Generation, vor allem die sogenannte Gen Z – die Kohorte um die von 1995 bis 2010 Geborenen – sieht kaum mehr einen Grund, sich dort überhaupt anzumelden. Einer der Gründe dafür: Nachdem die Eltern, oft sogar die Großeltern der heutigen Teenager ihren Weg ins www gefunden und Facebook entdeckt haben, sind die Jungen auf andere Plattformen ausgewichen – verständlich, dass man nicht alles mit den Eltern teilen muss.

Will man einen Blick in die Zukunft werfen, wirft man einen Blick nach China. Und dort hat Facebook definitiv keinen Fuß in der Tür, denn dort hat man erkannt, was schon immer ein Wettbewerbsvorteil war: Menschen mögens bequem. Und die Jugend sucht wieder mehr Kontakt und Ausdruck für die eigene Persönlichkeit – zum Beispiel mit der extrem gefeierten Social Media Plattform musical.ly. Verena Papik hat diese als erste europäische Angestellte von China nach Europa gebracht und nun mit Tunemoji ein neues Social Media Format kreiert, das dem Zeitgeist der Gen Z entspricht: Gifs mit Musik.

Im Interview sprechen wir mit ihr über die Trends der Zukunft, eine Generation von Jungen, die neue Werte ins Arbeitsleben bringt und über Frauen in Führungspositionen:

Apps wie musical.ly zielen auf eine ganz bestimmte Generation ab – die Gen Z. Wie wird sich diese Generation und mit ihr Social Media weiterentwickeln?

Verena Papik: Momentan ist es sehr spannend. Ich habe zweieinhalb Jahre in China gelebt und musical.ly von China nach Europa gebracht. Man sieht, die Trends fangen in China an. Dort ist die Kurzvideoform schon lange das A und O. Als ich von China zurück nach Europa gekommen bin, meinte jeder „Wir haben ja YouTube, wieso sollten wir musical.ly brauchen – das schaut sich ja keiner an!“

Influencer und YouTuber meinten, das sei ihnen viel zu kurz, damit könnten sie nicht arbeiten. Der Trend geht aber in Richtung „immer kürzer“. Wir sehen das bei den Instagram Stories. Als Instagram diese gelauncht hat, war das bereits der erste große Schritt in diese Richtung. Oft sind diese 15 Sekunden der Instagram Stories ja schon viel zu lang und die Leute tippen gleich weiter – man nimmt sich diese Zeit nicht mehr. Das nächste kurze Format kann dann nur mehr ein Bewegtbild sein, ein Gif. Das ist für mich ein logischer Schritt, den wir mit Social Media in Zukunft gehen werden, aber auch Social Messaging. Gifs sind schon lange implementiert ins Social Messaging. WeChat ist in China riesengroß und dort sind Gifs sozusagen die neuen Emojis und die einfachste Form, sich schnell auszudrücken.

„Man braucht nur nach China zu schauen, um zu wissen, was bei uns bald Trend ist.“

social Media TrendsIn China braucht man kein Facebook, kein Instagram, dort deckt die Social Messaging Plattform WeChat auch Social Media ab. Der große Vorteil für diese Plattform ist natürlich, dass die User diese Plattform nie verlassen müssen, um mit ihren Freunden in Kontakt zu bleiben, um Flüge zu buchen oder sich mit Kollegen auszutauschen. Wie auch schon Mark Zuckerberg bestätigt hat, wird für Social Media in Zukunft Messaging noch viel wichtiger werden – also der direkte Nachrichtenaustausch über ein soziales Netzwerk. Um zu wissen, was bei uns demnächst ansteht, braucht man nur nach China zu schauen.

Was ist deine Prognose für die Jobsuche der Zukunft?

Verena Papik: Ich glaube, dass es irgendjemanden geben wird, der alle Fäden zusammenziehen und Plattformen zur Jobsuche und Bewerbung einfach bündeln wird. So kann man auf einer Plattform alles zu einem Thema abwickeln. Convenience ist ein Urverhalten des Menschen – alles, was für mich wenig Aufwand bedeutet, dort geh ich hin. Deswegen verwendet in China jeder WeChat, weil es unglaublich bequem ist. Ich glaube, das betrifft in Zukunft auch Themen wie die Jobsuche.

Welchen Einfluss wird die Gen Z auf die Gen Y und alle anderen momentan Berufstätigen haben? Wie wirkt sich das auf die Zukunft der Arbeit aus?

Verena Papik: Die Gen Z ist viel traditioneller als ihre Vorgängergenerationen. Man sagt ja immer, dass die jungen Leute ständig am Smartphone und immer online seien – ja, das sind sie, aber sie wünschen sich wieder mehr Face-to-Face-Kontakt. Sie brauchen eine Basis, auf der persönlicher Kontakt möglich ist. Das nächste ist Flexibilität, das ist für sie auch ein Muss.

„Junge wünschen sich Flexibilität, aber auch Stabilität und wieder mehr persönlichen Kontakt.“

Das heißt: Die Voraussetzung ist, dass ich sechzig, siebzig Prozent meiner Arbeit physisch im Job verbringe, aber auch die Möglichkeit habe, zu reisen und von anderen Orten zu arbeiten. Aber Stabilität ist für die Gen Z ebenso wichtig und Studien beweisen auch, dass sie traditionelle Arbeitgeber bevorzugen: große Unternehmen, in denen sie sich sicher fühlen. Wenn man das vergleicht mit den Millennials, die ja eine sehr idealistische Generation sind und dazu tendieren, alles digital abzuwickeln, wird uns das sicher positiv beeinflussen: Wir gehen wieder Richtung mehr persönlichen Kontakt.

Du stehst auf der „30 under 30“ Forbes-Liste – wie schafft man es in diesem Alter als Frau in so eine Position?

Verena Papik: Ich denke, die Frage ist mehr oder weniger: Wie sehr glaubt man an sich selbst und wie sehr geht man seinen eigenen Weg? Ich bin auf meinem Weg vielen Nein-Sagern begegnet und da muss man gerade als Frau einfach einen Schritt seitwärts machen und dann weitergehen. Das Allerwichtigste ist aber, selbst an seine Vision zu glauben und daran, dass man Einfluss hat – erst dann kann man wirklich etwas bewegen.

„Glaub an deine Vision und geh Nein-Sagern einfach aus dem Weg!“

Mit SheFriendLead hast du außerdem ein Netzwerk für Frauen gegründet. Wird es immer wichtiger sich zu vernetzen – gerade unter Frauen?

Verena Papik: Vernetzen ist das A und O, vor allem auf den gleichen Ebenen. Als SheFriendLead entstanden ist, bin ich sehr viel gereist – ich war in Berlin, London, Shanghai, New York … in vielen Städten, aber konnte mich mit niemandem wirklich „connecten“. Mit Business Partnern möchte man nicht in erster Linie entspannt Abendessen gehen nach einem langen Meetingtag, man möchte vielmehr gleichgesinnte Leute treffen. Man sollte Erfahrungen austauschen können, wie ist es z. B. ist, als Frau jung und in einer Führungsposition zu sein.

Verena Papik_Trends Social Media

Über Verena Papik

Verena Papik ist CMO bei TuneMoji, Generation Z Expertin und steht auf der Forbes-Liste „30 under 30“ für Europas Media & Marketing Landschaft 2019. Ihre Stärke liegt darin, Marken und Publikum aufzubauen, was sie erfolgreich für die weltweit größten Tech- und Entertainment Startups macht. Als erste europäische Angestellte mischte sie beim Chinesischen Social Media Giganten musical.ly (heute TikTok) mit und brachte diesen nach Europa. Heute entwickelt sie als Chief Marketing Officer bei TuneMoji Geschäftsideen für die „MuiscGIF“-Plattform. In nur sechs Monaten schaffte sie mit dem Unternehmen den Wandel vom kreativen Tool zur Social Media Plattform.

Bildnachweis: natmac Stock, AN Photographer2463 / Shutterstock; Verena Papik

Tanja Karlsböck

Tanja macht Instagram, YouTube & Co. für karriere.at und als Abwechslung Blogposts, denn Schreiben ist ihre liebste Kulturtechnik.

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