Erstellt am 1. August 2019 · Arbeitsleben · von

Bessere Work-Life-Balance? Von wegen! Die Arbeitsbelastung steigt

Lesezeit: 3 Minuten

Mehr Arbeit, mehr Verantwortung: Für viele Österreicher bleibt eine bessere Work-Life-Balance reines Wunschdenken. Die E&Y Jobstudie 2019 hat die Gründe dafür ermittelt und zeigt, in welchen Branchen und Altersklassen die Arbeitsbelastung am höchsten ist.

Flexible Arbeitszeiten, vielleicht sogar 30 Stunden bei vollem Gehalt, Pausen machen, wann immer man sie braucht und unbegrenzter Urlaub … Was für wenige Glückliche zum Arbeitsalltag dazugehört, ist für die meisten Österreicher schlicht nicht drin. Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen Ernst & Young hat für seine Jobstudie 2019 1.001 Österreicher befragt, wie sich ihre Arbeitsbelastung in den vergangenen fünf Jahren verändert hat. Die Ergebnisse sind ernüchternd.

Zwei von drei Österreichern spüren höhere Arbeitsbelastung

Mehr Druck und mehr Workload empfinden zwei Drittel der Studienteilnehmer – 22 Prozent geben sogar an, dass die Arbeitsbelastung stark gestiegen sei. Dagegen finden nur fünf Prozent, also lediglich jeder Zwanzigste, dass sie weniger geworden ist. Dabei fällt auf, dass die Zunahme der Arbeitslast umso stärker empfunden wird, je höher die Position und je größer das Unternehmen ist. Die meisten stammen dabei aus dem Banken- und Versicherungswesen, gefolgt von Bauwirtschaft und Telekommunikation. Als am wenigsten stark angestiegen empfinden überraschenderweise Mitarbeiter der Gesundheits- und Dienstleistungsbranche ihre Arbeitsbelastung.

Schlechtere Work-Life-Balance: ein Männerproblem?

Obwohl von Medien und Politik immer wieder gefordert wird, dass Beruf und Privatleben besser vereinbart werden müssen, ist das nach Meinung der Befragten in den vergangenen fünf Jahren nicht geschehen. Fast die Hälfte (48 Prozent) meint, diesbezüglich habe sich nichts verändert. Für 40 Prozent ist es sogar schwieriger geworden, Privates und Beruf unter einen Hut zu bringen. Das sehen Männer mit einem Anteil von 43 zu 38 Prozent übrigens häufiger so als Frauen. Am schwierigsten ist es dabei für die Gruppe der 36- bis 50-Jährigen. Und auch hier zeigt sich: Führungskräfte und Mitarbeiter in großen Unternehmen sind stärker betroffen. Eine bessere Work-Life-Balance empfinden nur 12 Prozent der Befragten.

More is more: Die Gründe der schlechteren Work-Life-Balance

Mehr Arbeitsstunden, mehr Verantwortung und (mehr) Kinder sorgen für mehr Arbeitsbelastung, zeigt die Jobstudie – und deckt sehr traditionelle Rollenverteilungen auf: Männer tragen mehr Verantwortung im Job, Frauen pflegen ihre Angehörigen.

Gründe für schlechtere Work-Life-Balance nach Geschlechtern (in Prozent)

 FrauenMännerGesamt
Mehr Arbeitsstunden515654
Mehr Verantwortung in der Arbeit405749
Ein oder mehrere Kinder212423
sonstige private Anforderungen oder Belastungen221921
mehr Verantwortung zu Hause221921
Pflegeaufwand bei Angehörigen1147

Mehr Zeit, weniger Gehalt? Nicht für Frauen

Gefragt, ob sie auf Gehalt verzichten würden, wenn sie dadurch mehr Freizeit hätten, antworten 54 Prozent tendenziell mit Ja. Der Großteil davon, 32 Prozent, meint aber, das komme auf die konkreten Rahmenbedingungen an. Hier sind Frauen übrigens kritischer als Männer: Mit 35 zu 30 Prozent würden sie es von den konkreten Bedingungen abhängig machen, ob sie auf Gehalt zugunsten von mehr Zeit verzichten würden. Männer scheinen hier risikofreudiger: 27 Prozent stimmen uneingeschränkt zu, aber nur 17 Prozent der Frauen – eine Vermutung: Wer mehr verdient, kann leichter auf einen Teil davon verzichten …

Für einen besseren Job umziehen? Nein.

Für eine bessere Work-Life-Balance auf Geld zu verzichten, scheint dennoch für die Mehrheit der Österreicher eine annehmbare Option zu sein. Ein Umzug für einen attraktiveren Job ist dagegen kein Thema. Auch hier sind Männer eher veränderungswillig. 64 Prozent sagen Nein, während gleich 78 Prozent der Frauen dagegen sind. Am stärksten mit ihrer Umgebung verwurzelt scheinen dabei die Oberösterreicher zu sein. Hier schließen insgesamt 80 Prozent der Befragten aus, für einen besseren Job umzuziehen. In Kärnten sieht man die Sache lockerer: Hier sagen nur 62 Prozent Nein.

Wir würden nicht für den Job umziehen – das Bundesländer-Ranking:

  1. Oberösterreich: 80 %
  2. Niederösterreich: 75 %
  3. Burgenland: 74 %
  4. Tirol: 71 %
  5. Salzburg: 70 %
  6. Wien: 65 %
  7. Steiermark: 65 %
  8. Vorarlberg: 64 %
  9. Kärnten: 62 %

Wer sich einen Wohnortwechsel für die Karriere doch vorstellen kann, den zieht es am ehesten nach Wien, Salzburg oder Niederösterreich. Kärnten, das Burgenland und Vorarlberg schneiden dagegen am schlechtesten ab.

Bildnachweis: shutterstock/Altitude Visual

Lisa-Marie Linhart

Lisas Liebe gilt dem Wort und der Musik. Bei uns kombiniert sie beides zu wohlklingenden Blogbeiträgen mit dem richtigen Groove für Themen, die das Arbeitsleben leichter und die Karriereplanung einfacher machen.

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