27. April 2017 · Arbeitsleben · von

In Ruhe arbeiten – Challenge Großraumbüro

Tratschende Kollegen, läutende Telefone und surrende Drucker sind die Feinde eines jeden Stille liebenden Arbeiters. Im Großraumbüro wird das schnell zur Herausforderung. Was uns am meisten stresst und was wir dagegen tun können: 3 Tipps für mehr Ruhe im Büro.

Die Deadline rückt näher, der Stresspegel steigt parallel zum Kaffeeverbrauch und alles, was man sich wünscht, um das Projekt endlich abschließen zu können, ist einfach Ruhe. Die ist für viele Arbeitnehmer allerdings alles andere als selbstverständlich. Das Großraumbüro kann schon eine große Challenge sein, wenn man konzentriert arbeiten möchte. Lärm ist ein Stressfaktor und sollte nicht unterschätzt werden, wenn es um die Effektivität beim Arbeiten geht: Fünf bis zehn Prozent kann die Leistungsfähigkeit durch Lärm absinken, so Studien.

Das Top-Ärgernis im Büro sind die lieben Kollegen, so der neue Office Report 2017 von Marketagent, im Auftrag von Bene Büromöbel, Wifi und karriere.at. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass diese im Schnitt 13 Telefonate führen und in rund der Hälfte der Büros das Radio läuft.

In der letzten karriere.at Online-Umfrage haben wir nachgefragt, wie sich das Großraumbüro auf die Produktivität auswirkt. Fazit: Acht von zehn Arbeitnehmer (501 Arbeitnehmer) leiden unter der Geräuschkulisse.

  • Fokussierte Arbeit ist für jeden Zweiten (55 Prozent) auf Arbeitnehmerseite nur phasenweise möglich.
  • Die Geräuschkulisse in einem Großraumbüro schränkt die Konzentrationsfähigkeit immer ein, findet ein Viertel (26 Prozent).
  • Zwölf Prozent der Befragten schaffen sich mit Kopfhörern eine akustische Insel im Lärmmeer.
  • Die Betriebsamkeit in der Arbeitsumgebung genießen kann nur ein kleiner Teil der Befragten (7 Prozent).

Manager und Führungskräfte haben es viel besser? Falsch gedacht…auch die Arbeitgeberseite (152 befragte Unternehmensvertreter) fühlt sich betroffen:

  • Mehr als die Hälfte (63 Prozent) kann sich aufgrund von Lärm zeitweise nur schwer konzentrieren.
  • Dass der Lärmpegel im Großraumbüro ein Grund für ständige Ablenkung sein kann, finden 17 Prozent der Voting-Teilnehmer.
  • Jeweils zehn Prozent der Unternehmensvertreter empfinden Lärm als positiv oder entfliehen der allgemeinen Geräuschkulisse durch Kopfhörer.

3 Tipps für mehr Ruhe im Großraumbüro

#1 Rücksicht ist King!

Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu! Den Beziehungsstreit der telefonierenden Kollegin laut mitzuhören, kann durchaus spannend sein, muss es aber nicht. Für Telefongespräche (regelmäßige berufliche Calls, aber natürlich vor allem private) sollte man lieber einen kleinen Spaziergang einlegen – das freut die Kollegen und sorgt gleichzeitig für etwas gesunde Abwechslung, weil das ewige Sitzen unterbrochen wird. Wer gerne Musik hört während der Arbeit, sollte sich definitiv schalldichte Kopfhörer zulegen.

#2 Ruhe- und Rückzugszonen nutzen

Das ideale Büro hält Rückzugsorte und Kreativbereiche bereit. Solche Zonen sind im Nachhinein schwer nachzurüsten, obwohl Teppiche, Möbel und Pflanzen viel verändern können. Arbeitgebern kann man nur dazu raten, rechtzeitig Zonen zur Erholung von der Dauerbeschallung einzuplanen und den Mitarbeitern bereitzustellen.

Für alle Arbeitnehmer, die nicht den Luxus einer Chill-out-Area im Büro haben: Das Lärmproblem ansprechen und nachfragen, ob eine freie Wahl des Arbeitsplatzes im Bereich des Möglichen liegt oder Home Office erlaubt ist. Weniger Lärmbelästigung bedeutet schließlich besseren Arbeitsoutput und zudem sinken mit der Lärmbelästigung erwiesenermaßen auch die Krankenstände. Gegen die lästige Dauerbeschallung von Kaffeemaschine und Drucker kann beispielsweise ein extra Raum für Abhilfe schaffen, außerdem gilt: doppelter Abstand, halber Schall.

#3 Der Notfallplan

Lärmempfinden ist individuell, dementsprechend fühlt sich nicht jeder von den privaten Klatschrunden oder dem surrenden Drucker belästigt. Ist man selbst betroffen und findet absolut keine Möglichkeit zu fliehen, hilft nur eins: Kopfhörer auf und in die Lieblingsmusik eintauchen. Wenn dir Musik fürs Arbeiten zu stressig ist, hilft vielleicht eine Website oder App mit Klängen aus der Natur, etwa einem leichten Sommerregen oder Vogelgezwitscher beim Entspannen.

An Telefonläuten kann man sich übrigens gewöhnen und dieses mit der Zeit ausblenden, an Sprache leider nicht. Sprechen neben mir Menschen miteinander, hat das immer Auswirkungen auf meine Aufmerksamkeit. Die Lösung kann hier nur sein, die Kollegen darauf aufmerksam zu machen bzw. im Team zu vereinbaren, längere Gespräche in einen anderen Raum oder auf Pausen zu verlagern.

Und nicht vergessen: Alles hat zwei Seiten! Was Kommunikation und soziale Interaktion betrifft, gewinnt das Großraumbüro gegen alle.

 

Bildnachweis: Voyagerix/Shutterstock

Tanja Karlsböck

Tanja Karlsböck verfasst Blogposts rund umʼs Arbeitsleben, denn Schreiben ist ihre liebste Kulturtechnik.

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